Schön, wenn Kinder in der Natur spielen, anstatt vor der Spielkonsole abzuhängen, doch bei Kriegsspielen können schon mal die Grenzen verschwimmen und die Vorstellungskraft mit der Realität verschmelzen, was Regisseur Jason Lapeyre mit seiner Parabel über weite Teile eindrucksvoll zu bebildern versteht.
Neun Kinder spielen in zwei Gruppen gegeneinander "Capture the Flag". Wird ein Gegner angeschossen, muss er bis Zehn zählen, wird ein Spieler von einer Granate getroffen, muss er nach Hause gehen. Gewonnen hat die Gruppe, welche die gegnerische Flagge ergreifen kann.
Doch während Taktiker P.K. einen Plan verfolgt, reißt Gegner Skinner unvermittelt die Macht an sich und entführt P.K.´s besten Freund Paul...
Dass die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Phantasie verschwimmen, ist ein cleverer Schachzug, denn würden ein paar Kids mit Stöcken und Ästen durch den Wald juchtern, entstünde nicht diese Intensität, welche sich ja eigentlich nur in den Köpfen der Heranwachsenden abspielt. So kommt auch schon mal eine Bazooka zum Einsatz, Handgranaten werden geworfen und einer vermag die Gegner gar mit Laserblicken zu entmaterialisieren.
Die Figuren spiegeln indes das wider, was den Durchschnitt einer militärischen Truppe im überspitzten Sinne repräsentiert, denn es gibt den taktierenden Anführer, den Psychopathen, den Mitläufer und Angsthasen und den Typen, der sich blöde Fragen ausdenkt, was in der Kompanie wohl derjenige wäre, der mit sexuell geprägten Luftschlössern um sich werfen würde. Dass ein Mädchen mit von der Partie ist, erweist sich allerdings als Manko, denn ihr Charakter schwankt zu unentschlossen zwischen knallharter Berechnung und gnadenloser Schwärmerei, was dem Ganzen ein wenig die Glaubwürdigkeit raubt.
Ansonsten performen die jungen Mimen (Erwachsene spielen nicht mit) nahezu durch die Bank überzeugend, der Erzählfuß lässt keinerlei Durchhänger entstehen, nur im letzten Drittel hätte man sich so etwas wie eine Konsequenz gewünscht, denn eine wirkliche Eskalation bleibt aus, wodurch das Ende ein wenig unbefriedigt stimmt. Immerhin wird auf moralischer Ebene eine klare Aussage getätigt, denn im Krieg gibt es nun mal keine klaren Sieger.
Schade, dass die FSK dem Stoff eine 16er Freigabe verpasste, denn dadurch fällt eine Zielgruppe bereits aus dem Rahmen, welche diverse Themen wie Freundschaft, Gruppendynamik, Vertrauen und Anerkennung im Schulunterricht hätte besprechen können, während Erwachsene eventuell ein wenig mehr Tiefe bei den Konflikten benötigt hätten, um in der Geschichte eine treffsichere Sozialstudie zu sehen.
Dennoch bleibt der Film unterm Strich recht gelungen, phasenweise durchaus packend in Szene gesetzt und über weite Teile spannend erzählt, - wer Zeiten seiner Kindheit ähnlich verbracht hat, könnte gar in nostalgische Gefilde abdriften.
7 von 10