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Der Alptraum eines jeden Regisseurs: Das aktuelle Projekt steht kurz vor seinem Drehschluss und plötzlich springt die Hauptdarstellerin, aus Zickigkeiten, in der letzten Minute ab und der Regisseur steht nahezu mit leeren Händen da, weil er seinen Film nun nicht zu Ende bringen kann. Ein grausamer und brutaler Tritt in den Hintern eines jeden Filmemachers. Wie wäre es da, wenn man sich seinen eigenen Star am Computer erschaffen könnte? Wenn ein virtueller Star die Herzen des Kinopublikums erobern könnte?. Unvorstellbar? Nicht in Andrew Niccols grandiosem, aber leider gefloppten, Kinomärchen "S1m0ne"!

"Simone" besitzt vor allem zwei Dinge, die den Film wirklich zu einem Geniestreich heranwachsen lassen. Hauptpunkt ist die tolle, fantasiereiche Geschichte, die wirklich großartig und größtenteils ohne Ecken und Kanten erfunden wurde. Im inneren der Story befinden sich viele tolle Ideen, die vielleicht schon in naher Zukunft Wirklichkeit werden könnten. Es geht hauptsächlich um den virtuellen Star Simone, die Anfangs nur als "Aushilfe" für einen abgesprungenen Star gedacht war und es im Laufe der Zeit sogar zur Oscar-Gewinnerin schafft.
Und um ihren Schöpfer, den wahnsinnigen, wie genialen Regisseur Viktor Taransky, der alle Hände voll zu tun hat, ihre wahre Identität zu verschleiern und schon bald die Kontrolle verliert. Wie nahe Wahnsinn und Genialität hier zusammen liegen, wird einem mehr als deutlich vor Augen geführt. Zwar kann man bei der gegebenen Geschichte nicht ganz auf Unlogikkeiten verzichten, zum Ende hin nehmen sie sogar etwas überhand, doch das kann man bei all dem Ideenreichtum hier locker verschmerzen.

Der zweite Punkt ist Hauptdarsteller Al Pacino, der hier eine Glanzleistung hinlegt, wie man sie schon lange nicht mehr von ihm gesehen hat. Als visionärer Regisseur, bei dem Wahnsinn und Genialität so nahe bei ein ander liegen, dass nicht einmal ein Blatt Papier dazwischen passen würde, ist er schier eine Wucht. Mit einer unglaublichen Intensität legt er sich hier in seine Rolle, das man nur mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzen kann. Wäre der Streifen nicht so stark gefloppt, dann wäre eine Oscar-Nominierung sicher drin gewesen.

Neben Story und Hauptdarsteller gibt es aber auch noch andere Punkte die allesamt gut zusammenpassen. Da wären z. Bsp. die vielen, teilweise, mächtigen Seitenhiebe auf alles mögliche, was die Traumfabrik Hollywood so zu bieten hat. Egal ob es nun irgend welche zickigen Stars sind, die Macht- und Geldgeilheit von Regisseur und Studios oder die skrupellose Presse, die den Promis keinerlei Luft zum atmen lassen. Alles wird auf eine überspitzte aber dennoch glaubwürdige Art und Weise aufs Korn genommen. Und natürlich darf auch nicht die Manipulation von Fernsehen und Film vergessen werden, die hier als erschreckende Perfektion dargestellt wird, die einfach nicht zu durchschauen ist, selbst wenn man es dem geifernden Publikum vor die Nase kotzt! Sind wir wirklich so manipulierbar, dass wir es nicht merken, wenn uns etwas vorgegaukelt wird?

Inszeniert wurde dieser glamouröse Seitenhieb ebenfalls auf Top-Niveau. Regisseur Niccol spielt hier z. Bsp. teilweise mit mächtigen visuellen Eindrücken, die er vor allem durch einige subherbe Farbfilter, aber auch durch einige nette Computer-Effekte zum Ausdruck bringt. In Sachen Kostüm und Ausstattung läßt er es seinen Darstellern so richtig gut gehen, genauso wie den Augen der Zuschauer. Dazu untermahlt er das ganze Geschehen mit einer fantastischen Musik, die dem Ganzen sogar eine gewisse Atmosphäre verschaffen kann. Hier steckt wirklich viel Mühe drin, damit es dem Zuschauer auch nie langweilig wird.

Fazit: Faszinierende und augenzwinkernde Zukunftsvision, mit vielen interessanten Ideen und bissiger Satire auf alles von A - Z in Hollywood. Eine zwar lückenbehaftete aber dennoch gut ausgedachte Story und ein genialer Hauptdarsteller, verbunden mit einer prachtvollen Inszenierung, lassen einen für gute zwei Stunden in einer erschreckend faszinierenden Zukunftsvision leben, die heutzutage, leider oder Gott sei Dank, gar nicht mal mehr so undenkbar ist. So macht Kino wirklich Spaß!

Wertung: 8/10

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