Judd Apatow. Da war doch was?
Ja, der Typ, der mich mit "Jungfrau (40), männlich, sucht..." unterhalten und mir mit "Wie das Leben so spielt" mächtig einen reingewürgt hat. Während der Jungfrau Carell auf der Zielgeraden etwas die Puste ausging und der eigentlich sehr gute Film ins Kitschige abrutschte, interessiert mich die himmliche Anekdote eines Stand-Up-Comedian so viel wie die Wahl des neuen Papstes. Nein, diesmal sind wir nicht Papst und können das public feiern gehen - Argentinien darf immerhin mal wieder abseits des Fußball-Spiels jubeln, während Apatow mir die vierte Komödie vor die Latz knallt, die auch nicht so berauschend ist, wie es der Trailer verspricht.
Nicht nur die Überlänge (134 Minuten) ist das einzige Problem. Das wahre Problem ist die Geschichte, die in diesem Film erzählt wird: Man darf einer amerikanischen Mittelschicht-Familie zuschauen, wie sie ihre privaten und finanziellen Probleme bewältigen - gemischt mit einer Handvoll Gags unter der Gürtellinie, gemischt mit der heutigen Technologie (Smartphones, Facebook etc.), wobei Apple scheinbar den Film kräftig mitfinanziert hat (so penetrant ist die Apple-Produkte-Präsenz). Wie langweilig ist das denn bitte.
"Immer Ärger mit 40" wirkt auf mich, als hätte man irgendwo an einer Stelle des Lebens auf "Record" gedrückt, und ab da wird geseiert, was das Zeug hält - mit dem Gefühl, dass dieser Streifen keinen wirklichen Erzählfaden hat, sondern like "Paranormal Activity" jeden Tag festhält, ohne wirklich in die Gänge zu kommen. Dementsprechend zäh wirkt auch das Finale, was eigentlich keins ist.
Die Probleme, die diese Familie hat, wirken zum einen alltäglich (Kinder in der Pubertät, finanzielle Probleme), wie sie jeder von uns kennt oder hat. Das bringt mich zum Gähnen und zeigt Parallelen zu "Wie das Leben so spielt" (Was interesiert mich...?)
Zum anderen wirken die Probleme schon gekünstelt und abwegig. Wenn der durchtrainierte Ehemann Pete (Paul Rudd) gesagt bekommt, er solle eine Diät machen, grenzt das schon an Beleidigung an etwas beleibteren Personen, von denen wir in Deutschland (und gerade da, wo der Film herkommt) dank McDonalds, sonstigem Schnellfraß und Pferdegeschnetzelten genug haben.
An der Geistesverfassung der Ehefrau (Leslie Mann) kann man auch zweifeln, so wie dieser Charakter an manchen Stellen gezeigt wird. Ich würde gerne einige Beispiele nennen, aber dieser Film ist in lediglich zwei Tagen so derbe durch mein Langzeitgedächtnis gerasselt, dass mir gerade kein Exempel einfällt - und das spricht für die Qualität des Films.
Tja, und ansonsten wird auch noch der Rest der Familie eingeführt, vom nie kennengelernten Vater, über (den anderen) dauerschnorrenden Vater, bis zum Schwippschwager. Inklusive der ganzen Figuren, die geschäftlich mit Debbie und Pete zu tun haben (und natürlich auch Apatow-like mächtig einen am Schwimmer haben). Ach gott, ich muss schon wieder gähnen, hoffentlich penne ich beim Schreiben nicht gleich ein.
Richtige Höhepunkte sucht man vergebens bzw. es sind nur wenige vorhanden, wie beispielsweise der Elternstreit im Büro der Schulrektorin.
Ansonsten zählt eben das Motto: Zu lang, zu unrund, kein roter Faden. Ab und zu Gekichere reicht eigentlich überhaupt nicht aus, für auf der großen Leinwand auf´s Volk losgelassen zu werden.
Obwohl ich mich mit ~35 Ocken auf dem Buckel ein wenig zur Zielgruppe zähle, werde ich mit dem Film nicht warm. Jedoch sollte die Zielgruppe, die den Film hipp findet, auch dann mal hinterherfragen, ob es in solch einem Film wirklich witzig ist, wie Pete seinen Enddarm mittels eines Spiegels erkundet und Debbie auffordert, ebenfalls hineinzuschauen.
"Immer Ärger mit 40" ist beileibe nicht so schlecht, wie ich ihn darstelle. Für einmaliges Anschauen reicht es gerade so.
4/10