Limousine der unendlichen Möglichkeiten
Wir folgen (ähnlich wie in Cronenbergs „Cosmopolis“) einer Limousine durch Paris - und wie der Mann darin über den Tag verteilt immer wieder in neue Rollen schlüpft, die er den Tag über füllt. Klingt weird, kann durchaus anstrengend sein - ist im Endeffekt aber ganz nah an Genialität. Und großem Kinokommentar in Sachen Kreativität. Vielleicht kein „8 1/2“ - aber näher dran als man meinen könnte.
Die Räder die uns tragen,
die Sünden die uns plagen,
die Rollen mit den wir es wagen,
die Worte die wir uns nicht sagen.
Die Masken die wir tragen.
Die Geister die uns jagen.
Die Hater die verzagen.
Die Regisseure die überragen.
Das Loblied will ich klagen.
Zu viele Metaphern nicht aufladen.
Im Druck sitzen die Maden.
Auf noch nicht ausgetretenen Pfaden.
Mit zischenden Nadeln,
wie wild am Radeln.
Von rollenden Steinen und stummen Motoren,
hat sich dieses Stück Schaffenskino emporgehoben.
Voller Figuren aus Latex und Legierung,
weg muss man vom Erzählkino und seiner Fixierung.
Jede Sekunde gefüllt bis an den Rand,
ich war zugleich am Wegdösen und dennoch gebannt.
Carax Rückkehr, ein großer Wurf,
in Sachen Überraschung, Selbstreflexion und Kreativitätskino ein Profikurs.
Unser Leben als Bühne, unsere Qualen in Schönheit,
dennoch verständlich, dass ein solch intellektueller Brecher in nicht wenigen Kreisen verpönt bleibt.
Fazit: „Holy Motors“ ist Kunst und kann absolut nicht weg. Sperrig und spaßig in seiner Artsyfartsykeit. Dupieux in trockener und komplexer, theoretischer und klassischer. Eine surreale. Ode an das Kino und die ungeschliffensten Ideen in uns.