Review

"Android Insurrection", dessen Titel man ruhig ironisch zu A.I. hätte zusammenkürzen können (geht es doch auch hier vor allem um künstliche Intelligenz, die dementsprechend auch zeitgleich zur Titeleinblendung von einem Erzähler genannt wird), ist einer dieser Low-Budget-Filme, die wahrlich kein Vergnügen sind: Ein Direct-to-Video Produkt, wie es auch aus der Asylum-Schmiede hätte kommen können, wenngleich hier die Handlung schon noch ein Mindestmaß an origineller Eigenständigkeit anstrebt und keine aktuellen Kinohits plagiiert, sondern allenfalls die schon ein paar Jährchen zurückliegenden Klassiker des Sci-Fi-Actionfilms baukastenartig zusammengestöpselt werden.
Ein bisschen "Starship Troopers" (1997), etwas mehr "Aliens" (1986), einige Grundgedanken aus der "Terminator"-Reihe (1984, 1991, 2003, 2009) und der "Matrix"-Reihe (1999, 2003, 2003), die Pointe von "Colossus: The Forbin Project" (1970) und ein paar wandelnde Stereotype des Actionfilms der letzten drei Dekaden... daraus basteln sich die Dilett- & Debütanten David Ian Lee und Nat Cassidy ihr erstes Drehbuch; und man kann eigentlich ganz froh sein, dass Andrew Bellware sich inzwischen auf Horror- und Sci-Fi-Pulp eingeschossen hat und nicht mehr - wie noch in seinen ersten Filmen bis 2004 - Shakespeare und Milton herbeibemüht, die er - wie auch den Salome-Stoff - preisgünstig und mit einfachsten Mitteln zu undergroundigen und ansatzweise sogar recht charmanten No-Budget-Filmen zusammengeramscht hat.[1] Doch mit der zunehmenden Konzentration auf Genrefilmstoffe wich auch das Undergroundige, das Experimentelle aus Bellwares Filmen, die sich zunehmend als Simulationen eines Mainstreamkinos entpuppten, von welchem sie jedoch weit entfernt sind: der Geldmangel und das fehlende Kunsthandwerk - im bewusst billigen und regel- & zügellosen Frühwerk gerade deshalb unaufdringlich geblieben, weil man dort gar nicht mit einem konventionellen und hochbudgetierten Mainstreamkino konkurrieren wollte - schlagen in Bellwares Genrefilmen voll durch. Nahezu alles wirkt unausgereift: die bemühten, aber einfältigen Trickeffekte, die Montage, die Ausstattung... das unterdurchschnittliche, aber erträgliche Schauspiel trägt ebenfalls seinen Teil zum negativen Gesamteindruck bei.

Und dennoch lässt sich auch ein "Android Insurrection" noch teilweise genießen, wenn man sich nur ein wenig bemüht: "Android Insurrection" handelt einmal mehr vom Kampf zwischen Mensch und Maschine, wenn auch eine Art Werbespot zu Beginn des Films noch die positiven Seiten von handelnden, arbeitenden und intelligenten Maschinen hervorhebt.[2] Dieses Thema zieht sich wie ein Leitfaden durch Bellwares Filme: die Entwicklung einer Technik durch den Menschen, welche schließlich den Untergang des Menschen besiegelt. In "Earthkiller" (2011) wird der Film zu Beginn und Ende von der Mantra-artig wiederholten Formel "Die Menschheit wird sich selbst vernichten" gerahmt um dann die Geschichte einer sich gegen die Schöpfer wendenden Technologie zu erzählen, wenngleich sowohl die Menschen, als auch die Maschinenmenschen ihre guten und ihrer bösen Vertreter aufweisen können. Schon das Intro von Bellwares eigener Produktionsschmiede Pandora Machine, nach seinem gleichnamigen Film (2004) benannt, enthält diese einfache Formel: Eine Frau öffnet die Büchse der Pandora in stummfilmartigen Bildern, um eine hochmoderne Laserwaffe zu entnehmen, mit der sie genau in die Kamera zielt - die Technik entstammt der Büchse der Pandora.
Es ist gerade dieses zentrale Motiv, welches die handwerklichen Mängel der Filme Bellwares wieder ansatzweise auszugleichen vermag: denn trotz aller Bemühungen gelingt es Bellware nicht, seine CGI-Effekte mit den real gefilmten Menschen und Objekten zu einem einheitlichen Eindruck zu verbinden, das Zusammenspiel von gefilmter Wirklichkeit und animierter Scheinwirklichkeit gelingt nahezu nirgends, nie ist man versucht, der Illusion der Effekte zu erliegen, sie bleiben immer schlechte Animationen und kehren diesen Umstand überdeutlich hervor. Die Auseinandersetzung zwischen Mensch/Natur und Maschine/Technik in der Handlung der Filme Bellwares findet ihren Ausdruck in der krassen Differenz zwischen erretteter Wirklichkeit einerseits und animierter Täuschung andererseits. Dass das Kino seit Mitte der 90er mehr und mehr die grundverschiedenen Medien des Films und des Animationsfilms durch eine Mischform ersetzt, in der die Grenzen zwischen beiden Medien immer weiter kaschiert werden, rufen die bisweilen grotesk schlechten CGI-Effekte Bellwares vehement in Erinnerung. Dieses immer stärker zunehmende Kaschieren bringt den Film dahin, wo die Fotografie längst ist: künftig wird man sich nie sicher sein können, ob man eine Abbildung der abgefilmten Wirklichkeit vor sich hat oder bloß deren Vortäuschung; nicht mehr die Natur und mit ihr der Mensch, sondern die Animation des künstlich Erschafften wird die Filmbilder der Zukunft prägen.
Bellwares Sci-Fi-Schundfilm über den Kampf des Menschen gegen eine ihn bekämpfende Technologie profitiert also von der deutlich sichtbaren Kluft zwischen realen Aufnahmen und durchschaubaren Animationen, weil sie zufällig und ungewollt darauf aufmerksam macht, dass im gegenwärtigen Kino letztere die realen Aufnahmen immer stärker unterwandern und überwältigen. Dieser Kampf zwischen einem alten Kino des Abfilmens und einem neuen Kino des Animierens, welches sich jedoch als Abfilmen zu tarnen gedenkt, wird in "Android Insurrection" ins Bewusstsein gerufen: Und ebenso wie die künstlichen Maschinenwesen in der Handlung über den Menschen triumphieren, werden auch die künstlich erzeugten Bilder über die Abbildung der Realität triumphieren.
Bisweilen wirkt es fast schon, als habe Bellware diesen Aspekt seines Films erahnt, wenn er die Thematik des Wandels des Mediums Film noch weiter ausweitet und etwa - wie schon im Pandora Machine-Intro - im Abspann in nostalgischer Absicht die Abnutzungserscheinungen echten Filmmaterials digital mit einfachsten Mitteln nachahmt (...ähnlich den entsprechenden Effekten in Robert Rodriguezs "Planet Terror" (2007), wenn auch nicht in dieser Aufdringlichkeit).

"Android Insurrection" bleibt davon abgesehen ein schlechter Film, auch wenn sich sein handwerkliches Misslingen auf dem Gebiet der CGI-Effekte durchaus wieder als Stärke herausstellt: inhaltliche Entwicklungen sind unglaubwürdig, die Figuren sind wandelnde Abziehbilder, die Dialoge sind furchtbar und zwar ganz besonders, wenn sie humoristisch angelegt sind. Einzig eine Episode weiß zu amüsieren: wenn ein Android kurz vor Ende anmerkt, dass die Ereignisse ein merkwürdiges Ende genommen haben und Bellware einen mehr als fünf Minuten dauernden Epilog folgen lässt, in dem ein gigantisches Roboterwesen aus "sentimentalen Gründen" einen Monolog über die künftige Unterordnung des Menschen und dessen Behandlung durch die Maschinen vorträgt. Diese Rede und ihre Untermalung mit herumwankenden Riesenrobotern in schaukelnden Kamerabewegungen ist von beachtlicher Absurdität.
Alles in allem ist "Android Insurrection" ein wenig vergnüglicher Film, der in so ziemlich jeder Beziehung kräftig holpert, aber durchaus dazu anzustiften weiß, das Verhältnis von Film und Animationsfilm im gegenwärtigen und zukünftigen kommerziellen Kino zu reflektieren. (Gerade die ausschließlich am Computer entstandenen Einstellungen, die bisweilen weniger an gegenwärtige reine Animationsfilme, als vielmehr an das frühe Stadium der sogenannten Computerfilmkunst erinnern, haben durchaus auch ihre stimulierende Seite.) Die wenigen positiven Aspekte entschädigen zwar kaum für die vielen negativen Aspekte - aber immerhin: man freut sich trotzdem, wenn man ihnen dann begegnet.

2,5/10


1.) Sein Debutfilm "Hamlet, Prince of Denmark" (1997) drehte Bellware mit einer Fisher Price Spielzeug-Kamera; sichtlich beeinflusst von Michael Almereydas "Nadja" (1994), die von David Lynch produzierte Vampirfilm-Kuriosität, die teilweise ebenfalls mit solch einer Kamera gedreht worden war. Insgesamt ist der Einfluss von Independent- und Underground-Filmen in diesem Debutfilm nicht zu übersehen: verrauscht-verpixelte, unscharfe, eingefärbte s/w-Bilder, teilweise verzerrte Töne an der Grenze zur Unverständlichkeit, Mehrfachbelichtungen und eine mitunter exzessiv aufgerissene Bild-/Ton-Schere gehören zu den Eigenarten dieses Films, sicherlich auch ein bisschen beeinflusst durch E. Elias Merhiges vergleichsweise populäre Wiederbelebung des Undergroundfilms in den 90er Jahren, der experimentellen Horrorparabel "Begotten" (1990). Freilich wird versucht, mit solch experimentellen Zügen über die fehlenden finanziellen Mittel hinwegzutäuschen; der Spaß am ungezügelten Experimentieren ist bei Bellware vor allem auch eine Notlösung gewesen. Dennoch sind oberflächliche Gemeinsamkeiten mit Filmen des New Yorker Undergrounds (vor allem im Fall der ungewöhnlich langen, statischen Einstellungen), oder den späteren Arbeiten Derek Jarmans (der poetische Collage-Charakter, der vereinzelt auftaucht) oder Guy Maddins (das Faible für Stummfilm-Einflüsse, die bei Bellware vor allem in "Salome" (2004) tonangebend sind) vorhanden, wenngleich Bellwares Version qualitativ letztlich eher in der Ecke von vergleichbar experimentierfreudigen Jess Franco Filmen des 21. Jahrhunderts oder Andrew Copps selbstverliebt auf Kult getrimmten "Mutilation Man" (1998) anzusiedeln ist. In "Apostasy" (1998), seinem Mix aus John Milton und "The Prophecy" (1995), geraten noch leichte Einflüsse Greenaways hinzu (die sichtbare Montage im Bild und die Einbindung von Malerei), insgesamt jedoch wird der Tonfall schon eine Spur konventioneller.
2.) Eine Entstehungsgeschichte des Kampfes zwischen Mensch und Maschine wird nicht mitgeliefert: Nach dem werbespotartigen Prolog führt der Film [Achtung: Spoiler!] eine Spezialeinheit ein, die zur Beschaffung kampftauglicher Androiden, mit welchen man die rebellierenden Roboter zu bekämpfen gedenkt, fortgeschickt wird und dabei auf Kampfroboter stößt, die ihre eigenen Pläne verfolgen.

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