Review

Mit der literarischen Vorlage hat der Film nicht viel am Hut, nur rudimentär greift er auf bekannte Ereignisse zurück. Doch funktionierten die vielen Neuerungen dieser für Kinder untauglichen Version (für mich) überraschend gut. Spielfilmdebütant Rupert Sanders liefert ein visuell ansprechendes, düsteres Fantasymärchen ab, das optisch zu überzeugen vermag. Fröhlich am Kontrastregler gedreht, zeichnet das Werk ein Bild eines verödeten und verwelkten Königreichs, das an seiner Herrscherin zugrunde geht, welche sogar mal eine kleine Hintergrundgeschichte auf den Leib geschneidert bekommt.
Auf eine kitschige Romanze wurde zum Glück verzichtet; es wird angedeutet, Konflikte brodeln im Stillen, eine Lösung wird nicht präsentiert. Sanders Version konzentriert sich mehr auf die Bilder und den Unterhaltungswert, opfert eine mögliche Leichtigkeit zugunsten einer ernsten Grundstimmung. Trotzdem war das kurzzeitige Abrutschen in den Disney-Kitsch wohl nicht vermeidbar.

Es hapert eher an anderen Ecken. So bleiben die Figuren größtenteils eindimensional und einige der (trotz allem schön gefilmten) Szenen scheinen direkt aus "Die Gefährten" der Ring-Trilogie entliehen zu sein. Weiterhin wurde bei der Wahl der Darsteller/Innen nicht immer ein glückliches Händchen bewisen. Chris Hemsworth macht dabei in seiner tumben Art noch eine ganz gute Figur und Charlize Theron ist als Ravenna das darstellerische Highlight; die Rolle der Bösewichtin steht ihr ausgezeichnet. Kristen Stewart hingegen stakst wie zugedröhnt durch die Pampa und hat die Ausstrahlung einer halbvollen Dose Ravioli. Was jetzt aber auch keine wirklich neue Erkenntnis ist. Leider zieht es den Film aber einfach runter, wenn die Hauptdarstellerin / Titelheldin ein uncharismatischer Pfeifendeckel ist.
Der Rest spielt ohne Ausfälle und in der illustren und sympathischen Zwergentruppe finden sich u. a. Bob Hoskins, Brendan Gleeson und Ian McShane wieder.

Retten können sie den Besetzungsirrtum nicht, doch halten die vielen, ansprechend bebilderten Actionsequenzen bei Laune und versuchen sich auch mal an einer epischen Inszenierung, unterstützt von der gefälligen Musik aus der Feder von James Newton Howard.

Rupert Sanders (sehr freie) Interpretation des bekannten Stoffs ist eine größtenteils gelungene Angelegenheit und kann, was die Präsentation angeht, punkten. Ebenso eindrucksvoll ist mal wieder Charlize Theron, ebenso ausdruckslos ist mal wieder Kristen Stewart. Hat trotzdem Spaß gemacht.

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