Unglaublich, aber wahr! Die Billig-Klitsche Royal Oaks, berühmt berüchtigt für massives Zelluloidrecycling aus zweiter Hand, hat es sogar mal geschafft einen zumindest ansehbaren B-Actioner zu produzieren.
Zwar besteht auch „Freedom Strike“ zu gut einem Drittel mal wieder aus einer Kollage der bekannten Motive „Top Gun“ und „Iron Eagle“, darf sich darüber hinaus noch über viel Archivwerbematerial der U.S. – Streitkräfte freuen, kann jedoch nebenher auch noch mit eigenen Actionszenen zeitweise kurzzeitig unterhalten.
Der langsam Pfunde aufnehmende Michael Dudikoff („American Ninja“, „Avenging Force“), den keiner mehr haben wollte, der deswegen in seinen letzten Jahren als Schauspieler vor seinem Rücktritt unter Royal Oaks anheuerte und in den Folgejahren in wesentlich übleren Machwerken verheizt wurde, spielt hier den Elitesoldaten Tom Dickson, der mitsamt einer Gruppe auserwählter Spezialisten das sogenannte U.N. – Spezialeinsatzteam Freedom Strike bildet.
Die sind immer dann zur Stelle, wenn es irgendwo brennt und schnell reagiert werden muss.
Drehbuchautor Tony Giglo, der interessanterweise bei Royal Oaks seine Karriere mit Screenplays zu „Surface to Air“ und dem Dudikoff-Western (!!!) „The Shooter“ begann und inzwischen als Regisseur neben „In Enemy Hands“ den immer noch kaum veröffentlichten Statham/Snipes – Actionthriller „Chaos“ inszenierte, schmiedet erbarmungslos die altbewährten Klischees zusammen, wonach im Nahen Osten grundsätzlich viel Heißblut herrscht, das Amerika und überhaupt der freien Welt nicht sonderlich positiv gesonnen ist.
Im Fall von „Freedom Strike“ schmettert in Syrien ein wirklich jedes Klischee bedienender Terrorist seine Hasstiraden via TV über den großen Teich und wirft schon einmal seine Waffenfabrik an. Diese dreiste Provokation sieht Amerika gleich als Gefahr der „freien“ Welt an und schickt Freedom Strike vor Ort, weil ein massiver Luftschlag durch deinen Störsender unmöglich scheint. Gut, warum das U.S. – Militär direkt U.N. – Truppen instruiert, ist mir ein Rätsel, aber Logik war noch nie eine Stärke von Royal Oaks und später soll es noch viel alberner werden.
Hat der Zuschauer sich aber erst einmal durch die Stock Footage – Berge diverser Flugmanöver gekämpft, darf Regisseur Jerry P. Jacobs („Evasive Action“, „Running Red“), übrigens ein Veteran der P.M. Entertainment – Ära, eine bleihaltige Infiltration der anvisierten Fabrikanlage inszenieren, die auf überraschend hohem B-Niveau mit häufigen Schusswaffengebrauch, blutigen Shootouts und recht spektakulären Stunts (u.a. in die Luft fliegender PKW mit davon gewirbelten Stuntman) die Genrefans begeistern können. Die erste selbsterstellte Actionszene macht also durchaus Laune, auch wenn die Terroristen natürlich nur wieder Kanonenfutter sind.
Nach diesem ersten Höhepunkt versinkt der Film aber leider wieder in überbordendem, amerikanischen Patriotismus, als ausgerechnet auf der U.S.S. Nimitz, ganz in historischer Symbolik verweilend, ein Friedensvertrag verfeindeter Oststaaten unterzeichnet werden soll. Die Miteinbeziehung der Journalisten beziehungsweise deren Kompetenzgerangel ist nur ein zäher Subplot, der so ausführlich wohl nur eingefügt wurde, um die Handlung zu strecken, was wohl auch für die Anbandelungen innerhalb Dicksons Team gilt.
Überdies gibt es nach einem heimtückischen Anschlag auf das mitunterzeichnende, syrische Staatsoberhaupt, das aber nicht operiert werden kann, weil in ihm ein Explosivgeschoss steckt, dann leider viel Leerlauf voller Stock Footage und antiamerikanischer Propaganda – verbreitet durch den eingangs schon kennen gelernten Extremisten, der bereits wieder die Nuklearraketen rasseln lässt.
Wer nun hinter dem Anschlag steckt, ist eigentlich klar. Die Attentäter werden nach etwas „Under Siege“ auch neutralisiert und schlussendlich düst die Freedom Strike selbstlos noch einmal gen Syrien, um die Gefahr abzuwenden und ihrem alten Freund die Hammelbeine lang zu ziehen.
Immerhin ist der sich ähnlich wie schon das erste Eindringen in den Komplex ein gelungener Abschluss voller Schießereien, Explosionen (z. T. nur Miniaturen) und aus beeindruckenden Höhen fallenden Terroristen.
Wer sich vor überschwänglich proamerkanischen Stimmungen nicht zurückschreckt, macht bei „Freedom Strike“ letztlich nicht so viel falsch. Immerhin sind die Stock Footage – Szenen alle so integriert, dass es dem unbedarften Zuschauer wohl nicht einmal auffallen würde. In Ermangelung einer Geschichte, die nun wirklich nicht bestimmt zwei Dutzend Male genreintern durchgekaut wurde, kommt der Unterhaltungswert jedoch früh abhanden. Daran können auch die beiden sehr solide inszenierten Einsätze des Freedom Strike - Kommandos nicht viel ändern.
Fazit:
Über dem üblichen Bodensatz von Royal Oaks schwimmend, kann sich „Freedom Strike“ dank seiner zwar rar gesäten, dann aber ordentlichen Actioneinlagen noch eine unterdurchschnittliche Bewertung einfangen. Vom Schauspielermaterial bis hin zur Inszenierung ist dieses Mal wenigstens nicht alles auf superbillig getrimmt, auch wenn einige Armaturen der Missionszentrale ab und an unecht wirken und der sich ewig wiederholende Score der Gebrüder Wurst verdächtig nach einem Ausschnitt aus Klaus Doldingers „Das Boot“ –Score klingt. Die Dialoge gehen nicht auf den Keks, der leide völlig ideenlose Ablauf ist ohne größere Längen abgewickelt und Michael Dudikoff hinterlässt einen soliden Eindruck. Da hat er wohl noch nicht geahnt, was noch auf ihn zukommen würde...