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Dass übermäßige Dialoglast einem Gangsterfilm nicht zwangsläufig schaden muss, hat Tarantino vor einigen Jahren meisterhaft bewiesen und auch wenn Regisseur Andrew Dominik ein paar namhafte Gesichter für sein Projekt gewinnen kann, scheitert es letztlich an genau jenem Wulst an Dialogen mit schwachen Pointen.

Zwei Anfänger in Sachen Raub überfallen die Pokerrunde von Markie (Ray Liotta) und werden kurz darauf vom Auftragskiller Jackie (Brad Pitt) unter Druck gesetzt. Doch wer hält da wirklich die Fäden in der Hand?

Es sollte augenscheinlich die groß angelegte Parabel zur US-Finanzkrise werden, in einem New Orleans kurz nach Hurrikan Kathrina, in dem sämtliche Bewohner mindestens so heruntergekommen erscheinen wie die vermüllten Straßen der Stadt. Und hier leidet selbst die Mafia unter Geldproblemen, Honorare werden lange ausdiskutiert, mit der Wahl der Transportmittel gegeizt und selbst beim Überfall müssen es Spülhandschuhe tun.
Jener Überfall ist auch noch recht spannend aufgezogen, die Kamera leistet sehr gute Arbeit und es liegt eine leicht knisternde Spannung in der Luft.

Doch diese verpufft nach jedem ausschweifendem Dialog zusehends. Da lässt man sich minutenlang über die sexuellen Qualitäten einer Hure aus, man philosophiert über den Verkauf von Hunden und sinniert über das Töten von Menschen.
Dabei bleibt der Witz weitgehend auf der Strecke, vielen Unterhaltungen folgt kaum eine Quintessenz und am Ende gerät selbst die ungewöhnliche Inszenierung eines Kopfschusses in Zeitlupe ein wenig in Vergessenheit.

Zweifelsohne vermag Pitt als philosophierender Killer eine Menge herauszureißen und auch wenn Gandolfinis Figur eher nervt als zu unterhalten, spielt der Mann erstklassig und ist nur aufgrund der längeren Präsenz besser als Ray Liotta, welcher ebenfalls richtig gut performt.
Doch die Erzählung steht sich leider über weite Teile selbst im Weg und lässt eine durchdachte Struktur vermissen, da die vielen ruhigen Dialoge ab und an von deftigen Gewaltausbrüchen unterbrochen werden, während die eingeblendeten Reden diverser Politiker auf Dauer zu plakativ erscheinen.

So wird viel taktiert und debattiert, während die Inszenierung einiger Momente zumindest auf stilistischer Ebene punkten kann. Darstellerisch bringt die Starbesetzung alles mit, um den Streifen aufzuwerten, aber das führt beileibe nicht dazu, ihn unterhaltsam oder gar spannend zu erleben. Denn was bleibt, ist ein redegewaltiger Streifen mit viel inhaltslosem Blabla, fehlendem Augenzwinkern und einer im Grunde völlig simplen Ganovengeschichte ohne Überraschungen.
4 von 10

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