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Sacha Baron Cohen, der mit „Borat“ endgültig seinen Ruf als tabubrechender Komiker erlangte, tendiert mittlerweile ein wenig in Richtung Hollywoods Mainstream und liefert statt einer bissigen Satire über die aktuelle Weltpolitik schon fast so etwas wie eine harmlose Liebeskomödie.

Dabei hat seine Figur General Aladeen des fiktiven nordafrikanischen Staates Wadiya in vielerlei Hinsicht enormes Potential. Als der Diktator nach New York kommt, um sich für sein Uranprogramm zu rechtfertigen, wird er kurzerhand entführt und vom Doppelgänger eines Ziegenhirten ersetzt. Als er über Umwege die Menschenrechtsaktivistin Zoey (Anna Faris) kennen lernt, eröffnen sich ihm plötzlich ganz neue Perspektiven, doch die Verhinderung der Unterzeichnung eines demokratischen Vertrages bekommt er nicht aus dem Kopf…

Erneut führte Larry Charles Regie, mit dem Cohen bereits „Borat“ und „Brüno“ verwirklichte. Nur fehlen die Mockumentary-Momente, die Konfrontationen mit realen Passanten gänzlich, wodurch sämtliche archaischen Schübe einem fast schon zahmen Drehbuch weichen, welches direkt von vier Autoren verfasst wurde. So schwankt die Art des Humors zwischen seichten politischen Anspielungen, plumper Situationskomik, plattem Fäkalhumor und ein paar gnadenlos politisch unkorrekten Aussagen, von denen beileibe nicht alle zünden, zuweilen sogar zu arg unter die Gürtellinie zielen.

Immerhin legt die Erzählung ein enormes Tempo vor und schleudert eine Menge Gags in die Runde, was den Unterhaltungswert konstant passabel erscheinen lässt. Zwar kommt die flache Story ohne Überraschungen aus und bleibt bis zuletzt reichlich vorhersehbar, doch die Gastauftritte einiger Leute wie Edward Norton, Megan Fox oder John C. Reilly kaschieren für manches Manko des doch etwas zusammengeschustert wirkenden Drehbuchs, welches sich ohne mit der Wimper zu zucken einiger Gags aus der „Nackte Kanone“ - Reihe bedient.

Gut ist der „Diktator“ immer dann, wenn er seine satirischen Tendenzen andeutet, etwa, als Aladeen bei einem öffentlichen Statement dem US-System den Spiegel vorhält oder Folterwerkzeuge eines zeitgenössischen Amerikaners niedermacht und dem dadurch die Lust am eigentlichen Foltern genommen wird. Doch solche Szenen bleiben leider Mangelware, stattdessen kommen gegen Ende ein paar kitschige Einschübe ins Spiel, während der Biss zunehmend verloren geht.
Eine leidlich mitreißende Komödie, im Zentrum zu seicht und nur am Rande ein wenig böse, - bleibt zu hoffen, dass Cohen nicht komplett zum humoristischen Einheitsbrei wechselt…
5,5 von 10

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