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"Familie ist der einzig wahre Wert."

Wenn sich Regisseur Tim Burton ("Sleepy Hollow", "Alice im Wunderland") und Schauspieler Johnny Depp ("Fluch der Karibik"-Reihe, "Sweeney Todd") zusammen tun, sind die Erwartungen stets hoch. In ihren sieben gemeinsam erarbeiteten Filmen sind die Charakteristika stets skurril, morbide, düster, märchenhaft und eigenwillig. Auch in ihrer achten Zusammenarbeit finden sich diese Adjektive wieder. Die Adaption der langlebigen Gothic Soap Opera aus den 60er/70er Jahren krankt allerdings an einer holprigen Erzählweise sowie verschwendeten Figuren und zieht seine Moral nicht bis zum Ende durch.

Die Familie Collins hat im Jahre 1752 einen wohlhabenden Status, durch einen florierenden Fischereibetrieb. Barnabas (Johnny Depp), der Sohn des Hauses, ist daher ein begehrter Junggeselle. Durch seine kurzen Affären lenkt er allerdings den Zorn der Hexe Angelique Bouchard (Eva Green) auf sich, die ihn ganz für sich allein haben will. Kurzerhand ermordet sie seine Eltern, stürzt seine Geliebte Josette DuPres (Bella Heathcote) von einer Klippe in den Tod und belegt ihn mit einem Fluch, sodass er sich in einen Vampir verwandelt und von einigen Dorfbewohnern lebendig begraben wird.
Knapp 200 Jahre später wird er von einigen Bauarbeitern befreit. In den nunmehr 70er Jahren des 20. Jahrhunderts ist sein Vermächtnis durch die immer noch lebende Hexe Angelique herunter gewirtschaftet worden. Mit seinen Nachfahren, der strengen Schlossherrin Elizabeth (Michelle Pfeiffer), ihrem Bruder Roger (Jonny Lee Miller), der rebellischen Tochter Carolyn (Chloë Moretz), Roger's Sohn David (Gulliver McGrath) sowie den illustren Angestellten Willie Loomis (Jackie Earle Haley), Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) und Victoria Winters (Bella Heathcote), die Barnabas' einstiger Liebe Josette zum Verwechseln ähnlich sieht, muss er sich zunächst genauso neu anfreunden wie mit den merkwürdigen Begebenheiten des hippigen Jahrzehnts.

"Dark Shadows" lässt sich zunächst am ehesten mit "Die Addams Family" vergleichen. So wie auch dort werden Monster, Vampire und andere schaurige Gestalten verrückt und sympathisch in einer familiären Umgebung präsentiert.
Erzählt wird eine Geschichte um Liebe, verletzte Gefühle und Rachsucht, die allerdings nicht so richtig greift. Immer wieder setzt die Gruselkomödie an lose platzierten Punkten an, zieht in Form von Szenen und Sequenzen einen langen Faden daraus hervor und lässt ihn baumeln, um zum nächsten Punkt weiterzuspringen. So werden viele kleine Nebenhandlungen angerissen und nicht zu Ende geführt, manche Charaktere mal mehr in den Vordergrund gesetzt, dann aber wieder verschwinden lassen.

Gerade für diese ist es etwas tragisch, erweisen sie sich doch als urkomisch erdacht. Der raunzige Hausmeister Willie Loomis, die Matriarchin Elizabeth Collins Stoddard, ihre aufmüpfige Teenie-Tochter Carolyn, ihr verschlagener Bruder Roger, dessen traumatisierter Sohn David und seine dauerbesoffene Psychiaterin Dr. Julia Hoffman, all diese Figuren geben ein enorm schräges Potential zur Interaktion untereinander her. Während des ganzen Films dienen sie aber nur als Randfiguren bis hin zu überflüssigen Statisten. Sie machen Platz für Victoria Winters, die aber wiederum, nach der Erweckung von Depp als Vampir, weichen muss.
Der größere dramaturgische Überbau deutet sich in zwei miteinander verbundenen Richtungen an: Da ist der Wiederaufbau des Familienbetriebes und natürlich die Auseinandersetzung mit der immer noch sehr aktiven Angelique Bouchard, die sich wunderbare Kontrahentin zu Barnabas erweist. So erweisen sich die Szenen in denen die Hexe und der Vampir um Geld und Liebe balzen als die effektivsten, während der restliche Teil durch clevere Dialoge mal mehr mal weniger erheitert.

Auch wenn die Handlung nicht sonderlich mitreißen kann, so ist zumindest die Kulisse und Ausstattung einmal mehr ganz Tim Burton's hervorragenden Stil zuzuordnen. Gotische Schlossgemäuer, kunstvolle Kleider und ein düsterer Look prallen hier auf eine kunterbunte Welt der hippigen 70er, die sich neben der Optik auch in diversen Songs des Jahrzehnts äußert.

Dank eines vielseitig ausdrucksstarken Johnny Depp und dem berstenden Sex Appeal von Eva Green ("James Bond 007: Casino Royale", "Königreich der Himmel") bietet "Dark Shadows" auch neben der audiovisuellen Faszination noch ein paar Höhen. Die Darsteller erweisen sich durchgehend als spielfreudig. So bleiben neben den beiden genannten Schauspielern auch die erneut sensationell rebellische Chloë Moretz ("Let Me In", "Kick-Ass"), die obligatorische Helena Bonham Carter ("Fight Club", "Harry Potter"-Reihe) und die durch ihre Knopfaugen an ein Püppchen anmutende Bella Heathcote ("In Time") hängen.
Amüsant sind die Kurzauftritte von Dracula-Legende Christopher Lee ("Herr der Ringe"-Reihe, "Star Wars"-Reihe) und Altrocker Alice Cooper. Die Möglichkeiten von Michelle Pfeiffer ("Der Sternwanderer", "Batmans Rückkehr"), Jonny Lee Miller ("Mindhunters"), Jackie Earle Haley ("Watchmen") und Gulliver McGrath allerdings werden verschwendet.

Zwischen Witz und Ernsthaftigkeit findet "Dark Shadows" keinen Stand, soviel steht fest. Eine Richtung gibt die Gruselkomödie nie vor, gerade da die Handlung bröckelt und kaum etwas bietet. Ganz im Gegensatz zu den hervorragenden Darstellern und der wunderbar kontroversen düster-grellen Präsentation, die für den meisten Humor sorgt. Genau genommen hätte der Film allerdings bereinigt sicher nur Dreiviertel seiner Laufzeit benötigt. Und das kitschige Finale ...

6 / 10

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