Darren Lynn Bousman ist ja ein ganz produktives Kerlchen im Horrorbereich, seit er sich mit den Saw-Teilen 2-4 einen Namen gemacht hat und seitdem seiner ganz persönlichen Vorliebe fröhnt, Horror und Musicalelemente filmisch miteinander zu verbinden. Letzteres sieht dann immer ganz reizvoll und erfrischend fremdartig aus, leidet aber meistens an der musikalischen Beliebigkeit und der fehlenden Beziehung zu mehr als einem Nischenpublikum des Horrorfandoms, deren Käufe allein nicht ausreichen, um immer weitere Filme zu finanzieren.
Also muss zwischendurch mal der Brotjob her und man kann sich kleineren DTD-Projekten widmen, die leider nicht immer ganz ausgegoren ausfallen: „Mother’s Day“ kam noch passabel bei Kritik und Publikum weg, „11-11-11“ war ein ganz ausgelutschtes Bonbon!
Aus dieser leicht kreativen Talsohle stammt auch „The Barrens“, der bei uns dann sicherheitshalber gleich „Jersey Devil“ genannt wurde, nach dem mystischen Viech, dass den Weg in den Streifen gefunden hat.
Von einer Gurke will ich dabei aber nicht sprechen, vielmehr leidet das Werk ein wenig an hastiger Konzeption, bei der man vieles zusammen geschmissen hat, was sich nicht zu einem Teig glatt rühren ließ.
Im Topf befindet sich die typisch dysfunktionale Patchworkfamilie mit zwei Kindern aus zwei Ehen (erste Frau bereits verstorben, zweite Frau zweifelt auch bereits), der forcierte Campingurlaub mit der Brechstange, die fiesen kleinen Unebenheiten contra Erwartungshaltung, viele Morde im Wildgebiet (das eben in New Jersey sein soll, es aber offenbar nicht ist) und eine Monsterlegende, die man hier mal lässig auf eine Satanisten/Hexen-Ebene à la „Blair Witch“ aufgeblasen hat.
Dazu kommt, dass Daddy, von Beginn an kaum zu halten, zunehmend den Eindruck macht, als litte er an akuter Bregenerweichung, was dann mit zunehmender Enthüllung der Begleitumstände immer deutlicher wird. Das führt dann auch zur zentralen Frage, ob wirklich ein Monstrum meuchelnd im Wald umher geht oder sich Daddy das alles nur einbildet. Zwar wirft man schon vorher mit toten Touristen und vielen toten Tieren um sich, aber das könnte ja auch ein reales Tier gewesen sein.
Dumm nur, dass das Skript mit dem Holzhammer auf das hinweist, was mit Stephen Moyer (als Dad) los ist, so dass am Ende natürlich eine ganz bestimmte Pointe um die Ecke kommen muss, was dann auch maximal noch mit einem erleichterten Seufzer wahrgenommen wird.
Bis dahin nerven die wenig ausgefuchsten Charaktere reihum: Moyer grimassiert sich im Jack-Nicholson-Gedächtnis-Modus einen Wolf, während man ständig darauf wartet, dass Mia Kirshner ihm endlich mal das Letzte zuerst erzählt. Dazu kommt noch eine Teenagertochter und ein Minisohn, die beide das Schauspielern nicht erfunden haben, sich aber gegen Dad nie durchsetzen können.
Dazu gibt es viel Kameraflackern und delirische Jumpcuts, bis der Effekt zur Filmmitte schon entwertet ist.
Würden die Figuren nicht so nerven, hätte man mit der Alone-in-the-Woods-Paranoia vielleicht etwas mehr Spaß, aber Bousman gerät sein Drama zu aufdringlich und damit irgendwann ziemlich stressig.
Bonuspunkte vielleicht für die gewisse Radikalität des Endes, das man dann offenbar in vorauseilendem Gehorsam im Nachspann etwas abgemildert hat. Weder aus der Legende noch aus dem Setting kann man Entscheidendes destillieren, das ist dann schon ein wenig schade.
Vielleicht hätte es der Regisseur bei der ersten Schnittfassung belassen sollen – 81 Minuten reichen für den Plot – die Viertelstunde extra macht das Erlebte eher frustrierend. (4/10)