Die Welt nach der nuklearen Katastrophe – eine einzige Wüste mit nur wenigen Zufluchtsorten, in denen Leben möglich ist. Eine davon: Megacity One. 800 Millionen Einwohner. Kolossale Verbrechensrate. Um das Chaos unter Kontrolle zu halten, gibt es eine Instanz, die exekutive und judikative Gewalt vereint – die Judges. Gepanzerte Zukunftscops mit sprachgesteuerten Knarren – yeah!
Die Gegenwart: In einem Hochhauskomplex mit 75000 Bewohnern bastelt die Ma-Ma-Gang an einer neuen Droge. Judge Dredd (Karl Urban) und der weibliche, mit hellseherischen Fähigkeiten ausgestattete Rekrut Anderson (Olivia Thirlby) übernehmen den Fall…
Remake, Neuinterpretation, Kopie – was kann man mit DREDD 3D denn nun eigentlich erwarten? Eines steht fest: Mit der ersten Verfilmung mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle hat DREDD nur noch herzlich wenig gemein. Auch, dass der Plot eigentlich auf einem Comic basiert, merkt man nicht mehr. So fehlen die comichaft überzeichneten Kreaturen und Erscheinungen, wie man sie in der Verfilmung von 1995 serviert bekam.
Vergleicht man DREDD 3D mit dem Erstling, so fallen markante Unterschiede auf:
1.) Karl Urban als „Judge Dredd“: Urban verkörpert einen Judge, der nicht mehr so der super coole Überbulle ist, wie es Stallone war. Urban (wer ist der Kerl überhaupt??) liefert eine souveräne Leistung ab. Was man jedoch schmerzlich vermisst, ist einfach das markante Kinn von Stallone. Diese Fresse bleibt einfach unvergessen. Und überhaupt hatte Sly damals auch viel flottere Sprüche parat. Man erinnere sich bitte an das legendäre: „Ich wusste, dass er das sagen würde!“ .
2.) die Sache mit den Drogen: Im Neuen DREDD wird Wunderdroge „Slo-Mo“ eingeführt, die den User in einen verlangsamten Zustand versetzt. Sprich: der Junkie im Film nimmt die Realität nur noch 90% verlangsamt wahr, was dem Zuschauer wunderschöne, farbenprächtige, ultra hoch auflösende Zeitlupenaufnahmen beschert. Echt sehenswert. Besonders geil, wenn während dieser Zeitlupe dann noch ordentlich geballert wird und die rote Suppe spritzt, was mich ohne Umschweife zu Unterschied,
3.) Gewalt… kommen lässt. Ganz frei heraus: Bildliche Gewalt spielt im Film eine große, wenn nicht gar sehr große Rolle, so dass man fast schon von kleineren Splattereien sprechen kann. Arm ab, Kopf weg, Augen raus, zerquetscht, zerballert, zersiebt… Und da wie erwähnt sehr oft in Zeitlupe krakeelt wird, kann man sogar während des Headshots die Blutklumpen zählen und übersieht dabei nicht einmal das kleinste Bröckchen Hirn. Übertrieben ausgedrückt.
Eine splatterlastige Sci-Fi-Gewaltorgie im Stile von STARSHIP TROOPERS oder ROBOCOP ist DREDD 3D dann aber doch nicht. Dennoch: die Ansätze zum gehobenen Gewaltpotenzial sind gegeben.
Der Rest: Dass Frischling Anderson Gedankenlesen kann, ist einerseits blanker Unfug, andererseits aber auch ganz nützlich, erspart man sich somit umständliche, an den Haaren herbeigezogene Erklärungen.
Gangsterbossin Ma-Ma (Lena Headey, 300, TERMINATOR S.C.C., THE BROKEN) ist eine narbengesichtige Killerbraut. Sie ist echt fies unterwegs und sorgt für mehr Unterhaltung als Dredd.
Der Film verfolgt das Prinzip, dass sich Dredd und sein Schützling Stockwerk für Stockwerk nach oben durchballern und – wie im Videospiel – auf immer ausgefuchstere Gegner treffen. Diese Prinzip ist ganz klar aus dem indonesischen Actionbomber THE RAID geklaut, der gerade eben in seiner DVD-Ausfertigung bei uns zulande eintrudelt. Irgendwie will DREDD der Schuh des Sci-Fi-Genres ohnehin nicht so wirklich passen. Klar bekommt man futuristische Technologien und Dystrophie am Rande des Weltuntergangs geboten. Lässt man aber den ganzen Hi-Tech-Schnickschnack weg, dann bleibt im Grunde der mit weitaus einfacheren Mitteln gezauberte THE RAID (unbedingt Schauen falls noch nicht bekannt!).
Zeitlupe: (+)(+)(+)(+)(-)
Wumme: (+)(+)(+)(-)(-)
Kinn: (+)(-)(-)(-)(-)
Fazit:
Splattertastisches Actiongebolze in atemberaubenden LSD-Bildern. Macht tatsächlich auch ohne Stallone ordentlich Laune.