Effektvoller Kampf in SlowMo!
Anders als "Jugde Dredd" ist Pete Travis gehaltvoller und überaus brachialer Todesreigen weit entfernt von der Prämisse die Kamera wegzuhalten, wenn im Ballerreigen die Kugeln Wände aber auch Fleisch durchschlagen. "Dredd" ist vom Setting weitaus weniger Science Fiction, aber zeigt eine Welt die am Boden liegt und die Menschen in einer riesigen Nische namens Mega City One leben, fernab von ebenso schillernder Ödnis und Verstrahlung. In diesem Plateau aus Beton und noch mehr Beton, lebt das organisierte Verbrechen auf und das in all seiner Graumsamkeit. Die Jugdes argieren gleichzeitig als Richter und Henker, um die Tristesse vor dem endgültigen Zerfall zu beschützen. In eben jenen Moloch stößt Jugde Dredd mitsamt neuer Rekrutin auf ein meterhohes Wespennest, in dem Ma Ma ihre Drogenproduktion leitet und Feinde auf drastische Art und Weise ausschaltet. Bei einer Razzia, kann eines der Mitglieder des Clans festgenommen werden, mit enormen Folgen für Dredd, aber auch die eher unbescholtenen Bewohner des Hochhauses.
Die Handlung mag simpel sein, wie in einem der unzähligen Comics, der in den 70ern geborenen Figuren des stoischen Richters, der zum Rächer, Beschützer und Henker seiner Kultur aufspielt. So konsequent lotet dies Travis, anders als noch in der zahmeren Stallone - Version aus und läßt seinen Helden nie den Helm abnehmen und daraus entsteht die Faszination für das Synonym hinter dem klobigen Helm, während die junge Rekrutin mit ihren Psi - Fähigkeiten diesen nicht trägt und dem Zuschauer ein gar menschliches und anfangs verletztliches Konterfei offenbart. Manche Figuren wirken austauschbar, doch Travis schraubt die Effekthascherei aber auch den Humor, zugunsten einer opulenten Inszenierung zurück und erschafft dank Danny Boyles langjährigen Stammkameramann Anthony Dod Mantle teils filigrane Bilder, die auch den Drogenrausch dank SlowMo, so langsam und irritierend wirken lassen. Dadurch entsteht eine ungemein enthemmte Dynamik, wie man sie selten gesehen hat, ohne diese Bildspielerei zu 100% auszureizen.
Innerhalbs des Cast stechen insbesondere Karl Urban ("Herr der Ringe 2 + 3" und "Star Trek Into Darkness") als Dredd und Olivia Thirlby ("The Darkest Hour") heraus. Ihre Gegenspielerin wird von Lena Headey ("300" und "Game of Thrones") herausragend vorkörpert und Jason Cope agiert mal als Mensch aus Fleisch und Blut und nicht als Shrimp wie noch in "District 9".
"Dredd" ist Actionkino par Excellence in einem geradezu fast bodenständigen dystopischen Setting, der ordentlich Wumms aber auch Atmosphäre hat. Ganz zu Schweigen vom Härtegrad!
9 von 10 Richterhelmen.