Review

kurz angerissen*
erstmals veröffentlicht: 28.10.2012

Cronenberg ist wieder da, und zwar so richtig. „Cosmopolis“ erzählt mit Bildern eine chronologisch schlüssige Geschichte, gewöhnungsbedürftig zwar aufgrund der personennahen Kamera und den eingeengten Drehorten, aber immerhin bewegt sie sich vorwärts und bezeugt Fortschritt, am Ende gar einen Klimax, hervorragend repräsentiert durch den lange Zeit stillen Soundtrack, der in der letzten Szene schwellend lauter wird und mit einem Schnitt in den Abspann entlässt.

Wären es also nur die Bilder, könnte „Cosmopolis“ also durchaus ein Kammerspiel-Thriller sein. Allerdings besteht der Film zu 95 Prozent aus Worten. Worte, die das teils absurde, teils natürliche Verhalten der Figuren zum Teil bestätigen und zum Teil konterkarieren, Worte, die wie Eselsbrücken aufeinander Bezug nehmen und schließlich mit der ursprünglichen Motivation nicht mehr im Zusammenhang stehen. Worte auch, die eine kognitive Überforderung des menschlichen Gehirns mit den gesellschaftlichen und sozialen Anforderungen einer längst über die biologischen Grundbedürfnisse erhabenen Welt aufzeigen. Worte, die letztlich auch wieder auf die Bilder einwirken – wenn Pattinson, ein ganz ausgezeichnet agierender Pattinson übrigens, in der Limo zur blauen Schiebeglastür eines Faches greift und es öffnet, hat alleine schon diese so nichtig wirkende Sequenz wieder das unnachahmliche Was-brodelt-hinter-der-Oberfläche-Feeling zur Folge, das so nur Cronenberg entstehen lassen kann. Ein großartiger Film, und dass er von der breiten Masse (diesmal inklusive Pattinson-Fanclub) so missverstanden wird, untermauert nur noch seine Großartigkeit.
(8.5/10)

*weitere Informationen: siehe Profil

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