Review
von Leimbacher-Mario
Tanzt zwischen den Stühlen
Ich habe mich immer gefragt, warum die Meinungen zu "Magic Mike" derart auseinander gehen. Nackte, tanzende Männer müssten doch eigentlich zumindest für eine bestimme Zielgruppe ein Selbstläufer sein... Doch dem war gar nicht so. Für manche ist es nur das hohle Channing Tatum-Strippergeschoss, für andere ist es eine ernst zu nehmende Charakterstudie, für manche (meist Frauen) ist es ein wahr gewordener feuchter Traum, für "anspruchsvollere" Zuschauer(innen) wird zu viel geredet und zu wenig getanzt und sich nackig gemacht. Legt es Soderberghs Stripperdrama also darauf an zu enttäuschen? Oder zu polarisieren? Oder zu überraschen? Von allem etwas. Mich hat die gut gebaute Tanzgruppe ziemlich weggeblasen und gerade weil sich hinter der Show noch echte Figuren und eine echte Geschichte ausfindig machen lassen, kann man den Film ernst nehmen und sogar richtig gut finden. Auch als heterosexueller Mann. Dass er fleischgeile Gucker(innen) phasenweise richtig anödet, kann man ihm nur noch höher anrechnen. Das ist mutig und hätte auch ganz anders laufen können...
Wir folgen einem Neuankömmling in der Welt des männlichen Strippens und wie sich sein neuer bester Buddy in seine Schwester verliebt und, trotz seines unglaublichen Tanztalents, eigentlich ein ganz anderes Leben führen will... "Magic Mike" hat einen überzeugenden Tatum, der mit seinem Charisma und Können völlig zu recht ein Star ist. Zudem sind noch etliche stählerne Männerkörper, ansehnliche Tanzperformances und ein legendär-aufgelegter Matthew "Alright Allright Allright" McConnaughey am Start. All das heizt den Augen und Ohren ohne Frage ein und hat auch noch genug Augenzwinkern um sympathisch zu sein. Doch eigentlich geht es um tieferliegende Dinge. Dinge, die Fleischeslust, Geld, Sex und schnelles Leben blass und banal erscheinen lassen. Wenn Mike von seinem Traum Möbel zu machen erzählt und sich vor unseren Augen in ein anständiges Mädchen verliebt, dann kauft man ihm beides ab. Weil es ernst genommen und nie ins Lächerliche gezogen wird. Die Figuren wirken trotz dem spektakulären, oberflächlichen Thema nie wie Karikaturen und man sieht gerne hinter die Bühne und die Fassaden. Und dort ist das Leben oft alles andere als sexy und glitzernd und einfach. Selbst für Bühnensexgötter. Schade ist nur, dass die Hauptfigur super austauschbar bleibt und das offene Ende frustrieren kann... doch dafür wurde ja noch einer nachgeschoben. Der noch umstrittener ist.
Fazit: viel mehr als nur Sixpacks und heiße Moves - "Magic Mike" ist ein kleines Juwel, das seine nackte Haut nur vorschiebt und eigentlich über wichtigere Themen des Lebens nachdenkt. Oder es zumindest will. Man muss nur zwischen dem ganzen Frauengekreische hinhören...