Review

Blieb bis heute der einzige Spielfilm von Hervé Renoh (auch Drehbuchautor), dabei ist sein "Requiem" kein schlechter Film, nur das vorhandene Potential wurde nicht voll ausgeschöpft.
Die Geschichte ist im Grunde simpel, aber effektiv dank einiger Haken, die der Film im Finale schlägt. Der Ursprung allen Übels ist ein großer Juwelenraub, den Christian (Patrick Dell´Isola), Marcus (Moussa Maaskri), Rafik (Jean-Louis Loca), Poupousse (Marc Chapiteau) und Gippé (Jo Prestia) begehen. Dabei wird ein Ehepaar und deren kleine Tochter kaltblütig erschossen, Christian will eingreifen und wird lebensgefährlich verletzt. Er verpfeift Marcus und die restliche Truppe und versucht in einem Kloster Frieden zu finden. Doch dreizehn Jahre später taucht nicht nur die mysteriöse Carla (Julie-Anne Roth) dort auf, sondern Marcus und den anderen ist Flucht aus dem Knast gelungen. Sie verstecken sich ebenfalls im abgelegenen Kloster.
Der skrupellose Auftakt weiß den Zuschauer schon zu fesseln, die Vergewaltigung der Frau und die Erschießung des Kindes lässt uns nicht kalt, aber Renoh überschreitet dabei keine Grenzen. Im Hintergrund zieht ein gewisser Goliath die Fäden, der sich natürlich erst ganz zum Schluss zu erkennen gibt.

Goliath ist es auch, der Marcus und den anderen nach dreizehn Jahren die Flucht ermöglicht. Hier ein dicker Logikpatzer, denn es grenzt schon an Ironie, wie leicht die Schwerverbrecher hier ausbrechen können. Aber man ahnt schnell, dass auch Goliath sein eigenes Süppchen kocht, spätestens als man mit dem Fluchtauto mitten in der Pampa liegen bleibt. Der einzige Zufluchtsort ist nun das Kloster, der Großteil der Mönche befindet sich auf einer Konferenz, nur Christian, Oberhaupt Henri (Simon Eine), Boris (Mathieu Busson) und die Wanderin Carla sind zugegen.
Natürlich wird das Kloster von Marcus eingenommen, doch erwartete Konfrontationen bleiben aus. Christian keine seine wahre Identität nicht lange verbergen, obwohl alle damals Masken trugen und sich nie zu Gesicht bekamen. So stehen nun diverse Streitereien oder kleine Foltereinlagen an. Christian wird ordentlich vermöbelt, Carla fast vergewaltigt, Henri ans Kreuz genagelt und Boris wird die Kehle durchgeschnitten. Da die vier Verbrecher kaum miteinander klar kommen, versucht Christian sie gegeneinander auszuspielen. Doch echte Highlights sollte man dabei nicht erwarten, höchstens Routine mit ein paar Brutalitäten versehen.

Was wirklich gefällt ist der durchgehend düstere Look, denn das Kloster liegt sehr abgelegen auf einem Hügel. Drumherum ist Wald und der Nebel wabert so stark, dass eine Flucht unmöglich ist. Der Score ist rein instrumental, es kommen auch Chöre die Kirchenmusik trällern zum Einsatz.
Doch bis zum actionreichen Showdown will Renoh außer ein bisschen Geplänkel nichts gelingen, gegen Ende beginnen dann hektische Schnitte und grelle Blitzlichter zu stören. So ist leider beim Endkampf zwischen Christian und Marcus nicht viel zu erkennen, während das Abservieren des restlichen Trios gelungen ist. Hinzu kommen ein paar böse Überraschungen, die aber hinterher auch ein einige Fragen aufwerfen. Mit Logik hat es "Requiem" nicht so sehr, dennoch zählt die Story zu den gelungenen Elementen.
Außer Julie-Anne Roth (Die Bartholomäusnacht, Vatel) sind mir die restlichen Darsteller unbekannt, jedoch verkörpern sie ihre Charaktere glaubwürdig.

Vom Ansatz her interessant, aber ein paar Logikpatzer haben sich eingeschlichen. Auch ist der Mittelteil etwas lahm geraten, während Renohs düstere Inszenierung gefällt. Die Stilmittel im letzten Drittel hätte er weglassen können und die Konfrontationen zwischen Gangstern und Mönchen dürften mehr Substanz haben. Renoh wollte hier zu viel und ist am eigenen hohen Anspruch gescheitert. So ist "Requiem" im Endeffekt nur Mittelmaß.

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