Das Gesetz hat versagt
Ich bin übelster Laune und komme direkt zum Punkt. Ein Punkt, welcher ein Einschussloch in den verdörrten Eiern der kommerziellen Comicverfilmungen markieren sollte. Aber: Dredd ist eine Gurke.
Es ist eine böse Überraschung und ein verdammtes Rätsel. Wie kann man das so in den Sand setzen? Der Wille, eine adäquate, erwachsene, vorlagengerechte Version der Kultfigur zu schaffen ist da (zur Abwechslung paßt der Begriff Kult hier mal wieder, im Gegensatz zu den ganzen anderen blassen Saftnasen, welche im übersättigten, eitergefüllten "Sei glücklich - konsumiere!"- Kapitalistenmedienterror zum lächerlichen, stillosen Pseudokult erklärt werden...).
Und wie kann man nun aus dieser Vorlage, dem Prototypen des leicht anarchistischen, zynischen Splattercomics (in den 90ern nannten wir das Splatterpunk), diesem gewalttätigen, rohen Klumpen energischer Erwachsenenunterhaltung, so eine belanglose Scheisse zimmern???!!! Die Grundrisse stimmen ja! Megacity 1, Terror, crime & zuviele Menschen. (Oberflächlicher, direkter) Humor wird kleingeschrieben. Es wird ohne Augenklimpern vor Ort vollstreckt, die Suppe spritzt & Dredd läßt den Helm auf!!!
Aber nach 10 Minuten beschleicht einen dieses ungute Gefühl...
Warum sind mir sowohl die Gangster als auch die Judges scheißegal? Warum sieht man vom Budget ungefähr nur 112, 98 $ auf der Leinwand? Warum hat diese story keine Eier, keinen impact, kein Tempo, keinen flow??? Das ist wirkich verdammt noch mal verdammt schade. Der plot dümpelt vor sich hin, es gibt kaum richtige körperliche Auseinandersetzungen, die action ist lachhaft und schlecht gefilmt, 2-3 größere Ballereien und... das wars?! VERDAMMT.
Dazu gesellen sich all die kleinen Fettnäpfchen des "modernen Actionfilms": Dem Oberbösewicht (hier übrigens weiblich) wird nicht genug Platz eingeräumt & vor allem nicht das richtige in den Mund gelegt. CGI-Blut sieht doof aus. Eine eigentlich extrem gradlinige story wird mit unnötigem Mumpitz angereichert (hier: übersinnliche Wahrnehmung). Der Schnitt ist zu oft hektisch & sinnlos. Alte Stereotype und Klischees werden gepflegt usw....
Karl Urban paßt (also sein Kinn und seine Statur), wirklich wie aus dem original Comic (Zeichnungen von Bisley) gesprungen. 1,2 nette Kameraideen auch (endlich wurde in der Filmgeschichte mal ein Aufprall von unten gefilmt - und zwar aus dem Boden & in Zeitlupe). Der Rest ist nix, eines Judge Dredd nicht würdig.
Schade.
Schade Schade Schade.
Hätte ich morgen einen Kinobesuch frei und könnte zwischen DREDD und JUDGE DREDD mit Sly wählen, ich würde mir den Stallone geben. Der ist auch schlecht. Nichtsdestotrotz: halbwegs funktionierendes Popcornkino. 3/10