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"Nur eine Instanz sorgt für Ordnung in diesem Chaos."

In der Zukunft ist ein großer Teil von Amerika unbewohnbar. In den wenigen bewohnbaren Gebieten sammeln sich große Menschenmassen. So auch in Mega City One, wo die Kriminalität ein übermäßiges Ausmaß erreicht. Um überhaupt noch einigermaßen Herr über das Chaos zu werden, erhalten Judges die Funktion der Polizei, Richter und Exekutoren zugleich. Einer der besten seines Fachs ist Judge Dredd (Karl Urban).
Als der wortkarge Vollstrecker die Rekrutin Cassandra Anderson (Olivia Thirlby) zugestellt bekommt, erhalten beide den Auftrag, einen mehrfachen Mord in dem Gebäudekomplex der Drogenbaronin Ma-Ma (Lena Headey) zu untersuchen. Zu Zwecken eines Verhörs nehmen sie einen Zeugen fest. Ma-Ma lässt das Gebäude aber versiegeln und schneidet die beiden Gesetzeshüter von der Außenwelt ab.

Die Figur Judge Dredd entstammt der britischen Comic-Anthologie 2000 A.D und ist hierzulande am ehesten durch die gleichnamige Verfilmung mit Silvester Stallone aus dem Jahre 1995 bekannt. Während dieser Film sich nur lose an dem Comic orientiert und eher trashige, kaum ernstzunehmende Unterhaltung bietet, bleibt "Dredd" seiner kompromisslosen und zynischen Vorlage treu.

Wie erwartet ist die Handlung sehr banal und geradlinig, erinnert geradezu an den ähnlich verlaufenden Actionfilm "The Raid". Fragen nach Dredd's Motivation und Vergangenheit sind ebenso wenig präsent, wie ambivalente Schurken oder ein verständliches Gesellschaftsbild. Einfach ausgedrückt: Optik und Action stehen im absoluten Fokus.

Die Bilder der Stadt haben als Zukunftsvision einiges für sich und vor allem macht die Inszenierung einfach einen verdammt guten Eindruck. So finden zahlreiche Zeitlupensequenzen gepaart mit optischen Kniffen, die in der dystopischen Atmosphäre für einen ästhetischen Aufschrei sorgen. Das macht durchaus Spaß. Allerdings kommt das Gefühl auf, dass man diese Gestaltungsweise etwas zu häufig zu Gesicht bekommt. Der flotte, elektronische Soundtrack rundet das futuristische Abbild ab.

Durch seine hart präsentierte Action, bedient "Dredd" vor allem ein gefestigtes Publikum sowie Fans des Comics. Stellenweise ist der Film sehr zeigefreudig und blutig. Und gerade im ersten Drittel erweisen sich Präsentation und Action als temporeich.
Dann aber machen sich Abnutzungserscheinungen breit, das Tempo bricht immer wieder ein und es mangelt an Höhen. Die Actionsequenzen sind eher kurz gehalten und trotz oppulenter Optik und rasanten Kamerafahrten sticht bestenfalls eine heraus. Auch enthält "Dredd" keine wirkliche Bedrohung für die Protagonisten, die annähernd unkaputtbar erscheinen und das mäßige Finale enttäuscht.

Karl Urban ("Der Herr der Ringe"-Reihe, "Star Trek") bleibt im wahrsten Sinne des Wortes gesichtslos, kann Dank durchgängig heruntergezogenen Mundwinkeln seiner Figur aber dennoch Ausdruck verleihen.
Lena Headey ("300", "Game of Thrones") gibt sich sichtbar Mühe ihrer blassen Figur zumindest oberflächlich etwas tiefgründiges zu verleihen. Olivia Thirlby ("Darkest Hour", "Juno") bleibt nur eine Randerscheinung.

"Dredd" ist ein solider Unterhaltungsfilm, der gerade zu Beginn atmosphärisch und inszenatorisch beeindrucken kann. Aber letzten Endes erkrankt er daran, dass sich gewisse Motive immer wiederholen und es an einem wirklich packenden Spannungsbogen mangelt. Da Figuren, Darsteller und Handlung nicht sonderlich tiefgründig sind, kratzt der Actionfilm nur an der Oberfläche seiner Möglichkeiten.

6 / 10

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