Review
von Leimbacher-Mario
Ol' Brutal Bastard
Dass RZA nicht nur Rapurgestein, Produzentenmeister und Wu-Tang-Clan-Legende ist, ist schon lange in Stein gemeißelt. Warum daneben nie „Topdarsteller“, Regietalent“ oder „Scriptmagier“ stehen wird? Da muss man sich nur kurz diese bunte Hollywood-Eastern-Hommage angucken, mit der er irgendwo zwischen „Kill Bill“, seinen liebsten alten Kung Fu-/Wuxia-Schinken und seinen filmischen Vorbildern und Freunden Tarantino und Roth ansetzen will - und damit spektakulär und auf viele falsche Weisen unterhaltsam aufs Gesicht fliegt. Nennt man das naive Traumverwirklichung oder egoistische Traumschredderung? Wie auch immer: in „The Man With The Iron Fists“ gerät ein Schmied im feudalen China zwischen die Fronten zweier Clans mitten in blutige Handgemenge, messerscharfe Klingen und übermenschliche Kampfkünste...
„The Man With The Iron Fists“ huldigt natürlich etlichen Klassikern des Eastern und man spürt RZAs Fantum, Entschlossenheit, Nerdwissen. Nur leider wirkt das oft eher gewollt als gekonnt, die (an sich großartige) Rapmusik passt sich die meiste Zeit nicht gerade homogen ans Gezeigte an, die Darsteller haben alle massive Schwankungen drin und die Story ist (passend zum Genre) kaum der Rede wert. Vor allem RZA selbst kann man niemals Schauspieler nennen, viele Actionszenen sind ärgerlich hektisch zerschnitten und die heftigen Splatterausschläge sind zwar meist geil anzusehen, wirken aber oft deplatziert und als ob sie die etlichen anderen Mängel übertünchen wollten. Selbst ohne den Vergleich mit Meister und Mentor Tarantino hinkt hier mehr als es fliegt. In Sachen Mut und Esprit mag ich Extra- und Mitleidspunkte verteilen, ich mag das Ding grundsätzlich in einigen Details schon. So ist z.B. das Intro stimmig, Russel Crowe hatte sichtbar Spaß, es gibt etliche große chinesische Namen und Legenden zu bestaunen und der einst in Sachen Schauspiel noch blutjunge/unerfahrene Dave Bautista war schon damals einen Blick wert. Selbst überzogen mit mittelmäßiger CGI-Messing-Haut. Doch insgesamt wirkt hier alles eher wie ein oberflächliches Fanprojekt mit zu viel Budget, zu wenig Können und Know How, irgendwo zwischen Hutziehen und Fremdschämen, Satire und Schwachsinn, freiwilliger und unfreiwilliger Komödie.
Fazit: beherzte aber nicht immer gekonnte Hommage eines langjährigen Fans an den Eastern der 60er und 70er. Bizarr. Brutal. Banal. Bescheuert. Und sogar etwas episch, bedeutungsschwanger, trashig. Alles von mir eher positiv gemeint und die Intention hinter dem Ganzen versuchend zu schätzen. Was mir leider nicht durchgehend gelingt. Bei aller Liebe. Sollte RZA lieber bei Musik, Rappen und Produzieren bleiben?! Naja, warum ihn nicht einen seiner Träume erfüllen lassen... Oft (oder den zweiten Teil) muss ich mir das aber nicht geben.