Alle Kurzkommentare


1

Cronenbergs Blick auf die Occupy-Bewegung, die geistlose Technokratie und den rücksichtslosen US-Kapitalismus im 21. Jahrhundert oder doch bloß eine Aneinanderreihung von zähen, abstrakten Dialogen zw. Robert Pattinson und immer wechselnden Gesprächspartnern? Ich kann COSMOPOLIS nichts abgewinnen und empfinde ihn als kaum durchstehbar in nur einer Sitzung. Über was immer da Cronenberg auch philosophieren und seinen Senf dazugeben wollte: Es funktioniert so nicht. Und auch wenn er in gewisser Weise wieder solche Themen wie den körperlichen und seelischen Zerfall seines Protagonisten aufgreift, wobei hier der finanzielle Abstieg noch hinzukommt, so hat er dies anderswo schon hundert Mal besser gemacht. Allein dass sich die erste Stunde fast nur in der Limousine abspielt, ist schon grausig. Außer ein bisschen Sex und einen Pistolenschuss durch eine Hand gibt es hier nichts zu sehen.

5

David Cronenbergs Cosmopolis rief arg abdriftende Meinungen in der Kritikerwelt hervor, die Urteile reichen von Toptitel bis Totalausfall. Irgendwo dazwischen dürfte wohl die Wahrheit liegen: Die erste Filmhälfte präsentiert sich wirklich vielversprechend, stellt sie doch auf interessante, da intellektuell fordernde Weise die bizarren Auswüchse des Finanzsystems bloß. Im späteren Verlauf verliert sich dieser unheilschwangere Abgesang auf die modern-westliche Welt jedoch in immer wirrer und träger werdenden Thesen, die dem Grundgedanken nur noch wenig neues hinzuzufügen haben. Für eine angenehme Überraschung sorgt indes Robert Pattinson, welcher sich mit seiner aalglatten Darstellung des seelenlosen Milliardärs über alle zweifelnden Vorurteile hinwegzusetzen weiß. Ein sperriges Werk, dessen durchaus anspruchsvolle Kapitalismuskritik nach dem echt starken Start in einen viel zu verkopften Krampf ausartet.

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