Erinnert sich jemand an die Gefühle, die einen beim Anschauen von Filmen wie Die Goonies (1985), Stand by Me (1986) oder auch Abenteuerklassikern wie Tom Sawyer überkamen? Filme, die nostalgische Gefühle und positive Erinnerungen an die eigene Kinder- und Jugendzeit auslösen sind in letzter Zeit sehr rar geworden. Leider, muss ich sagen. Bis auf Super 8 (2011), der hier ebenfalls besprochen wurde, fällt mir auf Anhieb nichts ein. Das Independent-Projekt Mud – Kein Ausweg, aus der Feder und Regie von Jack Nichols (Shotgun Stories, Take Shelter), spielt zwar nicht in einer nostalgischen Vergangenheit, weckte aber sehr ähnliche Gefühle in mir und reiht sich damit ein in meine kleine, aber feine Liste an Feel-Good-Movies.
Worum geht’s? Bei einem Streifzug über eine bewaldete Flussinsel finden die beiden 14-jährigen Freunde Ellis (Tye Sheridan) und Neckbone (Jacob Lofland) ein altes Boot, das hoch oben im Geäst eines Baumes festsitzt. Die Freude über diesen tollen Fund wird allerdings jäh gedämpft, als sie feststellen, dass dieses ungewöhnliche Baumhaus bereits bewohnt wird. Der Bewohner ist ein seltsam erscheinender Mann namens Mud (Matthew McConaughey), der außer einer Pistole und seinen Kleidern am Leib nichts besitzen zu scheint. Mud bittet die beiden um Hilfe und vertraut ihnen an, dass er sich vor Kopfgeldjägern verstecken muss, da er einen Mann getötet hat, der sich an seiner großen Liebe Juniper (Reese Witherspoon) vergangen und diese schwer misshandelt hat. Im Gegenzug für ihre Kooperation und Verschwiegenheit sollen die beiden seine Pistole erhalten, sobald es ihm gelingt, das Boot instand zu setzen und die Insel zu verlassen. Als die beiden Jungs der hübschen Juniper eine Nachricht überbringen sollen, treffen sie auf Muds skrupellose und überaus brutale Verfolger und beginnen, Verständnis für sein Handeln und seine schwierige Situation zu entwickeln. Insbesondere Ellis, der gerade selbst dabei ist, seine ersten Erfahrungen in der Liebe zu sammeln, nimmt sich Muds Schicksal sehr zu Herzen. Die zwei Freunde beschließen, Juniper und Mud zu einer gemeinsamen Flucht und damit zu einem glücklichen Ausgang Ihrer Liebe zu verhelfen.
Ich mag den Begriff “Coming-of-Age”, der das Genre dieses Films fachgerecht umschreiben würde, irgendwie nicht besonders. Er klingt so akademisch und unpassend. Denn zumeist geht es doch weniger um die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens, als vielmehr um das Schwelgen in Kindheitserinnerungen und den damit verbundenen Gefühlen. Gefühle, die man während der eigenen Jugend so intensiv erlebt hat, dass sie bis heute sehr gut konserviert wurden. Mud – Kein Ausweg ist natürlich auch ein bisschen Jugenddrama, aber Jeff Nichols spielt die Probleme und Widrigkeiten des Teenager-Alltags, die insbesondere der von der bevorstehenden Trennung seiner Eltern betroffene Ellis zu spüren bekommt, niemals zu stark in den Vordergrund. Ähnlich wie im Klassiker Die Goonies (1985) sind diese vielmehr der Antrieb für die beiden Freunde, sich Herausforderungen und Abenteuer jenseits ihres unmittelbaren sozialen Umfelds zu suchen, um so der dummen, unverständlichen Welt der Erwachsenen zu entfliehen.
Mud – Kein Ausweg ist aber auch ein Film über Freundschaft, Vertrauen sowie die süßen und vor allem bitteren Seiten der Liebe. Weniger philosophisch analysiert, eher mehr mit einem Augenzwinkern und viel Gespür für unaufgeregte und sehr authentisch wirkende Charakterzeichnungen, die durch tolle Leistungen des gesamten Darstellerensembles besonders zum Tragen kommen. Ellis und Neckbone sind wirklich zwei ganz erstaunliche und vor allem besonders gute Freunde, die den Zuschauer mit ihrem jugendlichen Idealismus und ihrem unerschrockenen und wenig berechnenden Handeln in ihre große kleine Welt ziehen. Ach ja, und dann sind da noch diese herrlichen Dialoge zweier pubertierender Jungs, die sich zwar manchmal naturgemäß etwas halbstark anhören, aber dennoch in diese Welt gehören und dazu beitragen, dass einem Ellis und Neckbone im Verlauf des Films ans Herz wachsen. Eine Kostprobe gefällig?
Neckbone: „Hast du ihre Titten berührt?“
Ellis: „Nur kurz.“
Neckbone: „Klasse Mann!“
Ellis: „Danke.“