Review

Einige, oberhalb schwebende Plus', die einen dicker, die anderen dünner, ließen die Gestalt des "Star Trek II: The Wrath Of Khan" sich zu einer überragenden erheben.

Das Poesiegelüst des genetisch überlegenen Khan kommt dem Film zugute, ummantelt es ihn immerhin mit einem unzerstörbaren, lyrischen Schild. Khans Kitzel und sein Impuls zugleich, die Rache, bilden eine emotionale Kraft, welche über die Jahre der Abgeschiedenheit auf Ceti Alpha VI heranwuchs, zu einer enorm gefährlichen Macht. Denn unaufhaltsame Rache, ausgelöst durch Zorn und Frustration, kann große Macht darstellen, da der Anspruch auf Verantwortung gegenüber irgendetwas, gar gegenüber dem eigenen Leben, nicht mehr einschränkt im Vorhaben sich zu rächen. Doch ist Rache auch eine Schwäche derjenigen, welche dieses alte klingonische Sprichwort nicht verstehen, "Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird." Nicht die Skrupellosigkeit ist nämlich gemeint, sondern die kühle Kalkulation, die sich der Skrupellosigkeit überordnen sollte. So gesehen stoppt sich die unbändige Rache selbst, da die emotionale Aufgeladenheit, welche besagte Skrupellosigkeit auslöst, nicht wegzudenken wäre, es sei denn, man ist wie Khan ein genetisch überlegener Supermensch.
Allerdings ist Khans Vorgehen, trotz seiner Supermenschlichkeit, gleich eines Rammbockes: schnellstmöglich ein Schiff kapern, Kurs auf Kirk, Schilde hoch, Torpedos feuerbereit, fliegt ihm nach, Feuer! Der schlafende Tiger wurde geweckt und tobt nun in seinem blind- und dummmachenden Hass, war er doch in der gleichnamigen Vorgeschichte so brilliant in seiner kühlen Kalkulation. Somit und womöglich unbewusst ist dieser Science-Fiction-Genuss auf einer seiner Ebenen ein Drama über den Niedergang einer kontrolllosen Figur, der das grandiose Spiel des Ricardo Montalban eine subtile Tragik einhaucht.

Kirk und seine Crew stehen dem alten Feind im Wissen über ihrem eigenen Makel gegenüber. Hybris gegen Nemesis, ein alter, wichtiger Kampf, aus dem in diesem Falle am Ende niemand etwas gelernt hat. Leider.

Ricardo Montalban und die Vorgeschichte seiner Figur tragen also diesen Film noch mehr als die Hauptdarsteller Leonard Nimoy, DeForest Kelly oder William Shattner, da auch - und es sei nur nebenbei erwähnt - gerade letzterer durch Montalban zur besten Leistung seiner Karriere angespornt wurde. Der Regisseur, Nicholas Meyer, stellt allerdings auch einen großen Vorteil dar, ließ sich er sich neben einem militärischeren Grundton schließlich zur genialen Idee hinreißen, Spock sterben zu lassen.

Spock mit seinen spitzen Ohren, seinen hohen Augenbrauen und seiner merkwürdigen Frisur, seiner unantastbaren Logik und seinem ambitionierten Lernwillen, ist die eigentliche Flagge von Star Trek, vereint er doch das Merkwürdige, das Kluge und Philosophische, sowie den Willen nach der Erschließung unbekannter Welten in sich. Von Star Trek-Wohlgesonnenen verehrt, vom Rest belächelt, ist er das nerdige Fundament des ganzen kuriosen Gebildes und sein Tod vielleicht das Mutigste, was jemals einem Medienereignis angetan wurde. Mutiger natürlich als Yodas Tod, denn es war sein Schicksal und nicht wirklich eine dramaturgische Entscheidung. Spocks Tod hingegen war rührend und für viele sicher arg frustrierend (man sollte sich in die damalige Zeit versetzen, indem der Titel des Nachfolgers "The Search For Spock" noch nicht bekannt war).

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