Review

Kritisch, intellektuell, aber vor allem: unglaublich langweilig & selbstverliebt! 

Herr Cronenberg ist für Genre-Fans einer der Größten, hat mit Werken wie Die Fliege, Videodrome oder Scanners (nur ein kleiner Auszug!) unverkennbare Meilensteine geschaffen, wirklich Bleibendes. Werke, deren Interpretation & Analyse sich lohnt. Mit seinen neueren Filmen lässt der Maestro aber erheblich nach, wie einige seine Altmeister-Kollegen nach all den Jahren ebenfalls. Cosmopolis ist dafür eine gutes Beispiel & in vielerlei Hinsicht nicht vergleichbar mit den Meisterwerken. Das muss nicht schlecht sein, ist es aber leider doch geworden. Gute Ansätze, fast schon überfordernd viel Substanz ist da, aber so richtig mitreißend & greifbar wurden Film samt Kapitalismus(-kritik) als Thema nie. Vielleicht ist die Masse, mich eingeschlossen, ja nicht schlau genug & versteht den Film, den man auch komplett als Metapher deuten kann, nicht & er ist in 30 Jahren ein verkannter Kult-Meilenstein. Ich glaube aber eher, man hat sich hier etwas verhoben, verloren & so ist ein textschwangeres Werk, nur für ein ganz spezielles Publikum entstanden. Und das ist nicht unbedingt in der Schnittmenge mit den bisherigen Fans des Bodyhorror-Meisters. Auch wenn er schon immer gern polarisierte & ich durch einen Reinfall nicht minder auf kommende Werke gespannt bin.

In Cosmopolis fährt ein blasser Robert Pattinson als (gewollt) ausdrucksloser Milliardär in seiner Hightech-Limo durch die Straßen New Yorks. Eigentlich will er nur zum Friseur. Auf dem Weg kommen ihm aber seine ebenfalls milliardenschwere Frau, Gelegenheitssex, aggressive Strassendemos, ein Killer & vor allem biblische Dia- & Monologe über Kapitalismus & die Welt dazwischen. Klingt gar nicht so umspannend - ist aber wirklich in die Länge gezogen & fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Wer müde ist, darf sich den Film einfach nicht antun. Im Originalton hätte ich denke ich trotz guter Englischkenntnisse wenig verstanden. Aber immerhin lässt sich auch über Cosmopolis hervorragend diskutieren, sei es auch nur Haten auf gehobenem Niveau...

Einerseits kann ich die paar Befürworter des Filmes verstehen & tue diese nicht einfach als alles liebende Cronenberg-Fanboys ab. So sind die angesprochenen Themen interessant, die Thesen aktuell & clever, der allseits gehasste Kapitalismus immer ein lohnendes Ziel. Aber trotzdem mag ich den Film nicht. Und das liegt nicht am lahmen Pattinson, der in The Rover letztlich zeigte, das er weit mehr kann als sein Twilight-Image vermuten ließ. Das liegt am langweiligen Drehbuch, an mal gezwungen lustigen Dialogen, mal banalen Wendepunkten. Da hätte ein geschriebenes Essay oder Ähnliches wohl wesentlich mehr gebracht. Als Film ist das hübsches Schlaftheater gefüllt mit aufgeblähtem Intellekt. Auch wenn man sich manchmal fragt, wer man denn sei, einen solch großartigen Regisseur so zu kritisieren - aber Cosmopolis ist wie gesagt einfach nicht für Jedermann. Stellenweise gab es Überraschungen & in seinen besten Phasen, erinnerte mich der Film etwas an den Geheimtipp eXistenz, aber das blieb zu selten. Zu spät oder unpassend finde ich die Kritik an unserem westlichen System samt Werten aber nicht, ist es doch eigentlich immer aktuell & ein Zusammenbruch wohl eher unaufhaltsam. Wenn aber schon ein Land wie Griechenland so lange "gerettet" & leidend aufgeschoben werden kann, will ich gar nicht wissen, wie lange man das komplette System noch aufrecht erhalten kann, wahrscheinlich noch Jahrzehnte. Und eigentlich hoffentlich - denn wer sagt, ihm gehe es in Deutschland nicht gut, lügt, hatet, ist selbst schuld oder übertreibt...

Fazit: wenig Liebe, viel Hass schlägt dem Film entgegen & hier hat die Allgemeinheit wirklich mal recht - Cronenbergs Schlechtester & eine der zuverlässigsten Schlaftabletten aus dem Jahr 2012. Selbst wenn man sich mit Kapitalismus(-Kritik) gerne beschäftigt!

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