Die Franzosen können einfach ziemlich gute Filme machen. Das ist glaube ich jedem klar. Mit "Requiem" wollten sie zwar ein Independent-Werk schaffen, übertreiben es aber ein Bisschen. Der Film hat sicherlich seine guten Momente und bietet auch teilweise Kurzweile, doch "Requiem" schafft es nicht, den Zuschauer über die ganze Länge hinweg zu unterhalten. So tauchen in der ersten Filmhälfte einige Längen auf und teilweise wirkt alles etwas wirr. Hier wollte man einen verschachtelten, mit Rückblenden arbeitenden Film kreiern. Das Vorhaben jedoch wurde jedoch nicht immer gekonnt in Szene gesetzt, hätte man alles etwas chronologischer erzählt, wäre "Requiem" meiner Meinung nach viel besser geworden. Noch dazu kommt das nach einer Zeit nervende Mysterium um diesen Goliath, wer er denn ist, was er denn will usw...
Die Story ist ganz passabel, 5 Schwerverbrecher überfallen einen Juwelierladen, wobei sie 2 Zeugen töten und einer der Verbrecher, Christian, tödlich verletzt wird. Die anderen 4 werden eingesperrt. 13 Jahre später gelingt ihnen die Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis. Bald aber haben sie eine Autopanne und suchen in einem nahegelegenem Kloster Unterschlupf. Dort finden sie einen alten Bekannten vor, ihren damaligen, totgeglaubten Komplizen vor, wegen dem sie damals in den Knast mussten. Ein Kampf ums Überleben beginnt.
So viel wäre möglich gewesen, aber so viel wurde leider auch ausgespart. Man hätte einen richtigen Knaller aus dieser Story machen können, Anzeichen davon sind ja auch zu sehen. Hier fehlte vielleicht etwas die Routine des Beteiligten. "Requiem" wirkt wie eine Mischung aus "Der blutige Pfad Gottes" und "Reservoir Dogs". Ihr braucht jetzt nicht ausflippen und aus diesem Aspekt in die nächste Videothek rennen, um euch den Film auszuleihen, denn der Versuch, einen Mix dieser beiden genialen Machwerke gelingt kaum. Manche Szenen wurden sogar original übernommen, wie z.b. die, in der sich die Verbrecher alle gegenseitig mit ihren Waffen bedrohen. Das hat man schon gesehen und will man nicht mehr sehen, sofern alles so inszeniert worden ist wie in "Requiem". Die Optik mag war ganz nett sein, kommen doch ganz nette Schnitte und rasante Kamerafahrten zum Vorschein, zu dem Ambiente in einem Kloster passt das aber irgendwie nicht. Das ist paradox und ungewöhnlich, zu den endlosen Gängen und Gemäuern solch schnell geschnittene Szenen zu sehen. Die epische Musik, die sich meistens wie das Gesang eines Chors, anhört, fängt auch nach einer Zeit zu nerven an. Hiermit wollten die Macher anscheinend Gänsehautstimmung schaffen. Eine weitere Schwäche ist, dass "Requiem" einfach nicht richtig in Fahrt kommt.
Trotz all dieser negativen Aspekte kann "Requiem" dennoch ganz gut unterhalten, hat er auch ein paar positive Seiten. Die Wahl der Schauplätze sind sehr gelungen, die Story im Kloster ist irgendwie auch unterhaltsam und die Lichteinstrahlung in vielen Szenen passt auch zum Rest des Films. Die Schauspieler bleiben alle blass, keiner gibt eine denkwürdige Leistung ab, weder in der positiven noch in den negativen Richtung. Das Ende ist dann wieder irgendwie klischeehaft und langweilig, so was wie einen Showdown gibt es nicht wirklich. Dazu kommen noch die ärgerlichen Gewaltschnitte in der deutschen DVD und Videofassung. Ich denke zumindest, dass solche vorgenommen wurden, da "Requiem" erstens nicht besonders brutal ist für eine FSK 18 Freigabe und zweitens ein paar holprige Schnitte vorhanden sind. Wie z.b. beim Mord an den Mönch. Ich hab mir auf jeden Fall mehr vom Ganzen erwartet, auch wenn mir "Requiem" vorher kein Begriff war. Man hat schon viel bessere französische Produktionen gesehen, diese hier ist wohl sogar einer der schlechtesten in letzter Zeit. Ansehen ist ok, ein Muss besteht jedoch für keinen. 5/10 Punkte