Review

kurz angerissen*

Was im deutschen Verleih wie eine alte, harmlose Bill-Cosby-Komödie klingt, lässt dem Zuschauer in Aktion alle Gesichtszüge entgleisen, selbst wenn man die Variable „Sandler“ bereits mit einkalkuliert hat. Man ist von dem Mann fürs Grobschlächtige einiges gewohnt, was nicht gerade den Ansprüchen an feinen Humor entspricht; mit „Der Chaos-Dad“ macht die berüchtigte Happy-Madison-Schmiede aber ein ganz neues Fass auf.

Es ist nicht alleine der schlechte Geschmack, der Sandlers neue Schule so tiefbödig sein lässt, es ist vor allem die Psychologie seiner Figuren, bei denen es sich eigentlich durchgängig um Freaks handelt, die allen Gesetzen nachvollziehbaren situativen Verhaltens widersprechen. Wer nicht wenigstens drei amtliche Macken vorweisen kann, die mit gesundem Menschenverstand zu erklären wären, darf allenfalls als Statist in der Menschenmenge auftreten. Diese Menge wiederum bildet sehr oft ein innerfilmisches Publikum, das wie eine moderne Sitcom-Kulisse die Peinlichkeiten „Oooh“ und „Uuuh“ schreiend begleitet, derer sich vom den Haupt- bis zu den Nebendarstellern alle beteiligen (und wenn jemand aus der Kulisse Lust hat, sich zu beteiligen, ist er offenbar herzlich eingeladen).

So bildet sich um den ohnehin bereits hanebüchenen Vater-Sohn-Kern, der auf einer im Prolog eröffneten, geradezu grotesken Psychologisierung basiert, ein Sammelsurium an nutzlosen, kuriosen Charakteren. Sandler wird auf seiner zutiefst infantilen Reise begleitet von solch illustren Gestalten wie einer fetten schwarzen Big Mama an der Table-Dance-Stange, einer geilen Oma im 50er-Jahre-Badeanzug, einem rustikalen Priester (James Caan) oder, das ist dann in diesem Kabinett aus Perversionen der Normalität ausnahmsweise Realsatire, Vanilla Ice als er selbst, ein affenartiger Sidekick mit Rapper-Manierismen, die im fortgeschrittenen Alter noch alberner wirken als ohnehin schon als zu Zeiten von „Ice Ice Baby“.

Insofern zeichnet sich „Der Chaos-Dad“ allenfalls durch seine gnadenlose Konsequenz aus, die immer schon vorhandene Debilität vieler Sandler-Produktion zu einer Humorsprache auszuformulieren, die weltweit mit keiner Humorkultur mehr wirklich kompatibel ist.

*weitere Informationen: siehe Profil

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