Eigentlich gibt es ja schon zu viele Robin-Hood-Verfilmungen (53 Filme), so dass jede weitere bei mir einen schweren Stand hat, denn was kann nach Douglas Fairbanks großem Stummfilm (1922), Errol Flynns charmanten Auftritt (1938), Hammers drei zünftigen Ritterfilmen (1954, 1960, 1967), Gemmas feurigem Pfeil der Rache (1970), Connerys derbe Posse (1976), Kevin Constners grandiosen Blockbuster (1991), Ridley Scotts realistisch-hartem Russel Crowe Historiendrama (2010) und dem Actiongewirbel (2018) moderner Machart noch kommen?
Erstaunlicher Weise hat der deutsche Amateurfilm Robin Hood - Ghosts of Sherwood noch was Erfrischendes zu dem Thema beizutragen. Gleich vorab: Die Highlights kann er nicht toppen, aber einige aus dem Mittelfeld schon hinter sich lassen.
Was ist die Stärke dieses Films, der mit einem Budget von 200.000 € (unter Profi-Filmen ist das sehr wenig, für Amateurfilme schon extrem hoch) verwirklicht wurde?
Die Dialoge und die interessant geknüpfte Geschichte
Durch die meisten deutschen Amateurfilme quält man sich dialogtechnisch durch und hört hauptsächlich sinnfreies Zeug, welches die Handlung nicht sehr voran bringt. Anders hier bei Ghosts of Sherwood: Man erfährt durch die Dialoge immer wieder Neues über die Motivation, die Pläne und die Zaubertricks - und gerade die Funktionsweise der sehr vielen Zaubersachen wird hervorragend anschaulich erklärt und diese werden dann auch in Mengen eingesetzt - teilweise mit Lichteffekten wie zu den schönsten 80er-Jahre-B-Picture-Zeiten, teilweise mit Explosionen (herrliche Idee die Zombies mit explodierenden Steinen zu sprengen). Diese aparten Effekte sind so zahlreich, daß man dabei kaum zu den Bluteffekten kommt, für die deutsche Laienkost ja berühmt ist. Es gibt einige kurze bluttriefende Effekte (jedenfalls mehr als bei den Hollywood-Filmen), aber die sind gemessen am üblichen Splattergedöns heimischer Kost nur in angemessen niedrigen Zahlen gehalten.
Eine kleine Schwäche könnte sein: Als man am Ende denkt Jetzt wird es rund gehen und die Ritter werden mit Hieb- und Stichwaffen die Zombies dezimieren, ist der Film zuende. Dazu kommt es nicht mehr. Dafür gibt es aber einen sehr pfiffigen Abspann, der die zukünftige Entwicklung zeigt.
Außer guten Kostümen, akzeptablen Kämpfen und netten Effekten ragen eben die äußerst interessant gewählten Dialoge heraus. Es kommt keinerlei Langeweile auf - und das mach knapp 2 Stunden mal nach...
Einige dramaturgische Wendungen und eine nicht berechenbare Handlung geben weitere Pluspunkte.
Übrigens: Erwartet den Horror nicht zu früh. Erst im letzten Dritten kommt der auf. Davor ist ein ein Mittelalterabenteuer gepflegter Art.
Die Schauspieler sind Mittelmaß, d.h. nicht schlecht, aber auch keine Offenbarung an Kunst. Sicher sind die oben aufgelisteten internationalen Filme besser gespielt, aber es ist bei Ghosts of Sherwood keine Leistung dazwischen, wegen der ich mich mit Grauen abwenden müsste. Ihre (Snychron)-Stimmen sind so gut wie von jedem teuren Mainstream-Film auch.
Die Musik ist super. Sie spielt fast die ganze Zeit und sorgt ebenfalls dafür, dass es nie langweilig wird. Musikalisch kann der Film mit dem genialen 1991er mit Costner mithalten und das ist enorm!
Da wir bei Vergleichen sind, hier die Einstufung von Robin Hood - Ghosts of Sherwood:
Von der Handlung, den Dialogen und den Ideen her ist er besser als der Connery-Film von 1976.
In dem mittelprächtigen Kämpfen liegt er knapp hinter den Hammer-Filmen.
Der Stil ist besser als bei dem teuren Actionfilm von 2018.
Die Spannung ist höher als bei Flynns 1938er Hit, auch wenn dort natürlich um Dimensionen bessere Schauspielleistungen gezeigt werden.
Die Musik ist besser als bei 47 der 52 anderen Robin-Hood-Filme. Allerdings sind die großen von 1991 und 2010 noch ne ganze Schippe besser als dieser deutsche Film - musikalisch und dramaturgisch.
Die Kameraführung ist okay. Da kann ich gut mit leben. Natürlich ist sie zwei Stufen schlechter als bei den großen Hollywood-Robin-Hoods und wackelt ganz wenig an seltenen Stellen.
Fazit:
Die IMDb-Wertung von 1,8 (bzw. ungewichtet 2,3) ist eine Sauerei. Wenn man bedenkt was für eine einfallsloser 08/15-Schrott dort schon 5,0 bekommt....da müssen sich Krekel-Hasser wohl richtig ausgetobt haben.
Ich gebe
8,5 / 10
Aber um auszugleichen, dass so viele nicht objektiv bewerten, wenn sie den Namen des Regisseurs lesen, gebe ich 9/10 ein.
Übrigens: Ich schulde ihm keinerlei Gefallen und hätte ihm knüppelhart ne miese Note reingewürgt, wenn der Film schlecht wäre, aber das ist er nicht.