Acht Jahre nach seinem Kampf gegen den Joker und dem tragischen Tod von Harvey Dent befindet sich Batman alias Bruce Wayne, gespielt von Christian Bale, im Exil. Als ein Söldner namens Bane, gespielt von Tom Hardy, auftaucht und in Gothams Kanalisation an der Zerstörung der Großstadt zu arbeiten beginnt, kehrt der Rächer zurück, auch wenn er es physisch nicht mehr mit seinem Gegner aufnehmen kann.
Christopher Nolan hatte es trotz des hohen Budgets und des herausragend besetzten Casts nicht einfach. Mit “The Dark Knight“ hatte er einen Meilenstein geschaffen, der kaum zu übertreffen war, durch den Tod von Heath Ledger konnte er den Joker als Gegenspieler nur schwerlich erneut verwenden, zudem erwarteten nicht nur seine Anhänger aufgrund seiner beeindruckenden Filmographie, die unter anderem “Memento“, “Prestige“ und “Inception“ umfasst, nicht weniger als ein Meisterwerk. Obwohl Nolan dies abliefern konnte, blieb er hinter den mitunter überzogenen Erwartungen zurück, weswegen ihn manche Kritiker abstraften. Zu Unrecht.
Nolan hat mit Bane einen Gegenspieler gewählt, der sich klar vom skurrilen Joker, der letztlich nur auf Chaos und Zerstörung aus ist, unterscheidet. Die Entscheidung ist gut und nachvollziehbar, Nolan hätte sich wohl keinen Gefallen damit getan einen ähnlichen Bösewicht zu wählen, der dann zwangsläufig mit dem Joker und Heath Ledger verglichen worden wäre. Die Redundanz hätte dem einfallsreichen Regie-Talent ohnehin nicht gestanden.
Stattdessen hat Nolan Bane, von Tom Hardy gespielt, gewählt, der vor allem durch körperliche Präsenz und durch physische Gewalt in Erscheinung tritt. Er bricht seinen Gegnern das Genick, tötet mit seinen bloßen Händen, er verfolgt einen ausgeklügelten Plan zur Zerstörung Gothams, anders als der Joker, der primär Chaos und Unruhe stiften wollte, am Ende ein finales soziales Experiment initiierte. Bane stammt aus einem düsteren Gefängnis, das ihn geformt hat und stellt seine beängstigende Erbarmungslosigkeit mehrfach zur Schau, wird zudem von Tom Hardy, zuletzt bereits in “Warrior“ mit einer grandiosen Darstellung, hervorragend verkörpert, etwa wenn er dem dunklen Ritter, den er physisch förmlich zerbrochen hat, mitteilt, dass dieser erst dann seine Erlaubnis zu sterben erhalte, wenn Gotham in Trümmern liegt. Danach stürzt er die Stadt ins Chaos, foltert die Bewohner Gothams gewissermaßen, bevor er sie tötet.
Die Geschichte ist dabei relativ klassisch, was man von Nolan so keineswegs gewohnt ist, schließlich bricht kaum ein Regisseur die gängigen Erzählschemata derart radikal auf, wie er. Der Held ist ausgebrannt, lebt zurückgezogen, trauert seiner Jugendliebe und alten Heldentaten hinterher, zu den seelischen Wunden kommen auch körperliche. Erst als eine Einbrecherin ihn bestiehlt, als ein alter Vertrauter, James Gordon, verletzt wird und ihm im Krankenhaus mitteilt, dass Bane und seine Männer in der Unterwelt verschanzt irgendetwas im Schilde führen, wird ihm klar, dass er zurückkehren muss. Er will nicht einsehen, dass er nicht mehr der ist, der er einmal war und scheitert beim Kampf mit seinem übermächtigen Gegner. Er findet sich mit gebrochenen Knochen und einer nahezu zerstörten Wirbelsäule in einem Gefängnis wieder, aus dem es praktisch kein Entkommen gibt. Nun muss er erneut über sich hinauswachsen, seinen gesamten Willen aufbringen, um Gotham zu retten. “The Dark Knight Rises“ handelt letztlich vom Comeback des Helden, für das sich Nolan viel Zeit lässt, das er gut und vielschichtig konstruiert.
Das macht den Film aber nicht weniger spannend als die Vorgänger. Zum einen hat Nolan mit Christian Bale einen guten Hauptdarsteller, der den dunklen Ritter jederzeit glaubhaft verkörpert, zum anderen gestaltet er das Geschehen mit einer ausgesprochen düsteren, intensiven Atmosphäre ungemein spannend, sodass zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommt. Außerdem hat Nolan erneut um sein Grundgerüst herum einen ausgesprochen komplexen Plot gebastelt, eröffnet zahlreiche Nebenschauplätze und enthüllt erst nach und nach, was Bane und seine Männer im Schilde führen. So ist permanent für Überraschungen und Spannung gesorgt.
So bleibt beispielsweise lange offen, welche Rolle die an Catwoman angelehnte Einbrecherin spielt, die von Anne Hathaway sehr gut und vor allem am Anfang sehr undurchsichtig verkörpert wird. Und auch darüber hinaus eröffnet Nolan immer wieder Nebenschauplätze, die plötzlich in den Fokus des Geschehens rücken, erzählt verschiedene Handlungsfäden aus der Sicht unterschiedlicher Protagonisten und führt diese dann, wie man es von ihm kennt, zusammen, ohne sich in dem unübersichtlichen Dickicht zu verirren, das sich dann auch nach und nach dem Zuschauer erschließt. Erzählt wird unter anderem auch aus der Perspektive eines jungen Polizisten, von Joseph Gorden-Levitt, der bereits in “Inception“ unter Nolan spielte, gelungen verkörpert oder aus der Sicht von James Gordon. Der wird einmal mehr hervorragend von Gary Oldman gespielt, der zuletzt in “Dame, König, As, Spion“ eine Oscar-reife Vorstellung zeigte. Darüber hinaus bringt Nolan die Wut der Menschen über die Banken- und Wirtschaftskriese ins Geschehen ein, die Terrorangst nach dem 11. September, zeigt eindrucksvoll, wie eine ganze Stadt in Anarchie versinkt.
Inszenatorisch zeigt Nolan aber nicht nur auf erzählerischer Ebene, dass er momentan der beste Regisseur ist, den Hollywood zu bieten hat. Er erfüllt mit guten und über den Film gesehen wohl dosierten Action-Szenen die Anforderungen an einen Blockbuster, streut den einen oder anderen Gag zur Auflockerung ein und liefert auch ansonsten eine grandiose Optik mit berauschenden Bildern und das auch ohne 3D-Inszenierung. Es zeigt sich deutlich, dass Nolan seit “Batman Begins“ sicherer bei der Umsetzung von Action-Sequenzen geworden ist, die Einstellungen stimmen, die Kamerafahrten sind eindrucksvoll, darüber hinaus sind auch die Effekte hervorragend. Abgerundet wird der Film durch das hervorragende Darsteller-Ensemble, in dem Michael Caine und Morgen Freeman routiniert und damit gewohnt gut aufspielen, was auch für Marion Cotillard, Matthew Modine und die übrigen Darsteller gilt.
Somit handelt es sich bei “The Dark Knight Rises“ um den bisher besten Blockbuster des Jahres, der spannender und vielschichtiger als “The Avengers“ geworden ist und vermutlich nur durch “Der Hobbit“ getoppt werden kann. Deshalb kann über kleine dramaturgische Mängel hinweggesehen werden, so ist nicht jede Handlung von Catwoman nachvollziehbar, ihre Figur bleibt teilweise zu undurchsichtig. Die Idee, die Gesellschaft der Schatten und den ehemaligen Mentor des Helden in das Geschehen zu integrieren, die Vergangenheit verschiedener Nebenfiguren immer wieder neu zu verknüpfen, lässt den Film mitunter ein wenig überkonstruiert anmuten. Jegliches Nörgeln findet jedoch auf einem ausgesprochen hohen Niveau statt.
Fazit:
“The Dark Knight Rises“ hält das hohe Niveau der Vorgänger. Nolan hat erneut eine Geschichte konstruiert, die fesselt, immer wieder überrascht und die hohe Laufzeit perfekt ausfüllt. Erneut gelingt es, ambivalente Charaktere, den komplexen Plot und sehenswerte Action-Sequenzen unter einen Hut zu bringen, wobei der zu Recht gefeierte Regisseur von einem hervorragenden Darsteller-Ensemble unterstützt wird. Er hat sich zudem für einen Schurken entschieden, der sich deutlich vom Joker abgrenzt und keinen kreiert, dessen Darsteller sich nun mit Heath Ledger messen lassen müsste. Kleine Schwächen mag es geben, der Vergleich zu “The Dark Knight“ mag vielleicht nicht gewonnen werden, um ein Meisterwerk handelt es sich dennoch. Nolan hat hier die beste Trilogie seit “Herr der Ringe“ geschaffen.
95%