Kleiner Spoiler mit im Text
DREDD
Pete Travis versucht sich im Jahre 2012 an der Neuinszenierung des Stallone-Filmes. Was ihm meiner Meinung nach auch gelungen ist. Die Story und Handlung, der Neuauflage des Kult-Comics, erinnert in weiten Zügen doch stark an „The Raid“. Denn auch hier spielt die Geschichte in einem Hochhaus, welches mit 200 Stockwerken, im Film Level genannt, ein beachtliches Gebäude darstellt. Auch die Größe, abgesehen von der Höhe des Hauses, ist enorm und daher bietet das Hochhaus auch genügend Platz für actionreiche Szenen und langweilt den Zuschauer nicht mit immer der gleichen Kulisse. Die beiden Judges werden von Karl Urban und Olivia Thirlby gespielt und vor allem Urban kann die Rolle des Judge Dredd sehr gut verkörpern. Sein Gesicht, welches er den gesamten Film nicht einmal verzieht ist eine sehr gute Darstellung der Figur.
Die Judges fungieren in jener Zeit als Richter, Geschworene und Henker zugleich, dabei versuchen sie in den sogenannten Mega-Cities für Recht und Ordnung zu sorgen. Da eine hohe Arbeitslosigkeit herrscht, ist die Kriminalität auf einem hohen Grad und in den Straßen gebietet das Chaos. Bei einem Einsatz in dem bereits oben erwähnten Hochhaus, werden die beiden Judges hinzugerufen um eine Verhaftung eines Verdächtigen durchzuführen. Dabei geraten sie mit einer Frau Namens Ma-Ma (Lena Headey) aneinander, die es nicht zulassen kann, dass sie ihren Handlanger verhaften und womöglich ausquetschen. Ma-Ma entschließt sich daher kurzer Hand das Gebäude hermetisch abzuriegeln das die Judges es nicht mehr verlassen können. Anschließend verkündet sie über die Sprechanlage, dass jeder dazu verpflichtet ist, die Judges zu jagen und zu töten. Sie sind somit quasi vogelfrei. Da in den 200 Leveln des Hauses mehr Kriminelle als normale Bürger leben, ist schnell klar, dass es hier sehr schwierig wird das Haus lebend zu verlassen. Ab jetzt startet eine wilde Jagd nach den Judges und eine Flucht nach draußen scheint so gut wie aussichtslos. So stellen sich die Gesetzeshüter dem Kampf und werden von jeder Menge Krimineller gejagt, aber nicht nur sie sind es die Jagd auf die Judges machen.
Travis hat es geschafft, einen sehr actiongeladenen Film zu drehen, der auch nicht mit blutigen Shootouts geizt. Die Action ist sehr zahlreich und vermag es auch den Zuschauer in der einen oder anderen Situation richtig zu fesseln. Dabei bleibt die Spannung des Films aber leider weitestgehend auf der Strecke. Denn wie schön auch blutige Shootouts in Zeitlupe sein können, zur Spannung tragen sie definitiv nicht bei. So setzt der Film gekonnt die Zeitlupen Szenen ein und kann dem Betrachter damit einige schöne Bilder liefern, dennoch wirken dadurch manchen Szenen auch stark in die Länge gezogen. Dazu kommt noch der Eindruck, dass Dredd eh unverwundbar ist und ihm keiner was anhaben kann. Auch in der Küchenszene, wo er von einem Explosivgeschoss getroffen wird, was zudem vorher noch eine Wand durchschlagen hat, bekommt der Beobachter, trotz Verletzung von Dredd, nicht das Gefühl, das es jetzt vielleicht doch gleich vorbei sein könnte mit unserem Helden. Nein, Dredd wirkt unbesiegbar und das liegt vor allem an der Darstellung von Karl Urban. Die Schauspieler agieren im Film aber alle samt recht gut und liefern eine gute Performance ab. Die Geschichte ist wie beschrieben recht simpel und trotz eines Hochhauses nicht langweilig. Dennoch ist es ihrer Einfachheit geschuldet, dass hier auch mehr hätte gemacht werden können. Denn wechselhafte Szenerien beeinflussen nicht nur die Story, sondern tragen ebenfalls zum Unterhaltungswert eines Films bei. Die Effekte sehen dagegen rundum gelungen aus und auch wenn das Blut in Teilen etwas zu Rot aussieht, ist dies ein Punkt den der Zuschauer schnell wieder ausblenden kann.
Fazit: Alles in allem ist Pete Travis mit seinem Film gutes und vor allem actionreiches Popcornkino gelungen was unterhalten kann. Für tiefsinnige Gespräche und eine famose Botschaft oder Kritik an der Gesellschaft durch überfüllte Städte mit hoher Arbeitslosigkeit taugt der Film jedoch nicht. Dafür kann man 90 Minuten abschalten und die Bilder auf sich einprasseln lassen. Dazu hin und wieder mal richtig grölen, wenn einem Halunken mal wieder das halbe Gesicht weggeschossen wird. Die Spannungskurve wirkt dagegen eher wie eine Nulllinie mit hin und wieder aufflackernden Ausschlägen die jedoch eher von kurzer Dauer sind. Auch der Showdown mit Ma-Ma hätte meines Erachtens besser ausfallen können und gehört nicht zu den Höhepunkten des Films. Daher begleiten wir Urban und Thirlby 90 Minuten und werden Zeuge eines wahnsinnigen Schießgelages was auch Rambo sicher zum Staunen gebracht hätte. Viel Geballer, eine annehmbare Story mit guten Schauspielern und vielen vielen Zeitlupeneinstellungen, machen Dredd zu einem Film der unterhält, zu mehr aber leider nicht reicht und auch nicht reichen kann.
Persönliche Wertung: 7/10 Punkten