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Ja, ja, die 80er! Ein Jahrzehnt, das die Welt gespalten hat. Für die einen gehören die Frisuren, die Musik und das Lebensgefühl dieser Zeit mit zu dem Schlimmsten, was sie mitmachen mussten, für die Anderen war es eine Zeit die wohl das Kultigste war, was unser Planet miterleben durfte. Ein Jahrzehnt voller Sex, Drugs and Rock 'n Roll. Und für alle Fans dieser Zeit, gibt es schon seit einiger Zeit das Broadway-Musical "Rock of Ages", welches den Geist dieser Zeit perfekt einzufangen vermag. Und wie so viele Musicals, hat nun auch dieses seinen Weg in die Kinos geschafft. Mit Paul Giamatti, Catherine Zeta Jones, Bryan Cranston und Tom Cruise hochkarätig besetzt, waren die Erwartungen hoch. Und auch wenn sie vielleicht nicht übertroffen werden, so werden sie doch vollkommen erfüllt!

Die Story ist dabei sicherlich das schwächste Glied in der Kette. Denn wie bei so vielen Musicals, ist auch hier die Geschichte eher mäßiger Natur. Ein Rockclub steht kurz vor dem aus, doch der Superstar Stacee Jaxx schafft es der Hütte noch einmal zu Ruhm zu verhelfen. Das gefällt der bitterbösen und erzkonservativen Bürgermeistergattin Patricia Whitmore so gar nicht und sie setzt alles daran, den Club zu schliessen. Da dem Club aber eh die Finanzen schneller ausgehen als gedacht, mag das fast gar nicht mehr nötig sein. Doch dann kündigt sich plötzlich wieder eine Chance, zur Rettung des Ladens, an und der Kampf geht von vorne los... Und das natürlich alles hauptsächlich mit Gesang. Wer die Inhaltsangabe liest weiß so gleich, dass er es nicht mit etwas Tiefgründigem zu tun bekommt. Eher durchbadet die Story ein 80er-Klischee nach dem Anderen und alles, was man irgendwie, irgendwo schon einmal über diese Ära gehört hat, ist auch enthalten, mag es letztendlich der Realität entsprechen oder nicht. Doch sein wir einmal ehrlich, wollen wir bei einem Musical wirklich so etwas Tiefgründiges sehen?

Ich glaube nicht! Ein Musical soll vor allem eins machen: Spaß und mit mitreißenden Songs überzeugen. Und genau das schafft "Rock of Ages" in Gänze, vor allem wenn man die durchaus schräge aber mit viel Herzblut entstandene Mucke dieser Zeit lieben gelernt hat. Ähnlich wie bei "Mamma Mia", werden auch hier bekannte Songs so perfekt in die Handlung eingebaut, dass man meinen kann, sie wären erst für dieses Musical geschrieben worden. Von "Here I Go Again" über "Hit me with your best Shot" bis hin zu "I want to know what Love is", alles wurde glamourös in die Handlung eingebaut und passt an jeder Stelle wie die Faust aufs Auge. Und das unumstößliche Highlight ist dabei natürlich die Szene, in der sich Russell Brand und seine Rockfans mit Catherine Zeta-Jones und ihrer Gefolgschaft, mit "We built this City" und "We`re not gonna take it", einen musikalischen Battle liefern, der einfach nur in die Beine fährt. Kurzum, wer hier nicht anfängt mitzuwippen, sitzt eindeutig im falschen Film.

Aber auch mit seinen anderen Details schafft es der Film, die 80er aufleben zu lassen und sei es nur so, dass es das Klischee perfekt erfüllt. Wie es sich gehört, haben die Figuren hier natürlich alle wunderbar scheußliche Frisuren, die Klamotten reichen von total bieder bis absolut Over the Top und die großartige Club-Kulisse ist einfach nur toll anzusehen. Wer die Zeit voll und ganz miterlebt hat und sie noch mit jeder seiner Fasern in den Knochen spürt, der wird hier einfach nur mit strahlenden Augen auf die Leinwand gucken.

Doch was wäre ein Film wie dieser ohne seine Darsteller? Regisseur Adam Shankman, welcher sowieso schon immer ein glückliches Händchen in Sachen Musicals hatte, hat ein ganzes Dutzend toller Darsteller auf die Leinwand geholt, welche allesamt rundum überzeugen können und auf wunderbare Weise auch noch richtig gut den Rock ins Mikro schmettern. Wer Angst hatte, dass seine Lieblingssongs verunstaltet werden könnten, wird eines Besseren belehrt. Wirklich jeder Song ist brillant gecovert worden und dürfte auch bei den Originalinterpreten auf wohlwollende Ohren treffen. Selbst Tom Cruise, der bei vielen wohl die meiste Sorge aufbringt, ob er einen schmierigen Rockstar gut verkörpern kann, macht seine Sache großartig. Ja, er schafft es sogar, die Meisten locker an die Wand zu spielen, wenn er mit ihnen im Bild ist. Aber auch Paul Giamatti, Catherine Zeta-Jones, Bryan Cranston und (passender gehts nicht) Russell Brand sind einfach nur Top. Na und selbst das junge Trällerpäärchen Diego Boneta und Julianne Hough kann sich sehen und hören lassen. Besser hätte die Auswahl jedenfalls kaum sein können.

Fazit: Egal ob auf der Bühne oder auf der Leinwand, "Rock of Ages" ist die ideale Musicalverkörperung der verrückten, durchgeknallten 80er-Jahre. Tolle Songs, eine geniale Kulisse und grandiose Darstellerleistungen, lassen die dünne, klischeebehaftete Story schnell vergessen und laden zu einem 2-stündigen Mix aus guter Laune, schlechten Frisuren und höllisch guter 80er-Jahre Atmosphäre ein. Wer das Jahrzehnt noch nie mochte, nach einer tiefgründigen Geschichte sucht und/oder mit Musicals nichts anfangen kann, der dürfte hiermit kaum glücklich werden. Wer sich aber einfach mal fallen lassen kann, Musicals eine Chance gibt und das vielleicht schrägste Jahrzehnt aller Zeiten in seinem Herzen trägt, dem sei gesagt: "Let's rock und ab ins Kino!"

Wertung: 8/10 Punkte

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