Nach dem bitteren Ende von „Star Trek II: Der Zorn des Khan“ und dem erfolgreichen Abschneiden am Box-Office, war eine weitere Fortsetzung sehr sicher. Der dritte Ausflug der Enterprise Crew auf den Big Screen gestaltete sich aber dieses Mal komplizierter: Würde ein Star Trek Film auch ohne Spock funktionieren? Die Antwort ist ja, auch wenn Leonard Nimoy nur am Ende in Erscheinung tritt, so ist seine Figur doch immer präsent und somit kein totaler Verlust für den Film. Da Leonard Nimoy trotz früherer Abneigung gewillt war seine Rolle wieder aufzunehmen, bot sich die Gelegenheit für eine Geschichte über die Suche nach Spock, in Verbindung mit dem Genesis-Planeten aus Star Trek II. Die Handlung ist daher ein Element in einem Story-Arc, keine eigenständige Geschichte.
Admiral Kirks Sieg über Khan ist teuer erkauft: Spock ist tot, Schiffsarzt McCoy scheint besessen und der Enterprise droht die Ausmusterung. Als Sarek, Spocks Vater, Kirk einen Besuch abstattet, finden beide heraus das Spocks Katra, sein lebender Geist, gefangen ist in McCoy. Kirk muss zurück zum Planeten Genesis, der unterdessen zum Sperrgebiet erklärt wurde, um Spocks Leichnam zu bergen. Da die Sternenflotte kein Schiff stellen will, beschließt er sich über seine Befehle hinwegzusetzen und die Enterprise zu entwenden. Im Orbit von Genesis wartet unterdessen ein heimtückischer Klingonencommander, der um jeden Preis hinter das Geheimnis von Genesis kommen will...
Zum ersten aber nicht zum letzten Mal führt einer der Darsteller bei einem Star Trek Film Regie. Verbunden mit seiner Rückkehr wollte Leonard Nimoy, alias Mr. Spock, unbedingt diese Position. Wenn man bedenkt das er vorher lediglich bei Shatners Serie T.J. Hooker ein paar Mal Regie führte ist das Resultat mehr als beachtlich.
Die Handlung als direkte Fortsetzung der vorangegangenen Ereignisse darzustellen war unumgänglich, zu schwer wiegt der Verlust des Spock Charakters. Das Spock nicht ganz so tot ist wie man glauben machen will war schon an einigen Details in Teil II zu erkennen, ein Film über die Rettung Spocks also die logische Konsequenz. In Verbindung mit dem Genesis Projekt, was ja Leben aus der Leblosigkeit bedeutet, konnte man den Charakter auch plausibel wieder auferstehen lassen ohne groß etwas konstruieren zu müssen.
Da Spock bis zum Finale aber nur als Kind vorkommt war es nötig den Verlust zu kompensieren. Auch wenn Spock zu den wichtigsten Charakteren der Filmreihe gehört, gelingt das sehr gut. Das liegt zum einen daran das die Geschichte keine typische Sternenflottenmission ist, sondern vielmehr ein kühnes Rettungsabenteuer bei dem alle verbliebenen Enterprise-Crewmitglieder eng zusammenarbeiten müssen. Zum anderen setzt man mit der Zerstörung der Enterprise einen dramaturgischen Schwerpunkt, auch wenn dieser nicht so schwer wiegt wie der Tod von Spock. Wie schon Star Trek II setzt man verstärkt auf Emotionen und die Bindung der Crew. Nach Spock muss obendrein wieder ein Charakter sein Leben lassen. Dieses Mal erwischt es Kirks neu gefundenen Sohn David (Merritt Butrick). Leider gelingt es keine Verbindung zum Zuschauer herzustellen, weshalb der Tod von Kirks Sohn kaum ins Gewicht fällt, auch wenn sich Shatner alle Mühe gibt den Verlust glaubhaft darzustellen.
Optisch macht „Auf der Suche nach Mr.Spock“ einen noch ausgereifteren Eindruck als sein Vorgänger. Es gibt eine Vielzahl von aufwendig gestalteten Schiffen und Requisiten zu bestaunen. Der potentielle Enterprise Nachfolger Excelsior oder das gigantische Raumdock sind äußerst beeindruckend und vergrößern das Star Trek Universum, welches bisher meist nur auf die Enterprise beschränkt war. Optisches Highlight ist ohne Frage die Selbstzerstörung der Enterprise, welche von ILM eindrucksvoll und detailiert gestaltet wurde.
Insgesamt betrachtet ist der dritte Star Trek Film eine würdige Fortsetzung bei der es nur wenig zu meckern gibt: Die Klingonen, welche nach ihrem kurzen Auftauchen im ersten Kinofilm endlich eine wichtigere Rolle spielen dürfen, sind viel zu eindimensional ausgearbeitet. Sie erinnern mehr an gewöhnliche Halunken, von ihrer ehrenvollen Kultur ist nichts zu sehen. Christopher Lloyd (Zurück in die Zukunft) als Klingoncommander Kruge gibt sich zwar Mühe, ist aber kein wirklicher Gegner und kann einem Bösewicht wie Khan nicht das Wasser reichen. Ein weiteres Manko, was aber wohl nur Trekkies auffallen dürfte, ist die Neubesetzung der Saavik Figur. Kirstie Alley wollte offenbar nicht mehr und da ersetzte man sie kurzerhand durch die völlig anders aussehende Robin Curtis.
Auch der dritte Teil der Weltraumsaga ist ein spannendes Abenteuer in der Tradition seiner Vorgänger. Die Klasse von Star Trek II kann aber nicht erreicht werden, das liegt vor allem daran das die Handlung keine in sich geschlossene Geschichte ist und erst im vierten Film seinen Schluß findet. Trotzdem ist „Auf der Suche nach Mr. Spock“ ein spannendes und actionreiches Science-Fiction Abenteuer, welches jedem Genre-Fan zu empfehlen ist und trotz seines Alters immer noch mit tollen Effekten zu überzeugen weiß.