Review
von Leimbacher-Mario
Der einzig wahre Judge Dredd
Nachdem Sly in den 90ern das ikonische Motorrad als peinlichen Totalschaden gegen die Wand gefahren hat, musste „Dredd“ von 0 anfangen, wie der Phönix aus der Asche sozusagen, was ja nicht selten befreiend wirken und bisher unbekannte kreative Kräfte freisetzen kann. Und genau das ist bei diesem Actionbrett passiert, das den fauligen Geschmack des Stallone-Vehikels vollständig wegspült und mit etwas ersetzt, dass sich die kritischsten Hardcore-Fans der Vorlage und Figur nicht hätten krachender und passender ausmalen können. Wie eine unaufhaltsam nach vorne gehende Mischung aus Videospiel und „The Raid“ fühlt sich dieser sehr gerne gesehene Neustart an. Roh und kantig, ungeschönt und alles andere als heile Hollywoodwelt. Positiv hässlich - selbst in 3D oder 4K. Das Ding kriegt man nicht auf Hochglanz getrimmt. Gut so! Wir folgen Judge Dredd (Polizist und Henker in einem) und einer telepathisch talentierten Novizin durch die Megacity der Zukunft zu ihrem ersten Auftrag - und der befindet sich gleich in einem kriminell hochgerüsteten Riesenwolkenkratzer, in den sich normalerweise nichtmal die gefürchteten Dredds trauen...
„Dredd“ ist die vielleicht beste Videospielverfilmung die gar keine ist. Karl Urban wurde für die grimmige Rolle scheinbar geboren, die 3D-Spielereien sind zum Glück mal nicht nur das und Lena Headey als Drogenboss MaMa hat durchaus viel Furchteinflössendes. Ebenso wie die dreckige, harte Welt aus Metall, Smog und Munition. Alles wirkt hier minimalistisch und wortkarg, inklusive dem World Building. Doch es passt. Man ist sofort drin, man ist sofort mitabgefuckt, man ist sofort adrenalingeladen. Die Slowmotion-Droge ist eine Ausgeburt der Hölle, die Inszenierung ist geradlinig und geht (wie der Protagonist) keine Kompromisse ein, macht keine Gefangenen. „Dredd“ macht aus seinen budgettechnisch bescheidenen Mitteln sehr viel, lässt die 90er-Version nur noch lächerlicher erscheinen. Schade, dass sich das erst im Heimkino herumgesprochen hat und ein mangelnder Kinoerfolg einem Ausbau des Franchises im Weg stand. Aber man wird ja noch hoffen dürfen. Noch ist Urban nicht zu alt...
Fazit: hart, erbarmungslos, nur für Erwachsene, dreckig, originalgetreu, zügig, stylisch, ultrabrutal, rau, knackig - eigentlich alles, was man sich von einem „Dredd“ erhoffen kann. Wo bleiben die Fortsetzungen?! Wenn aus Actiongranaten moderne Kultklassiker werden. Kompakt und durchzogen von Badassigkeit. Egal welches Geschlecht, egal welche Seite, egal welcher Winkel dieser wunderschön-widerlichen Welt am Abgrund. "Dredd" passt zu seiner Figur und seiner Welt.