kurz angerissen*
Michael Shannon lieferte in “Take Shelter” einen der ganz großen Auftritte seiner Karriere. Es hat die Wirkung einer Reprise, wenn Jeff Nichols ihn für sein Folgeprojekt in einem kleinen Cameo besetzt. Damit verknüpft er seine beiden Werke gewissermaßen und verspricht eine Wiederholung der nicht auf Anhieb ersichtlichen, sondern eher im Inneren aufwühlenden, nachdenklich machenden Qualitäten.
Diesmal ist der ohnehin seit 2011 im künstlerischen Aufwind befindliche Matthew McConaughey an der Reihe. Er dankt es seinem Regisseur mit einem einmal mehr denkwürdigen Figurenentwurf und einer unfassbaren Leinwandpräsenz, die wie ein Epizentrum auf die Filmhandlung einwirkt: Nichts, kein noch so unbedeutend wirkendes Ereignis in der Südstaaten-Kleinstadt kommt umhin, von der Gegenwart des mysteriösen Vagabunden Mud auf der abgelegenen Insel Notiz zu nehmen. Alles, wovon Nichols erzählt, hat mittelbar oder unmittelbar mit der zentralen Figur zu tun, die jedoch wie ein kauziger Nebendarsteller im Grün hockt und sich vor der Öffentlichkeit (und vor Screentime) versteckt.
Doch weiland der Regisseur im Zwielicht des Abends oder im ebenso zwielichtigen Tageslicht Mud und seinen Umkreis filmt, vergisst er nicht, den Kamerafokus immer wieder auf die Charaktere um Mud herum zu setzen, was auch zwei Jungdarsteller (Tye Sheridan, Jacob Lofland) betrifft. Diese sorgen für einen altmodischen Coming-Of-Age-Anstrich, wie man ihn aus einigen Spätachtziger- und Frühneunzigerfilmen kennt. Zwischen der Ausrichtung auf die epizentrische Hauptfigur und der dennoch höchst sorgfältigen Ausarbeitung aller anderen Charaktere gewinnt „Mud“ eine langfristige Substanz, die noch weit über Filmende hinaus präsent ist, als die Schüsse und die vielleicht allzu generische Aufregung der letzten Minuten wieder längst verhallt sind.
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