"Wie landet ein Mann mit deinen Fähigkeiten in einem so elenden Winkel der Erde?"
Im China des 19. Jahrhunderts erlebt der Lion-Clan einen Machtwechsel. Gold Lion (Kuan Tai Chen) sollte für die Sicherung einer Ladung Gold sorgen, wird jedoch von Silver Lion (Byron Mann) verraten und von Poison Dagger (Daniel Wu) durch Quecksilber vergiftet. Zen Yi (Rick Yune) will sich dafür Rächen und reist nach Jungle Village. Dort wird er jedoch von Brass Body (Dave Bautista), einem gnadenloser Killer der seinen Körper nach Belieben in Metall verwandeln kann, beinahe getötet. Der Schmied (RZA) von Jungle Village, der bei seiner heimlichen Geliebten Lady Silk (Jamie Chung) im Pink Blossom, dem bekanntesten Bordell weit und breit geführt von Madam Blossom (Lucy Liu), verweilt, nimmt Zen Yi auf. Er fühlt sich schuldig, da seine Waffen Gold Lion töteten. Für Zen Yi ist er bereit eine neue Rüstung zu schmieden und den Fehler zu begleichen. Dadurch gerät er zwischen die Fronten, zu denen auch der Fremde Jack Knife (Russell Crowe) gehört.
Robert Diggs, besser bekannt unter seinem Künstlernamen RZA, ist der Hauptgründer der Hip-Hop Gruppe Wu-Tang Clan. Neben Studioalben produzierte die Gruppe auch Soundtracks, so zu der Filmreihe "Kill Bill". RZA kam in diesem Zuge mit Quentin Tarantino ("Django Unchained", "Inglourious Basterds") sowie Eli Roth ("Hostel"-Reihe, "Cabin Fever") in Kontakt.
Da RZA jeher begeistert von alten Martial Arts-Filmen ist entwickelte sich die Vorstellung einen eigenen Film zu inszenieren über die Jahre zu dem Projekt "The Man with the Iron Fists". Dank unterstützender Tätigkeit der genannten Regisseure war er schließlich in der Lage seine Idee ins Kino zu bringen.
Grundsätzlich stimmt die Mischung von "The Man With The Iron Fists". Abgedreht, blutig und übertrieben geht es zu. Zudem sind die Figuren herrlich überzeichnet. Aber man merkt dem Regie-Novizen seine Unerfahrenheit eben doch an. Denn wirklich rund wirkt sein Debüt an vielen Stellen nicht.
Das mag bisweilen auch am Inhalt liegen. Denn die Mär unterschiedlicher sich bekriegender Clans im China des 19. Jahrhunderts wirkt mit all seinen Figuren, Nebenplots und Querverweisen mitunter sehr unübersichtlich. Manche Handlungsfäden passen nicht zueinander, die abgehackt wirkende Regie hilft dem Durcheinander ebenso wenig. Selbst die ca. 12 Minuten längere Extended Fassung, die schon so manche holprige Passage glättet, lässt in dieser Richtung einen schalen Eindruck zurück. Man spürt, dass RZA viel mehr erzählen wollte, als es schließlich an Material in "The Man With The Iron Fists" geschafft hat.
Von den vielen Figuren nimmt keine eine wirklich tragende Position ein. Alle fallen schlicht aus und bedienen jedes Klischee. Selbst der titelgebende Filmcharakter spielt letztlich kaum eine nennenswerte Rolle und erhält seine Schlagkraft erst ein gutes Stück, nachdem die Hälfte der Laufzeit um ist.
Bereits in der Titelsequenz werden Arme abgerissen, Menschen durchstochen oder auch sonst wie gerne in Fontänen zum Bluten gebracht. "The Man With The Iron Fists" ist ein brutales Werk, dass sich aber gern überspitzt präsentiert. So ist auch die Akrobatik jenseits der physikalischen Möglichkeiten.
Zahlreiche Actionszenen lockern die maue Handlung auf. Diese sehen sehr gut aus und sind zum Teil enorm einfallsreich. Nur bleiben die nachhaltigen Schauwerte begrenzt. Das macht sich auch an manchen Superkräften und Gimmicks der Kämpfer bemerkbar. Denn auch wenn die Kämpfe ordentlich präsentiert werden, so fehlt es dem Film an epischem Abschluss.
Von den Darstellern brennt sich kaum jemand tiefer ins Gedächtnis. Lucy Lui ("3 Engel für Charlie"-Reihe) entwickelt sich von ihren Rollen her nicht weiter, Wrestling-Star David Bautista wird auf seine körperlichen Fähigkeiten reduziert, Jamie Chung ("Sucker Punch") auf ihre optischen Reize und RZA sowie Rick Yune ("Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr") geben sich nicht sonderlich spielfreudig. Einzig Russell Crowe ("Gladiator", "Robin Hood") hat am überkandidelten Spiel sichtlichen Spaß und bleibt noch am ehesten hängen.
So gekonnt und wuchtig "The Man With The Iron Fists" auf einen Seite sein kann, umso erschreckend belanglos ist er auf der anderen. RZA schafft es einfach nicht den verworrenen Inhalt und die Vielzahl an Figuren mit seinem Bilderrausch in Einklang zu bringen. Der Soundtrack, der nur an zwei, drei Stellen mit Hip-Hop-Zusätzen aufwartet, klingt prollig. Dafür stimmt es mit der Action, die nur im Finale die Erwartungen nicht mehr erfüllt. Das viele vorhandene Potential was der Film hat wird nicht genutzt. Knappe ...
6 / 10