2009 sorgten die beiden Drehbuchautoren von "SAW IV - VII" - Marcus Dunston und Patrick Melton - für einen Überraschungserfolg, als sie den Fans des Torture-Porns mit "The Collector" einen blutigen Schocker um einen mysteriösen Killer bescherten.
Die Handlung dieses hundsgemeinen und spannenden Thrillers war so abwegig wie genial:
"The Collector", ein eiskalt kalkulierender Killer, sucht sich seine Opfer in deren eigenen vier Wänden, errichtet dort tödliche Fallen und weidet sich an den Qualen derer, die darin grausam zu Tode kommen. Arkin, ein ehemaliger Einbrecher, der sich aus Liebe zu seiner Familie zu einem letzten Coup überreden lässt, bricht genau in das Haus ein, dass der schweigsame Killer zu einer einzigen tödlichen Falle umgewandelt hat. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt, dessen offenes Ende eine Fortsetzung erhoffen ließ, auf die die Fans drei Jahre warten mussten.
Ein Blick auf die Story genügt und jedem Fan dürfte klar sein, dass sich das Autoren/Regie-Duo ganz klar an dem "SAW"-Franchise orientiert hatte, dass es mit vier geschriebenen Fortsetzungen zu einer der erfolgreichsten Horrorreihen aller Zeiten gedeihen ließ.
Und während "The Collector" trotz des unverkennbaren Vorbilds noch einfallsreich und originell daher kam, wirkt die Fortsetzung nur noch wie ein auf Teufel komm raus lustlos zusammen geschustertes Flickwerk, dass weder der Pate stehenden "SAW"-Reihe noch dem ersten Teil gerecht wird.
Bedenkt man, mit wie vielen Ideen Dunston und Melton "SAW" immer und immer wieder um ein neues Puzzlestück erweiterten, neue Handlungsmuster zur altbekannten Story hinzu fügten und ausgefeilte Szenarien erschufen, so fragt man sich, ob den beiden tatsächlich die Ideen ausgegangen sind.
"The Collector II" ist im Bereich des professionellen Torture-Porn wahrscheinlich eines der schlechtesten und langweiligsten Werke, die ich bislang gesehen habe, vor allem wenn man bedenkt, dass ein vernünftiges Budget zur Verfügung stand und Drehbuch und Regie im Verantwortungsbereich versierter Macher aus dem "SAW"-Franchise lag.
Und wenn ein Film unter solchen Voraussetzungen so miserabel in Szene gesetzt wird, darf man sich auch nicht wundern, wenn man vor lauter Desinteresse und Langeweile beginnt die Logiklöcher, Unwahrscheinlichkeiten und Unglaubwürdigkeiten des Drehbuchs zu zählen.
Allein die Anfangssequenz im Techno-Club ist an Unsinn kaum zu überbieten - würde aber kaum ins Gewicht fallen, wenn der Film an sich auch nur ansatzweise unterhaltsam wäre.
Da kann eine komplette Partygesellschaft zerhäckselt und zerquetscht werden und der Rest des Cast zerstückelt, durchbohrt und enthauptet - es prallt einfach ab, da es selbstszweckhaft und als Füllwerk in eine lustlos inszenierte Handlung integriert wurde, die es nicht schafft, den Zuschauer in irgendeiner Weise an das Geschehen zu binden, zu packen und zu schockieren - geschweige denn zu unterhalten.
Das minimale Handlungsgerüst ist noch halbwegs nachvollziehbar - dient aber nur für eine Verknüpfung von altbekannten und wenig originellen Splatterszenarien zwischen dumpfen Dialogphrasen. Das Blut spritzt in rauhen Mengen, das erweiterte Szenario innerhalb eines alten Hotelkomplexes erinnert genauso wie der Score an "SAW" - kein Wunder, denn Charlie Clouser hat seine eingängigen Kompositionen nur minimal variiert. Der Schnitt von Kevin Greutert - ebenfalls aus der "SAW"-Crew" - lässt Tempo und Dynamik vermissen.
Es ist kaum zu glauben, dass bei so viel Potential ein so mieser Schund heraus gekommen ist, der trotz der kurzen Laufzeit erhebliche Längen aufweist, dass man schon nach der ersten halben Stunde das Ende herbei sehnt.
Das Motiv des Killers bleibt genauso im Unklaren wie bereits im ersten Teil und seine Figur wird nicht weiter entwickelt, so dass sich das Interesse an dem schweigsamen "Collector" ebenso verliert wie an dem Rest des Films, dem es an Atmosphäre, Thrill und gelungenen Schocks mangelt.
Die Kills und der Bodycount sind vorhersehbar, die Fallen bieten kaum Überraschungen, die Effekte beschränken sich lediglich darauf, dass spitze Gegenstände sich in Körper bohren. Und selbst in dieser Hinsicht kann das Werk weder mit Originalität noch mit Schockwirkung überzeugen. Der Film ist auf ganzer Linie misslungen und reisst das Publikum in keinster Weise mit - im Gegenteil: der Zuschauer ist allenfalls darüber schockiert, wie nach einem starken ersten Teil eine Fortsetzung so miserabel werden kann.
"The Collection" hat einfach keine klare Linie. Es wirkt, als wollten Dunston/Melton den ultimativen Serienkiller erschaffen und beuteten dafür "SAW" und sämtliche "Criminal Minds"-Episoden aus. Sie schusterten sich einen Killer zusammen, der seiner eigenen Vorgehensweise aus dem ersten Teil widerspricht: die Todesfallen stehen klar im Vordergrund, aber in der Fortsetzung hat sich der "Collector" zu einer Art "Frankenstein" entwickelt, der sich in seinem bizarren Museum eine beträchtliche Sammlung hält, die an Gunter von Hagens "Körperwelten" erinnert. Das entspricht in keinster Weise dem Vorgehen aus dem ersten Teil, rechtfertigt aber zumindest den Titel des Films.
Und wenn das alles noch nicht genug wäre, tritt der "Collector" in einer der dümmsten Szenen überhaupt als "Rambo"-Karrikatur an und schießt mit einem Maschinengewehr auf alles, was sich bewegt. Es ist schon mehr als peinlich, wie man seinen eigene Idee zu einer unfreiwillig komischen Parodie verkommen lassen kann, die keinerlei Empfindungen beim Zuschauer verursacht als Wut und Ohnmacht.
Lediglich das Finale ist spannend und packend inszeniert - leider sind es nur knapp zehn Minuten, die qualitativ dem ersten Teil gerecht werden, aber auch nicht den Schaden vergessen lassen, den Dunston/Melton in den ersten 70 Minuten angerichtet haben.
"The Collection" - ein Film, den man sicherlich nicht in seiner Sammlung haben muss!