Regisseur und Autor Jeff Nichols greift einmal mehr die Probleme von Durchschnittstypen auf und mischt daraus einen sensiblen und ehrlichen Beitrag zwischen Coming of Age, Südstaatenmelodram und Thriller.
Die beiden vierzehnjährigen Jungs Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland) verbringen viel Zeit auf einer Insel am Rande des Mississippis, als sie eines Tages auf ein Boot in den Bäumen und den leicht verwildert wirkenden Mud (Matthew McConaughey) treffen.
Der Mann gibt schließlich Preis, seiner großen Liebe (Reese Witherspoon) wegen einen Mord begangen zu haben, während ihm die Eltern des Getöteten bereits auf der Spur sind.
Ellis und Neck helfen Mud beim Bau eines Fluchtbootes, doch die Zeit drängt…
Nichols stellt mit seiner Erzählung drei Männer oder solche, die es werden wollen in den Vordergrund: Ellis, der sich große Hoffnung auf eine Beziehung zur wesentlich älteren May Pearl macht, Mud, der sogar aus Liebe mordete und Ellis Dad, der kurz vor der Trennung steht. Mit der Zeit offenbart die Geschichte, wohin zu aufopferungsvolle Liebe führt und wie man am ehesten mit den Konsequenzen leben kann.
Die Idee mit den beiden Jungen, welche soeben eine intensive Phase des Erwachsenwerdens erleben, erinnert in seiner Konstellation deutlich an „Stand by me“, aber auch an Tom Sawyer und Huckleberry Finn, die statt eines entflohenen Sklaven einen flüchtigen Mörder unterstützen. Was sie von vornherein sympathisch erscheinen lässt, ist ihre integere Art, moralische Standpunkte zu vertreten, sich loyal zu verhalten und sich trotz herber Verluste und einiger Schwierigkeiten für ihre Interessen einsetzen. Besonders Ellis fängt sich mehrfach ein paar ordentliche Schläge ein.
Allzu viel Action sollte man indes jedoch nicht erwarten, denn Nichols erzählt seine Story recht ruhig, lässt ab und an die typischen Südstaatenkulissen wirken, streut ein paar nette, uralt klingende Countrysongs ein und bleibt seiner schnörkellosen Optik treu, welche beinahe angenehm altmodisch daherkommt, so wie Ellis seine Eltern eben noch mit „Mam“ und „Sir“ anspricht.
Zwischenzeitlich schlägt die Erzählung einen kleinen Bogen in Noir Gefilde ein, doch ein großes Geheimnis wird aus der Femme Fatale nicht gemacht. Im Grunde sind sogar alle mitspielenden Damen fatal für die Männerwelt, denn auf ihnen beruhen die Probleme und Sorgen, wobei grundlegend keine Schuldzuweisungen getätigt werden und auch wenn die Kerle weitgehend gebrochene Typen sind, haben sie sich ihre jeweilige Situation selbst zuzuschreiben.
Was das Drama eindeutig so intensiv erscheinen lässt, sind die durchweg starken darstellerischen Leistungen. Besonders Jungmime Tye Sheridan liefert eine sehr starke Performance ab, aber auch Sam Shepard ist richtig gut als undurchsichtiger Einsiedler. McConaughey ist im Originalton aufgrund der Kippe im Mundwinkel und dem Akzent nicht immer deutlich zu verstehen, doch auch er überzeugt mit starkem Spiel. Witherspoon wirkt demgegenüber eher unterfordert und auch Michael Shannon kommt in einer Nebenrolle nicht wirklich zur Geltung.
Trotz der vielen ernsten und melancholischen Tönen ist „Mud“ ein insgesamt beeindruckender Wohlfühlfilm, der zwar im Mittelteil minimale Längen aufweist und gegen Ende etwas zu dick aufträgt, sein Herz jedoch stets am rechten Fleck trägt.
Stark performt, grundsolide eingefangen und angenehm unaufgeregt vorgetragen, empfiehlt sich der noch junge Filmemacher Nichols für weitaus größere Projekte ähnlicher Art.
8 von 10