Review

Andrew Dominik schickt in Killing them softly Auftragskiller Brad Pitt auf eine Odyssee in das vom 2008er Präsidentschaftswahlkampf dominierte Amerika der sich auflösenden unteren Mittelschicht. Jackie Cogan (Brad Pitt) soll im Auftrag des Mafioso Driver (Richard Jenkins) die beiden unterbelichteten Aushilfsgangster Russel (Ben Mendelsohn) und Frankie (Scoot MacNairy) aus der Welt schaffen, die eine Unterwelt-Poker-Runde um eine beträchtliche Summe Bargeld erleichtert haben - all das anscheinend im Auftrag des Veranstalters Mackie (Ray Liotta).
Mit Killing them softly gelingt Regisseur Andrew Dominik ein Kunsttück, das ihm ersteinmal ein anderer Regisseur nachmachen muss: er schafft es einen Film mit einer Nettolaufzeit von etwas mehr als 90 Minuten gut eine halbe Stunde zu lang erscheinen zu lassen. Die Verfilmung des Romans Cogan's Trade von George V. Higgins ist ziemlich dialoglastig und erinnert stark an die Werke eines Quentin Tarantino, jedoch fehlt es Dominik an Raffinesse diese Passagen spannend und dynamisch zu gestalten. Nur wenige Pointen zünden wirklich, beispielsweise wenn James Gandolfini einer Prostituierten erklärt, warum sie kein Trinkgeld bekommt, oder Brad Pitt am Ende seinem Auftraggeber Driver eine in wenigen Worten gefasste Bestandsaufnahme des heutigen Amerika gibt. Leider sind derartige Momente selten und so wirken die Dialoge eher bemüht, langatmig und wenig kreativ.
Gleiches gilt für die Geschichte, die an sich nicht viel mehr als einen Kurzfilm hergeben würde. Cogan ist den Gaunern, die kaum Anstalten machen ihr altes Leben hinter sich zu lassen, schnell auf den Fersen, wie er im Einzelnen ihnen jedoch auf die Spur kommt, bleibt lückenhaft. Stattdessen hält sich die Geschichte mit allerlei unnützem Gerede oft selbst auf. James Gandolfinis Figur beklagt sich über einen langsamen Kellner und seine laufende Scheidung, Cogan wird von Driver ermahnt, nicht in seinem Auto zu rauchen, Russel und Frankie labern sich in ihrer Bude ins Delirium. Während Tarantino oder auch die Coen-Brüder es schaffen, derartigen Szenen etwas Witziges oder Skuriles abzugewinnen, sind sie bei Dominik meist langatmig, bestenfalls bemüht.
Bemüht, das trifft auch auf den Versuch zu, den Film zu einem zynischen Kommentar zur Lage der Nation zu machen. Dies gelingt vielleicht in einige Szenen, am Ende und auch als auf Cogans Weg in eine Bar im Hintergrund auf offener Straße jemand niedergeschossen wird, die Kommentare zu Politik und Finanzkrise kratzen nur an der Oberfläche und die O-Töne zum Wahlkampf der Herren Obama und McCain rauschen meist undeutlich im Hintergrund vorbei.
Immerhin kann Dominik auf eine ausgezeichnet aufspielende Darstellerriege zurückgreifen, allen voran Brad Pitt, der wieder einmal mehr beweist, dass er aktuell zu den besten und vielseitigsten Akteuren Hollywoods gehört. Ray Liotta ist die Idealbesetzung für den schmierigen Mafioso, der nach Außen den harten Mann gibt, innerlich allerdings ein ganz schöner Kuscher ist. Als zugedröhnte Aushilfsgangster kann das Duo Mendelsohn/McNairy ebenfalls überzeugen, optisch wie akustisch bieten sie sicherlich die skurilsten Charaktere des Films. James Gandolfini spielt großspurig auf, allerdings ist seine Rolle derart unwichtig, dass das seiner sämtlichen Szenen nicht im geringsten auffallen würde. Entsprechend unrühmlich wird er dann auch gegen Ende aus der Handlung geschoben. Von Sam Shepards Part blieb im finalen Schnitt (eine erste Fassung soll 30 Minuten länger gedauert haben) nicht mehr als ein Cameo übrig.
Inszenatorisch hat der Film seine besten Momente außerhalb der Dialoge, dann zeigt Dominik, dass er durchaus Talent besitzt, etwa wenn er neue Charaktere durch alte Schlager einführt oder sich in blutig-brutalen Gewaltausbrüchen austobt. Eine Schlägerei wurde sehr realistisch und drastisch umgesetzt, der erste Mordanschlag ist ein brutales Ballet in Zeitlupe. Die folgenden kurzen Szenen können da zwar nicht mehr so ganz mithalten, allerdings bieten sie eine willkommene Abwechslung zur Ödnis der Dialoge.

Andrew Dominiks Romanverfilmung will viel sein, scheitert jedoch an den eigenen Zielen. Die auf den Mirkrokosmos eines Gangsterfilms projezierte Abrechnung mit dem modernen Amerika bremst sich durch leere, langatmige Dialoge selbst aus und lässt kritische Aussagen meist schon im Ansatz verpuffen. Gute Darsteller und kurze, jedoch umso drastischere Gewaltexzesse können da nur wenig ausrichten.
4/10

Details
Ähnliche Filme