In der Zukunft sind weite Teile der USA verstrahltes Ödland. Die Menschen vegetieren in riesigen Städten hinter meterhohen Mauern, Kriminalität und Arbeitslosigkeit sind auf einem kaum bezwingbaren Höchststand. Um für Ordnung zu sorgen, sind die sogenannten Judges im Einsatz; Richter, Geschworene und Vollstrecker in Personalunion.
Ein Mord im riesigen Hochhauskomplex "Peach Trees" ruft Judge Dredd samt neuer Rekrutin auf den Plan. Als die Lage sich für die im Haus ansässige Drogenbaronin Ma-Ma zuspitzt, riegelt sie das Gebäude ab und erklärt den Judges den Krieg.
Was folgt, ist ein fieser, düsterer Trip à la "Die Hard", 17 Jahre nach dem ersten Versuch, den Charakter der Comicserie "2000 AD" auf die Leinwand zu bringen. Optisch kann "Dredd" mit einer postapokalyptischen Welt aufwarten, füllt diese mit Leben und Abschaum. Spielt der Film auch den größten Teil der Zeit innerhalb des 200 Stockwerke umfassenden Gebäudekomplexes, so nutzt er diese Beengtheit zu seinem Vorteil, inszeniert abwechslungsreiche Gefechte und baut auf die eines solchen Schauplatzes innewohnende Atmosphäre.
Der Härtegrad ist nicht ohne und unter der Verwendung von Zeitlupen weidet sich "Dredd" geradezu an seinen Ausbrüchen, die stilvoll komponiert und trotzdem nicht reiner Selbstzweck sind. Als Visualisierung der im Film konsumierten Droge Slo-Mo (der Nutzer erlebt die Realität 100fach langsamer) bietet sich die Verbindung mit der Präsentation in (dem von mir sonst nicht geschätzten) 3D förmlich an und zaubert kunstvolle Bilder auf die Leinwand. Sieht man auch nicht oft. Dazu gesellt sich ein treibender, intensiver Industrial-Soundtrack von Paul Leonard-Morgan.
Unter dem Helm des Judges steckt Karl Urban (er nimmt ihn nicht ein einziges Mal ab), der die Rolle ernst, sarkastisch und mit der passenden physischen Präsenz spielt. An seiner Seite behauptet sich Olivia Thirby als Rekrutin Anderson, welche mit telepathischen Fähigkeiten ausgestattet ist und deren Begabung sogar sinnvoll eingesetzt wird und nicht zum Gimmick verkommt. Bleibt noch die entstellte Clanchefin Ma-Ma, von Lena Headey richtig schön ekelhaft hingerotzt.
Man hätte gerne noch den totalitär anmutenden Apparat hinter Dredd thematisieren können und die Charakterentwicklung wird auf das Nötigste reduziert. Auch lässt das verhältnismäßig reduzierte Budget keine Effektorgien zu; Dauerfeuer bietet der Film nicht und die rote Suppe wurde mit viel Unterstützung aus dem Computer realisiert. Man muss aber einfach respektieren, was Travis' Team mit den vorhanden Mitteln auf die Beine gestellt hat.
Vergessen ist die weichgespülte Version mit Stallone und dem (wie immer) nervenden Rob Schneider. In "Dredd" wird nicht gemenschelt und wenn mal Humor kredenzt wird, dann von der schwarzen Sorte. Leider scheint dem Film an den Kinokassen kein Erfolg vergönnt und so stehen die Chancen auf eine Fortsetzung nicht gut. Schade, denn von dieser Machart hätte ich gerne mehr gesehen. "Dredd" ist eine filmgewordene Dystopie, eine zynische Vision der Zukunft und eine kompromisslose Kiste, die einfach ihr Ding durchzieht. Schnell, hart und dreckig. Kein Hollywood, kein Hochglanz, keine Anbiederei. "Die Verhandlung ist geschlossen!"