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Viktor Taransky, seines Zeichens Regisseur, versucht seit langem seine Filmkunst überzeugen zu lassen. Doch die Medien und Kritiker sind alles andere als zuvorkommend. Nun platzt auch noch fast seine aktuelle Produktion, da die Hauptdarstellerin abspringt. Er braucht einen neuen Star! Zufällig begegnet er einem Computerspezialisten, der seit geraumer ein Computerprogramm fertig hat: Simulation One. Das Programm soll Taransky ermöglichen, sich seinen eigenen digitalen Superstar zu erschaffen. Nach einigen Bedenken packt Viktor die Gunst am Schopf und kreiert "SimOne".
Was sich zu Beginn als Chance darreichte, wird schnell zu einem gewaltigen Öffentlichkeits-Problem, bei dem Viktor als Regisseur wieder leer ausgeht.

Ernuet erscheint ein Film von Andrew Niccol der nicht gelobt, sondern missachtet wird. Man erinnert sich irgendwie an die Zeiten von Gattaca. Womöglich liegt es auch daran, dass dieser Film eine Art "Abrechnung" mit Hollywood und dem Kleingeist darstellt.
Der Film stellt alles in Frage, was die Filmindustrie beschäftigt und umgibt. Seien es die profitstrebenden Produzenten und Studios, die extravaganten Wünsche und Bedingungen von einigen Darstellern, das "Mit-dem-Strom-Schwimmen" der blinden Masse oder das "Außerkraftsetzen" von Bürgerrechten durch die Medien. In allem steckt nicht nur ein Funke Warheit, sondern ein ganzer Haufen. Diese fantastische Geschichte balanciert auf einem schmalen Grat zwischen Realität und Fiktion, bedenkt man die heutige Nutzung alllermöglicher Digitaleffekte in Filmen und das enorme Franchise- und Merchandise-Potential. Die gesetzten Bedingungen für einen Film entscheiden an der Kinokasse über "Blockbuster" und "Flop", zeitgleich aber auch über "Mainstream" und "Kunst", was einfach nicht immer passen kann. Und auch die Presse ist alles andere als zurückhaltend, man zahlt sogar fünfstellige Beträge für pikante Fotos. Spätestens bei der Begeisterung der Massen über einen "Star", der offensichtlich alles verkörpert, was dem "Ich" widerstrebt, sollte man Parallelen zur Realität erkannt haben. Im Gegensatz zu einer Industrie, die die Massen beherrscht, ist hier nur ein Mann für eine weltweite Lüge verantwortlich. Was anfangs abwegig erscheint ergibt durchaus Sinn. Zunächst handelt es sich um eine Symbolfigur, die etwas "Größeres" wiederspiegelt, zum Anderen wäre eine große Masse nicht zum ersten Mal dem Wahn eines Mannes verfallen, treu dem Motto: Das Individuum ist intelligent, in der Masse geht es unter und ist dumm".
Mit diesem gut durchdachten Szenario vermittelt Niccol dem Zuschauer wirklich einen außergewöhnlichen Blickwinkel, der sowohl zum Schmunzeln, als auch zum Nachdenken bringt. Große Bilder fesseln von der ersten Sekunde an, perfekt abgestimmt mit visuellen Effekten und Farbfiltern und nicht zuletzt einer passenden, eindrucksvollen Filmmusik. Doch trotz dieser Geschichte und dem aktuellen Thema, handelt es sich um keinen reinen Kunstfilm. Der Unterhaltungswert ist gewaltig. Zu keiner Minute wirkt der Film zu lang und ist überrachenderweise leicht verdaulich.

Dies liegt nicht zuletzt an dem hervorragenden Schauspiel von Al Pacino. Seine Performance erinnert an den "alten Meister", der er noch vor Jahren in Filmen wie Scarface, Der Duft der Frauen oder Carlito's Way war. Seine Darstellung eines genialen Wahnsinnigen ist überzeugend und gar köstlich anzusehen. Man glaubt sofort, dass Pacino gar nicht spielt sondern so ist. Eine Leistung, die leider untergegangen ist.

"SimOne" bietet daher etliches. Ein wenig Sci-Fi, etwas märchenhaftes und doch ein Spiegelbild der heutigen Gesellschaft, vorallem im Hinblick auf die Traumfabrik. Wer Interesse an einem dieser Themen hat, ist mit Simone bestens bedient. Auf jeden Fall sollte man den Film gesehen haben, um sich eine Meinung zu bilden, ich war tadellos begeistert, daher volle Punktzahl!

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