Wenn man sich irgendwann im Leben dafür entschieden hat, das Hobby "Filme anschauen und rezensieren" sein Eigen zu nennen, kommt man manchmal nicht drum herum, sich Filme anzusehen, wo man im Vorfeld schon weiß, dass das nichts werden kann und man trotzdem die Marotte hat, sich den Film der Filme anzusehen.
Unter diese Nische passt auch der neuste Krekel-Film, und ich muss vorsichtig sein. Denn ich weiß: Der Feind liest mit. Also schreiben wir die Filmkritik mal so nett wie es geht, um keine Post vom Anwalt zu bekommen:
Zur Story, die 120 Minuten Stoff für einen Leichenschmaus bietet: Robin Hood (Martin Thon), die alte Pflaume, rettet Marian (Ramona Kuen) vor tollkühnen Handlangern, die gemeinsam den Plan beschließen: Ach lass uns mal den Sheriff von Nottingham (Tom Savini am Tiefpunkt seiner Karriere) ausrauben. So macht sich R. Hood mit seinen Mannen auf zum Schloss - und seine Mannschaft wird komplett weggemetzelt. Meine Fresse, ich habe schon so viele Robin Hood-Filme gesehen,aber noch niemals hat einer das Denkmal geschändet, und Charaktere wie Will Scarlett (Dennis Zachmann) oder Bruder Tuck (Kai Borchardt) gekillt.
Aber das spielt alles keine Rolle - denn eine Hexe (Anika Neubauer) läuft im Wald rum und hat neben LSD auch noch wertvolle Zaubertränke zu verkaufen. Tränke des Todes, aber auch Tränke, die Toten wieder das Leben schenkt und somit nutzt Robin Paypal und erweckt seine verreckten Freunde wieder zum Leben.
Doch damit nicht genug: Robin bläst zur neuen Attacke: Und scheitert wieder vergebens. Doch diesmal sind neben den Angreifern auch das ganze Walddorf ausgerottet, in dem Robby gerne mal einen Kebap verzehrt hat.
Übrig geblieben sind lediglich Maid Marian und Little John (Kane Hodder, der nach gefühlten 320 Minuten endlich ins Geschehen eingreift), die beschließen, die Hexe aufzusuchen und ohne Paypal an die Getränke ranzukommen. Dies gelingt auch den Holden, jedoch verabreichen sie den Toten das falsche Elixier, dass aus Toten anstatt Lebenden mit Gehirnfunktion leider menschenfleischfressende Zombies werden...
Ich ging an diesen Film ohne Vorurteile ran, schließlich wurden ja namhafte Legenden wie Kane Hodder, Tom Savini oder auch Claude Oliver Rudolph in diesem Film irgendwie untergebracht, die man ja auch nicht für lau bekommt. Dennoch sollte ich vielleicht meinen Geisteszustand beschreiben: Alkohol: 0,0 Promille - Check - Drogen: Keine im Blut - Check - Medikamente: No Way.
Also mit vollem Bewusstsein ging ich an diesen Film heran.
Und schon die Anfangssequenz, die wohl der längste Vorspann der Filmgeschichte werden sollte, lies mich schon zweifeln. Also man zeigt einen Bach, ballert alle Namen rein (die eigentlich immer nur im Abspann stehen), und schon ist man auf sechs Minuten Nettolaufzeit. Dass die Dixie-Klos oder der Kostüm-Verleih nicht genannt wurden, wunderte mich also. Hauptsache man konnte den Namen Krekel ca. zehnmal im Vorspann lesen.
Naja, nachdem man diese Schrift überstanden hat, geht es mit einem harten Schwerterkampf weiter. Obwohl dieser Film nicht den Look eines Amateur-Movies hat, erkennt man direkt, dass bei den Kämpfen keine Schauspieler am Werk waren, sondern Menschen, die auf die Ritter-Schiene abfahren und einen Steifen bekommen, sobald sie die Strumpfhosen anhaben: Die Kämpfe sind äußerst bedürftig choreographiert und man sieht den Schauspielern an, dass sie sich lediglich auf das Hick-Hack mit den Schwertern konzentrieren und keinen Augenblick damit verschwenden, ob das Ganze auch authentisch wirkt.
Ich war zwar noch nie auf einem Ritter-Festival, aber genau so stelle ich mir Amateure vor, die mit dicken Eiern Schwertkämpfe austragen.
So, nach diesem Anfangsschicksal, das auch einiges an eher harmlosen (aber immerhin ganz brauchbaren) Gore-Einlagen bietet, geht es mit der nicht vorhandenen Story weiter: Maid Marian und Robin labern sich fast tot und man merkt, dass Krekel hier nicht viel Wert legt einen auf Splatter zu machen oder detailgetreu eine abgewandelte Geschichte des edelmütigen Rächers erzählen will. Es blitzen sogar (nüchtern gesehen) einige gute Ansätze durch, wie beispielsweise, dass Robin Hood voll die Krücke ist, was das Bogenschießen anbelangt und erst diese Fähigkeiten erlernt, als er einen Red Bull-Mix der Hexe trinkt. Das ist nicht schlecht und ich denke, bei min. 2 Promille kann man darüber lachen.
Doch es wird sich nahezu weiter und weiter in jeder Szene totdiskutiert, warum das alles so ist und so weiter - so wundert mich im Endeffekt auch nicht die historische Nettolaufzeit.
Dabei bin ich fast eingepennt, denn bei solchen laienhaften Darstellern (allen voran Ramona Kuen als Marian) kann man den Film nicht genießen. Nun gut, hier und da gibt es einen Fortschritt in der Story zu verbuchen, aber es wird sich wie gesagt, immer totgelabert und erstickt den Handlungsfaden mit den Dialogkeulen im Keim. Dass die Hexe nur wirres Zeug labert und scheinbar mit Kot im Gesicht eingerieben wurde (schließlich muss sie ja böse wirken) stört da nichtmals sonderlich.
So, im Nachhinein kann man diesen Film als "Komödie" mit Hang zum absoluten Trash abtun, denn ich kann es durchaus verstehen, dass man mit zwei Minuten Schnitten eine FSK12 daraus zaubert. Mehr als zwei "grausame" Minuten hat man auch nicht zu bieten.
Ein kleines Licht am Ende des Tunnel bietet sich an, als endlich Little John (nochmals: Kane Hodder) mitspielt - da kommt wirklich etwas Feeling im Trash-Bereich auf.
Aber letzendlich kann dieser Film nicht überzeugen, da er a) zu lange geht mit seinen Endlosdiskussionen und b) er eine Geschichte erzählt, die zum Mäuse melken ist. Die Zombie-Schiene ist dann noch wirklich das allerletzte, was dieser Film gebrauchen kann.
"Robin Hood - Ghosts of Sherwood" ist so daneben, dass ich mich wirklich frage, ob das Teil wirklich im Kino gelaufen ist.
Dennoch vergebe ich nicht die Tiefstpunktzahl, denn zum einen sind Krekel gute Ideen eingefallen (wie mit dem Bogen schießen), zum anderen ist der Typ, der den OST komponiert hat, wirklich weiterzuempfehlen. Kein Genie, aber es hört sich nicht nach Amateur-Klavier an und lässt die 120 Minuten erträglicher wirken.
Also, wer mal frei hat, einen Kasten Bier vor dem Film trinkt, dürfte ein Trash-Festival erwarten und abfeiern - jedoch ohne Gewähr.
Und @ Krekel: Nimm es mir nicht übel. Meine Frau schreibt keine Kritiken, hätte aber eine Kurzkritik für diesen Film: "Scheiße hoch zehn. 0 von 10 Punkten" (mit anschließendem einmonatigem Sexverbot).
Aber ich gib Dir immerhin zwei Points, denn alleine für die Zeit um das Jahr 2000 hast Du Dir mit Deinen Veröffentlichungen einen Orden verdient.
Nix, für ungut, aber der Film ist kacke.
2/10