Review

Sagen wir mal, dass im Jahr 2007 "Paranormal Activity" der Film war, der das Subgenre "Found Footage" wiederbelebt hatte, bzw. in heutigen Zeiten, in denen nur noch das Einspielergebnis zählt, salonfähig gemacht hatte, können wir nun auf eine betrachtliche Zahl an Plagiaten und ähnlichen Werken im Jahr 2013 zurückblicken. Viele dieser Filme hatten immer dasselbe Thema: Geister und Dämonen. Bis auf den (in meinen Augen) unsagbar schlechten Partyfilm "Project X", bei dem die Bude inklusive Garten dem Erdboden gleichgemacht worden ist und dem mittelmäßigen Copthriller "End of Watch", fällt mir momentan kein Film ein, der sich einem anderen Thema gewidmet hat, als paranormale Aktivitäten zu verfilmen.

Da kommt mir "The Bay", der mit dem einfältigen deutschen Titel "Nach Angst kommt Panik" erweitert wurde, gerade recht. In "The Bay" kommt ein äußerst glaubwürdiges und aktuelles Thema zum Tragen: Der Umgang der Menschen mit der Umwelt und seinen fatalen Folgen (nein, ich wähle nicht die Ökosteuer- und Dosenpfandheinis).
Neben unseren Grundtrieben haben wir im Laufe der Geschichte noch zwei weitere "Grundtriebe" entwickelt: Geld und Macht. Und für diese beiden Sachen gehen viele Menschen über Leichen. Ob dabei Tierarten aussterben, die Fläche von 48000 Fußballfelder pro Tag im Regenwald zerstört werden, instabile Atomkraftwerke bis zum Super-Gau betrieben werden oder die Umwelt und ihr Umfeld sonst leiden muss - solange der Rubel rollt, spielt das alles keine Rolle.

Zum Glück kann man sagen, dass solch ein Vorfall wie in "The Bay" bis heute (Stand: 04.08.2013) noch nicht vorgekommen ist, aber er ist zum Greifen nahe und so etwas wird auch irgendwann in ähnlicher Form eintreten. Deswegen schon mal Pluspunkte für die Story von mir und Jürgen Trittin.

Story: Die Reporterin Donna Thompson (Kether Donohue) will nach Jahren nicht mehr verschweigen, was sie am 04.Juli 2009 in dem Küstenstädtchen Claridge erlebte, als sie mit ihrem Kameramann vor Ort war und über die Feierlichkeiten berichten wollte. Erst fing alles ganz harmlos mit Unmengen an Strand gespülten, toten Fischen an. Doch mit dem Meereswasser scheint etwas nicht zu stimmen. Denn schon bald entwickeln sich Hautausschläge bei den Bewohnern, die mit dem Wasser in Kontakt gekommen sind. Der Chefarzt Dr. Williams (Robert C. Treveiler) ist mit der neuartigen Krankheit überfordert, denn sie schreitet immer weiter voran.
Der Ausschlag ist nur der Anfang: Der Körper scheint sich innerlich aufzufressen, Gliedmaßen müssen amputiert werden - doch eine Rettung scheint aussichtslos. Nach und nach sterben die Menschen an dieser neuen Krankheit. Donna Thompson, die jedes Bild- und Tonmaterial gesammelt hat, geht damit zur Öffentlichkeit...


Man muss zu allerst sagen, dass dieser Film eine sehr unorthodoxe Herausforderung für den Zuschauer ist: Es gibt keine Helden an die wir uns klammern können, sondern nur Statisten, die mehr oder eben weniger eine Rolle spielen. Zeitlich gesehen wird in dem Jetzt und auch immer wieder aus der Vergangenheit berichtet, wobei der Zuschauer sehr aufmerksam sein muss. Ansonsten wird es anstrengend und man wird nicht mehr mitkommen, wer jetzt wer ist, ob diese Person in der Zeitlinie der Story schon tot ist oder sonstwas. Also, Bier zur Seite und aufpassen.

Es ist sehr ungewöhnlich, dass der 71 Jahre alte Regisseur Barry Levinson, der sich schon 1988 seinen goldenen Orden mit dem Drama "Rain Man" verdient hat, auf den Found-Footage-Zug aufspringt. Man merkt auch Levinson an, dass er sich mit dem relativ kostenarmen Genre keine goldene Nase verdienen will, sondern, dass ihm seine Botschaft wichtiger ist.
Dementsprechend verzichtet er auch weitestgehend auf Schockeffekte und zieht die Intensität und das Grauen rein aus der Geschichte und ihrem schrecklichen Verlauf.

Levinson benutzt so alle ziemlich möglichen Video-Quellen, die man in solch einen Film einbauen kann (Camcorder-Aufnahmen, Nachrichten aus dem Fernsehen, Überwachungskameras, Skype-Aufnahmen), was den realistischen Touch noch unterstreicht.


Fazit:

Regisseur Levinson ist der Sprung ins relativ ausgelutschte Found-Footage-Genre gelungen und bringt einen Öko-Grusler mit, der mit grauenhaften Bildern des Krankheitsverlauf und einer sehr realistischen Story punkten kann. Im Gegensatz dazu muss der Zuschauer seine Sehgewohnheiten beiseite legen, da praktisch jede Figur zum Nebendarsteller degradiert wird und es keinen Helden gibt, an den wir uns klammern können.

8/10

Details
Ähnliche Filme