Review

Nicht wirklich eine Fortsetzung der Serie DIE WALTONS….. ;-)

Dieser Vergleich ist nicht von mir (sondern von Rezensent "muffel" hier), aber er fasst ganz schön zusammen auf was man sich bei LAWLESS einstellen muss. Dieser Umstand ist natürlich nicht wirklich eine Überraschung. Denn auch wenn der Look der diversen Darsteller zur oben genannten Serie passt, handelt es sich um eine klassisches Gangster Drama, in dem die diversen Schießereien nicht im Hintergrund, sondern full-frontal passieren. Will heißen, LAWLESS schönt die Brutalität nicht und sie findet nicht im Hintergrund statt, sie ist Bestandteil des Kampfes um das Überleben und der Vorherrschaft im Alkoholgeschäft der 3 Brüder Forrest, Jack und Howard Bondurant.

Diese sind so unterschiedlich wie es nicht mehr hätte sein können: Forrest (Tom Hardy); ruhig, fast stoisch, aber immer souverän und sehr belastbar. Howard (Jason Clarke); meist besoffen und leicht abgedreht. Und natürlich der Benjamin Jack (Shia LaBeouf); der jüngste, noch ungeschliffene, romantisch veranlagte. Und somit steht er als Benjamin der Brüder auch ein wenig im Fokus dieser Coming-of-Age Geschichte adoleszenter Prägung im Sinne einer brüderlichen Initiation, des Erwachsenwerdens durch die Rache und des Tötens.

Die Geschichte ist sogar eine authentische, wie man schön an dem Originalbild der 3 Brüder am Ende des Films sieht. Tom -Warrior- Hardy, der zuletzt in THE DARK KNIGHT RISES als Bane eine unglaublich wuchtige physische Präsenz zeigte, kann auch hier wieder entsprechend auftrumpfen. Auch durch ein breites, nicht enden wollendes Kreuz und einen monströsen Stiernacken, aber auch durch ein souveränes "In der Ruhe liegt die Kraft"-Auftreten, welches sich zum Ende hin in einer fast mythischen Überhöhung der Fast-Unverwundbarkeit steigert.

Und damit ist nicht nur die Frankenstein-mässige Halskrause die ihn später ziert gemeint. Shia LaBeouf ist als das Gesicht aus den TRANSFORMERS Teilen bekannt und kann sich hier charakterlich endlich mal ein bisschen profilieren und unabhängig von den metallenen Freunden etablieren, was ihm aus meiner Sicht auch bestens gelingt. Seine beste Rolle bisher. Unnötig zu erwähnen, dass Gary Oldman leider ein wenig zu selten auf der Leinwand zu sehen war, und dass Guy -Mittelscheitel- Pearce als oberschmieriger "zu Guttenberg-Westernbösewicht-Lookalike" Special Agent Charlie Rakes sehr gut gelungen ist.

Auch Jessica Chastain kann als Maggie durch ihre raue und ungekünstelte Art auftrumpfen, wie zuletzt in ZERO DARK THIRTY, und auch sie ist - wie die anfänglich angesprochene Gewalt - full frontal zu bewundern. Genug Chauvinismus. LAWLESS kann durchaus eine Reihe von Details bieten, die sich ggfs. erst auf den zweiten Blick offenbaren und hier gar nicht alle aufzuzählen sind. Die Geschichte der Brüder über deren Eltern man nicht viel erfährt, das Spiel mit sexuellen Erweckungen und Identitäten, das Ansprechen der unterschiedlichen Lebensentwürfe von Stadt und Provinz, bis hin zu sämtlichen Kleinigkeiten der hochwertigen Ausstattung die in den verschiedenen Modellen der Lederhandschuhe von Guy Pierce gipfelt.

Bei LAWLESS  handelt es sich um die Adaption des Romans "The Wettest County in the World" von Matt Dondurant. Dieser wurde von dem genialen Songwriter und Performer Nick Cave adaptiert und von ihm ist auch der heiter-melancholisch-countrymässige Soundtrack. Der Film spielt in der Zeit der Prohibition, also in der Zeit, wo die Alkoholherstellung, -vertrieb und der Genuss in den USA von 1920 bis 1933 verboten war. Kaum vorstellbar heute, aber ich empfinde dies so ähnlich sinnvoll und unverständlich, wie die heutige Zensurpolitik der deutschen FSK in der erfolgreichen Bevormundung von Erwachsenen.

LAWLESS hat durch die rund 2-stündige Laufzeit auch einige ruhige Phasen zu bieten, die der Mainstream-Zuschauer auch braucht, um sich von den wenigen, aber wuchtigen und unerwarteten Gewaltspitzen zu erholen, die den Film dann doch zu etwas Besonderen machen. Einer Art Western-Neo-Noir, irgendwo im spannenden Niemandsland zwischen Italowestern-Romantik, Gangster-Nostalgie-Hommage, Sozialdrama in der Provinz und tarantinoesken, fast comichaften Gewalt-Übersteigerungen. Und in Bezug auf die anfangs gewählt Überschrift…..tatsächlich sagen sich die 3 Brüder in LAWLESS einmal genau so "Gute Nacht" wie dies die Waltons am Ende jeder Episode immer getan haben….

7,5/10 Schnapsflaschen....äh,....Punkten

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