Review

White Trash sucht Liebe

In einer viel zu lauten, substanzlosen Welt & erst recht Filmlandschaft, ist jede durchdachte, emotionale & hübsche Indieperle willkommen & schnell gefeiert. Bei "Mud" ist das Lob von vielen Seiten auch absolut berechtigt - da solche Filme, durchzogen mit Melancholie & Mysterium, gerade aus den USA, immer rarer werden. Zuletzt war da "Cop Car", aber einige Zeit vorher eben "Mud" - beide finde ich absolut sehenswert. "Mud" ist wesentlich hübscher & anspruchsvoller, daher eher einem gehobenen Publikum zu empfehlen. Wenn ein Actionfan also per Zufall zu diesem Film in der letzten Videothek auf diesem Planeten greift, ist Enttäuschung vorprogrammiert. Aber da sich sowohl Regisseur als auch Hauptdarsteller mittlerweile einen Ruf für Filmgeniesser neben dem Mainstream aufgebaut haben, dürfte das zum Glück nicht allzu oft passieren.

Dabei ist McConaughey auch gar nicht wirklich der Hauptdarsteller, trotz Cover. Die Geschichte dreht sich viel mehr um zwei Teenagerjungs, die, auf einer ihrer Ausflüge durch das sumpfige Gebiet der Südstaaten, eben diesen Oscargewinner in einem Motorboot treffen, was in einer Baumkrone hängt. Und die zwei Jungdarsteller müssen sich hier anders als die Figur des verwahrlosten Mud vor niemandem verstecken - höchstens vor der ergebenen Kulisse, die lichtdurchflutet & gefühlvoll festgehalten wird. Ein teilweise intimer wie atemberaubender Film. Heutzutage eine absolute Erholung & Genuss für die Sinne. Zeitweise eine seltsame Mischung aus "Huckleberry Finn" & "Drive".

Durch die langen Einstellungen & langsame Erzählweise, geschieht manchmal lange Zeit nichts & wenn jemals das Wort Slowburner gepasst hat, dann hier. Geduld wird auf die Probe gestellt, mit Schönheit & glaubhaften Charaktern zurückgezahlt. Auch wenn ich mir noch ein paar mehr Höhepunkte wie die mitreißende Schiesserei gegen Ende gewünscht hätte. So bleibt meinerseits ein kleiner Beigeschmack, dass man den letzten Schritt zu einem Meisterwerk nicht ganz gehen konnte. Gerade bei so einer meisterhaften, ehrlichen Charakterzeichnung, durch die man bei jedem Schrotflintenschuss oder Schlangenbiss absolut am Sitzrand hängt, hätten sich weitere Höhepunkte ausgezahlt. Denn egal ob Halbstarker oder Flüchtling, egal ob erste Liebe oder Liebe des Lebens, egal ob Gangster oder Ex-Military - alles & jeder wirkt nahbar. Inklusive Mississippi & Südstaaten. Werbung für Film & Fauna. Und das universelle Hauptthema Liebe wirkt so frisch & wahrhaftig wie selten, wird fast schon aus zu vielen Blickwinkeln beleuchtet. Dem Film an sich wäre mehr Licht aber eindeutig zu gönnen!

Fazit: einfühlsam, ruhig, hypnotisch, irgendwo zwischen "Stand By Me" & "Down by Law" - allein schon wegen McConaughey sehenswert, aber da ist noch so viel mehr!

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