Ziemlich verstrahlter Genrebeitrag von „Paranormal Activity“-Schöpfer Oren Peli (Drehbuch), der dem One-Hit-Wonder-Fluch natürlich ebenso entgehen wollte, wie den Geschirren der Studios und Genreproduktionen.
Die Idee, einen Film in der Nähe von Tschernobyl spielen zu lassen – gedreht wurde übrigens in Ungarn und Serbien - ist an sich gut, vor allem, wenn gerade mal eine Million als Budget zur Verfügung stand. So können die Kulissen, die keine sind, für sich stehen und ganz allein für eine bedrückende Atmosphäre des Verfalls und der Verlassenheit sorgen. Wenn die US-Touristen auf Europareise durch das zerfallene Film-Pripyat stiefeln, dann wirkt das tatsächlich wie eine Apokalypsenversion von Tarkowskjis „Stalker“.
Der Rest ist dann aber doch leider „Malen nach Zahlen“, denn die Tour der sechs Reisenden plus des bulligen Actiontourismusführers Juri, führt durch die üblichen Schlaglöcher. Anfahrt im wackligen VW-Bus, illegales Eindringen, später dann ominöse Fahrzeugbeschädigung und alsbald gehen die ersten Figuren in der Dunkelheit flöten. Das genügt zwar für einen freundlichen Bodycount, aber das Skript lässt die Hintergründe rund um die sich im Dunkeln bewegenden Angreifer praktisch bis zur letzten Szene im Unklaren. Die Erklärung ist dann auch nicht wirklich sinnstiftend, aber das soll ja auch der Schlussgag sein.
Hauptproblem sind dann auch ausnahmsweise mal nicht die Pappkameraden von Europareisenden, die hier anrücken und einen leise schwelenden Brüderkonflikt in der Tasche haben, der später für überflüssige Selbstvorwurfpausen sorgt, sondern die liebe Technik, die man für die Aufnahmen benutzt hat.
Peli hatte ja vorab mit Hand- bzw. Standkamera in „Paranomal Activity“ reüssiert, Brad Parker jedoch täuscht das „Found Footage“-Format lediglich an, präsentiert hier und da eine Aufzeichnung, lässt aber normalerweise die Kamera als siebten oder achten Mann „mitrennen“. Dabei produziert am langen Meter reichlich verwackeltes Material, vorzugsweise, wenn sich mal jemand schneller bewegen muss.
Das führt ferner dazu, dass man von den Angreifern eigentlich außer den üblichen Silhouetten und dem renitenten Im-Hintergrund-Rumstehen, so gut wie gar nichts sieht; wenn sie dann am Ende endlich angreifen, sieht man nur gut eingestaubte Grunzologen auf Hilfszombie machen. Blutig ist die Chose übrigens nur marginal, dafür aber derbe finster, so dass man nur ausschnittweise überhaupt mitbekommt, was vor sich geht.
Meiner Ansicht nach hätte der Film besser funktioniert, wenn man länger im Unklaren gelassen hätte, dass die Angreifer menschlich sind, da mit dem Gedanken an Mutationen schon früh im Film gespielt wird (Monsterfisch aus dem Fluss nebenan). Warum die Jungs das Tageslicht scheuen, wird bei der finalen Identifikation leider vernachlässigt, auf jeden Fall ist mit der Menschwerdung des Grauens die Luft schon wieder raus und wir zählen die Opfer einfach nur noch runter.
Lohnen tut sich sicher die erste Hälfte (abzüglich der Charaktereinführung im besten Hostel-Modus), die wirklich Atmosphäre hat und bei der der Location-Scout echt was geleistet hat. Die zweite Hälfte baut leider stark ab und bietet nur Klischees, ist aber kein Totalausfall. (4/10)