Heute lockte mich zum ersten mal das Massen-Phänomen „Sneak-Preview“ ins lokale Multiplex. Natürlich war ich durch die Sneak-Prognose gut informiert und auf (fast) alles vorbereitet. Es waren gute Kandidaten am Start, und mit dem aktuellen Brad Pitt-Streifen eigentlich nur ein potentieller Reinfall.
Das „Worst-Case-Szenario“ wurde durchgespielt, das Licht ging aus, Spannung hing in der Luft: Ein unbekanntes Filmstudio, überhaupt alles dreckig und seltsam auf den ersten Bildern, und dann der Titel: KILLING THEM SOFTLY – da war er! Murphy's Gesetz hatte wieder zugeschlagen... aber gut, sehen wir den Tatsachen ins Auge: Wir geben jedem Film eine Chance, vielleicht ist er ja gar nicht so schlecht, wie seine „Vorschußlorbeeren“… aber bereits nach den ersten Minuten war jegliche Hoffnung zerstört.
Ein Kleinganove plant den Crew seines Lebens und holt sich zwei Hauptakteure an Board, die während einer anschließenden Unterhaltung aus dem Nähkästchen ihrer letzten Penetrations-Aktivitäten plaudern….
Es bleibt (leider) nicht bei diesem einen Gespräch, in dem die „F-Word-Warning“-Lampe ausschlägt wie der Metalldetektor im Stahlwerk. Was hat sich der Regisseur bloß dabei gedacht, nahezu inhaltsleere Gespräche so endlos lange auszudehnen, bis auch der letzte Zuschauer ins Schlummerland abtaucht? Man weiss es nicht…
Irgendwann taucht dann Brad Pitt auf und glänzt mit selten gesehener schauspielerischer Unlust – wie tief ist unser Unterwäsche-Modell nur gesunken, dass er freiwillig in so einem Schund mitspielt!
Während die vulgäre Sprachwahl immer wieder neue Höhepunkte erreicht und mittlerweile nur noch Kopfschütteln beim inzwischen weggetretenen Publikum hervorruft, führt die „Story“ die Protagonisten in einen Strudel aus belangloser Gewalt durch ein wahrhaftig heruntergekommenes amerikanisches Hinterland unbekannter Herkunft. Immer wieder wird das gelangweilte Kinopublikum durch berstende Kugelsalven aus dem friedlichen Schlummer und Träumen von guten Filmen geweckt. Überhaupt spielt Gewalt eine große Rolle in Dominik’s Inszenierung: Diese kommt gnadenlos, brutal und ohne Rücksicht auf Verluste daher. Das mag den berüchtigten Gorehound sicherlich erfreuen, zur Handlung trägt dies aber so was von überhaupt nicht bei und wirkt stellenweise sogar billig und konstruiert.
Andrew Dominik verrät uns in nahezu jeder Einstellung des Films, dass er gerne einen Film wie Tarantino oder die Coen-Brüder gedrehthätte, was er in einigenwenigen Szenen auch durchaus kurz durchblitzen lässt - Dass dazu aber auch eine vernünftige Story gehört, kann man bei seiner dritten Regiearbeit ja noch nicht unbedingt wissen.
Glücklicherweise überzeugt der Streifen wenigstens durch eine kurze Laufzeit, so dass der Spuk nach gut anderthalb Stunden endlich ein verdientes Ende findet.
Der Anmerkung der Freundin „Zum Glück habe ich für diesen Schrott nicht ein Brillenputztuch geopfert“ ist nichts hinzuzufügen: Ein bemühtesSchauspieler-Ensemble quält sich durch eine Alibi-Handlung, die sich dialog-lastig und überkonstruiert zieht wie ein alter Kaugummi: Zäh und geschmacklos.
Den Film in der Sneak zu zeigen ist andererseits die einzige Möglichkeit, dem Film einem Publikum zu zeigen: Zweifelhaft, ob irgendjemand ernsthaft Geld für so einen Schrott ausgibt!
(3 / 10)