Seit einer überraschenden Viren-Epidemie vor zehn Jahren bevölkern hauptsächlich Zombies die Erde. Die kleine Camille, die zu den wenigen Kindern gehört, die nach der Apokalypse geboren wurden und aufgrund eines merkwürdigen Mals am Hals gegen den Virus immun sind (und sogar von den Zombie-Horden ignoriert werden), schlägt sich alleine durch die verwüsteten Städte, um den Ozean zu erreichen, wo sie hofft, ihre Mutter wiederzusehen. Unterwegs gabelt sie einige weitere Altersgenossen auf und gemeinsam versucht man den umherstreifenden Soldaten-Trupps zu entgehen, die gnadenlos das Feuer auf alles eröffnen was sich bewegt… Die Untoten-Apokalypse aus der Sicht von Kinderaugen. Der hierzulande mit einem unangebracht-reißerischen Titel und einem blamablen Cover-Artwork auf die generische Zombiefilm-Schiene gedrückte „Armageddon of the Living Dead“ (der dennoch im Vorspann erscheinende Originaltitel „Descendents“ ist da besser und passender) ist ein DV-gestütztes Low Budget-Filmchen, das einen Tick ambitionierter daherkommt als die meisten anderen Subgenre-Vertreter, und sein nihilistisches Endzeit-Szenario mit einem harschen Look und vielen, augenscheinlich im Selbsteinsatz entstandenen digitalen Effekten umreißt. Mit seinen leicht zu durchschauenden Compositings und dem teils aufdringlichen CGI-Blutgespritze zeigt das Ganze zwar schnell die Grenzen der eigenen Produktion auf, doch tut es das immerhin auf eine charmante Art und Weise… zumal man Regisseur und Co-Drehbuchautor Jorge Olguín allemal unterstellen darf, dass es ihm wohl nicht darum gegangen ist, das Lebende-Tote-Sujet nach der gängigen Manier mit lumpiger Action und krassen Fress-Szenen zu bedienen, sondern er mit seinem Film in Wahrheit etwas ganz anderes bezwecken wollte: ohne eine deutlich auszumachenden Handlung und mit nur wenigen Dialogen, aber dafür mit vielen starken Einzel-Momenten versehen, erscheint einem „Armageddon of the Living Dead“ vielmehr als Allegorie auf die Folgen von Krieg, Unterdrückung und Machtmissbrauch, die sich lediglich den äußerlichen Anschein eines „echten“ Horrorfilms gibt, um ihre unbequemen Themen einem größeren Publikum zuzutragen. So betrachtet ist es Olguín gelungen, den durchschnittlichen Allesgucker nicht ungeschickt an der Nase herumzuführen und ihm (ganz Romero-like) letztendlich Inhalte unterzujubeln, die vielschichtiger und intelligenter sind, als man es wohl erwartet hätte. Da schmerzt dann auch der Verzicht auf breit ausgespielte Splatter-Effekte nicht mehr ganz so sehr, denn auf eine ihr eigene Art ist die Angelegenheit ja trotzdem allemal kompromisslos geraten. Die Bilder von Kindern, die allein und auf sich selbst gestellt durch Städte-Ruinen wandern und nicht nur vor den Zombies, sondern auch noch vor bewaffneten Soldaten flüchten müssen (und die aufgrund des Herkunftslandes Chile nach der Pinochet-Diktatur noch mal einen zusätzlichen Subtext in sich bergen), resonieren beim Zuschauer jedenfalls auf einer tieferen Ebene als die üblichen Gedärme-Happenings und verstören doch ungemein… und lassen einen somit auch über die schalen visuellen Effekte hinwegsehen. „Armageddon of the Living Dead“ ist kurz (etwas über 60 Minuten ohne Abspann) und kriegt seine knapp abendfüllende Laufzeit nur mittels eines zwischen die End-Credits geschalteten Flashback-Einspielers voll, der als kleine Verbeugung vor den ersten zehn Minuten von George A. Romeros „Dawn of the Dead“ in Form von Nachrichten-Beiträgen die Ausbreitung des Virus schildert. Das ist in diesem Fall nicht unbedingt ein Manko… der Punkt, auf den es hier ankommt, ist nämlich schnell gemacht, und jede zusätzliche Minute hätte wohl nur die Wirkung des Ganzen geschmälert. Auch das nicht wirklich kryptisch-verschachtelte, aber doch zumindest ambivalente und auf verschiedene Weise interpretierbare Ende, das ein wenig in den Bereich reiner Phantastik ragt, zieht einen insgesamt passenden Schluss-Strich unter einen Film, den man durchaus als einen der besseren innerhalb der nicht abebben wollenden Flut von Direct-to-DVD-Billigstreifen ähnlicher Couleur in Erinnerung behalten kann. Dem ungewohnten Blickwinkel der Erzählung und der trotz des merklich geringen Budgets gut eingefangenen Atmosphäre verdankt „Armageddon of the Living Dead“ es, dass man ihn, im Gegensatz zu Jorge Olguíns vorhergehender, spackiger Gothic-Vampir-Schmonzette mit Psycho-Touch „Eternal Blood“ also tatsächlich als Bereicherung des Genres empfindet. Wie schade, dass der deutsche Anbieter ihn hierzulande so unwürdig verramscht.
6/10