Sein letzter Film "Jack & Jill" räumte gleich zwölf Goldene Himbeeren ab - und stellte damit einen Schmähpreis-Rekord auf. Obwohl ich eher Sandler-Fan bin und nichts auf die Himbeeren gebe, habe ich mich für dieses Machwerk in Grund und Boden geschämt.
Trotzdem bleibt Adam Sandler seiner debilen Art von Humor treu. Und das ist auch gut so. Denn auf diese Weise hat er schon einen Haufen erstklassiger Komödien gedreht ("Bulletproof - Kugelsicher", "Happy Gilmore", "Spiel ohne Regeln" und so weiter...), vorausgesetzt man steht auf diese Art von Humor - und natürlich auf den Schauspieler. Denn auch heute noch gibt es Leute, die ihm das Talent zur Schauspielerei absprechen. Wenn man überlegt, dass ihm dieses "nicht vorhandene Talent" pro Dreh um die 30 Mio Dollar einbringt ist das nicht schlecht für eine Sache, die man nicht kann...
Sandler spielt Donny, einen Loser, der als kleiner Bengel seine volljährige Lehrerin (Eva Amurri Martino) schwängerte und mit ihr den Sohn Todd (Andy Samberg) gezeugt hat. Die Folge war: Frau Lehrerin kommt dreißig Jahre in den Knast und Donny wurde währenddessen als vorpubertärer Womanizer berühmt. Er genoss das Leben in Saus und Braus - wobei er seinen Sohn Todd vernachlässigte und dieser irgendwann den Kontakt zu "Super-Dad" abgebrochen hat.
Im Jahr 2012 ist von dem Überflieger Donny nichts mehr übrig als ein mittelloser Dauersäufer, der nur noch eins will: Das restliche Leben von morgens bis abends mit Dosenbier genießen und poppen bis der Notarzt kommt. Doch das Finanzamt sitzt ihm im Nacken. Seit Jahren hat Donny keine Steuern mehr bezahlt und muss in zwei Wochen 43.000 Dollar auftreiben - ansonsten drohen ihm drei Jahre Knastaufenthalt. Dann kommt ihm die Idee: Ein gewiefter Fernsehmann bietet ihm 50.000 Dollar an, wenn er zusammen mit seinem Sohn die Mutter im Knast für eine Interview filmen darf. So macht sich Donny auf die Suche nach Todd und platzt mitten in Todds anstehende Hochzeit hinein, der seiner neuen, vornehmen Familie erzählt hat, dass seine Eltern gestorben sind. Donny setzt mit seiner Art und seinem Erscheinungsbild eine Kettenreaktion von Peinlichkeiten in Gang - und versucht, neben dem Geld auch das Herz seines Sohnemanns wieder zurückzugewinnen...
Leute, vorab, der Stoff der hier präsentiert wird, wird mit dem Kantholz serviert. Während der Prolog in Donny´s Schuljahren mit jungfräulicher Hintergrundmusik noch relativ harmlos beginnt, artet auch dieser schon in einer Gangbang-Party mit der heißen Lehrerin aus. Die Gags könnte man am besten mit Sandler´s "Leg Dich nicht mit Zohan" an vergleichen, nur eben mit dem Unterschied, dass bei dem "Chaos-Dad" der Schwerpunkt eindeutig auf Fäkalien-, Penis- und Sexwitzen basiert (womit ich keine Problem habe, jedoch hätte mir persönlich auch ein Tick weniger gereicht). Und hier wird nichts ausgelassen. Mit der reifen Lehrerin fängt es an, geht über Omas poppen bis hin zu Schneider-Puppen knallen - wie das mit solchen Schaufensterpuppen ohne jegliche Öffnungen geht, kann mir mal einer bei einem kalten Bier erklären.
Auch wenn die Story recht simpel gestrickt ist, bekommt der Zuschauer desöfteren surreal wirkende Szenen geboten (Charaktere verhalten sich nicht so, wie man es erwarten kann), was mich desöfteren gestört hat.
Als Überraschung des Tages hat Sandler noch den Rapper Vanilla Ice (der sich hier selber spielt) startklar gemacht. Robert Matthew Van Winkle (so sein bürgerlicher Name) spielt seine Rolle als Rapper solide runter und lässt dabei riskanterweise auch keine Gelegenheit aus, sich in manchen Szenen zum Volldeppen zu machen. Manche mögen Vanilla Ice die Schauspielkunst wohl absprechen, aber im Gegensatz zu Al Pacino´s Auftritt in "Jack & Jill" dürfte Ice Ice Baby von diesem Auftritt profitieren...
Desweiteren kann man noch Stars wie James Caan und Susan Sarandon entdecken, die in kleinen Nebenrollen mitspielen. Sidegag Rob Schneider (der ja in jedem Sandler-Film eine Mini-Rolle hat) hat hier ausnahmsweise mal keinen Auftritt.
Beim Ansehen war ich schon teilweise etwas schockiert - denn diese Story mitsamt den Charakteren war mir wie der Zohan-Verschnitt doch eine Nummer zu weit hergeholt. Zudem sitzen einige Gags nicht, wobei eine bestimmte Anzahl von lustigen Szenen mich sogar schon zum fremdschämen animierte. Auch das (überraschende) Ende wird mit dem Holzhammer präsentiert - und passt somit zum Gesamtergebnis. Ehrlich gesagt war ich nach dem Abspann leicht enttäuscht von dem Gesehenen und hätte, wenn ich am selben Tag die Meinung geschrieben hätte, diesen Film schlechter bewertet. Ein paar Tage später jedoch muss ich mich jedoch immer noch über manch lustige Szenen beeumeln. Und wenn das Positive im Köpfchen hängen bleibt, gibt es eben einen Punkt mehr.
"Der Chaos-Dad" ist typischer Sandler-Humor, wie wir ihn aus "Leg Dich nicht mit Zohan an" kennen. Nur eben, dass der Schwerpunkt der Gags auf den Fäkalien und Geschlechtsteilen liegt. Und das dürfte vielen nicht schmecken. Wer sich damit abfinden kann, wird mit einer ordentlichen Komödie belohnt werden. Nicht der ganz große Wurf, aber auch nicht so ein Rohrkrepierer wie "Jack & Jill".
7/10