Cloverfield ohne Protagonistenwackelkamera.
Nur bei Weitem nicht so eindrucksvoll.
Unterstützt durch Trailer und Plakate entfaltet sich Anfangs tatsächliche eine recht bedrohliche Atmosphäre. Relativ flott allerdings markt man, dass der ganze Film auch in jedem beliebigen verfallenen Osteuropäischen Stadtteil gedreht werden könnte. Denn leider spielt er fast ausschließlich in der Stadt Prypjat, so dass man vom Kraftwerk so gut wie nichts sieht.
Dabei wären es gerade die verstörenden Bilder des Blocks 4, die den wahren Horror hervorrufen könnten - und auf die hat man sich als Horrorfan wahrscheinlich sehr gefreut.
Storytechnisch wird eigentlich nichts in erklärt - einfach eine Gruppe junger Menschen, die von irgendetwas mal hier, mal da angegriffen werden. Es gibt keinen Protagonisten - jeder darf mal kurz was Besonderes sein, nur um dann zu verschwinden ... und vielleicht wieder irgendwo aufzutauchen. Mal tot, mal lebendig. Interessiert das überhaupt jemanden? Nicht wirklich, denn richtigen Zugang zu einer der Personen findet man zu keiner Zeit - einzig der aufreizende Balkon der attraktiven Olivia Dudley hilft zumindest dem männlichen Kinobesucher bei der Sympathievergabe.
Spezialeffekte gibt es so gut wie überhaupt nicht, ebenso keine nennenswerten Splattereffekte.
Die Kamera könnte auch einfach durchgehen als die eines TV-Begleitteams - mehr aber auch nicht.
Beim Verlassen des Kinos kämpfen dann die Gefühle "Freude über die Erlösung" und "Trauer über Zeit- und Geldverschwendung" miteinander.
Hat man diese Phase überstanden, dann erwacht die Hoffnung, dass der Film, den man mit den Begriffen "Tschernobyl, Fallout, Horrorfilm" assoziiert hatte, irgendwann wirklich gedreht wird.