Review
von Carbusters
Batic und Leitmayr wirken hier oft verwirrt, im Milieu Münchner Frauenimporteure. Einer der wohlhabenden deutschen Gatten wird erschossen: Aus der Nähe in den Kehlkopf. Auf seinem Foto dominiert vor allem sein seltsamer Schnurrbart.
„Anhang ist kein Hindernis“, wenn die Asiatinnnen zwecks Eheschließung nach Deutschland geholt werden. Auch Sprachprobleme sind den Ehemännern willkommen: Das hilft ihnen, ihre Ehefrauen besser zu unterdrücken.
Doch den Kommissaren machen fremde Akzente und Gebräuche das Leben eher schwer: Im Krimi ist es ohnehin mühsam genug, einen Überblick zu finden. Hier sind die Detektive noch mehr als gewöhnlich am Rätseln: Was mögen diese Frauen wohl meinen, die sich eher poetisch als „deutsch, deutlich und in Druckbuchstaben“ äußern? Auch den Zuschauern wird kein Vorsprung gegeben: Wir verstehen, auch akustisch, bald noch weniger als unsere Helden. Endlich mal ein „Tatort“, bei dem wir wirklich aufpassen müssen – und dürfen! Seien wir dankbar dafür!
Am Rand ihrer verschlungenen Wege finden die Kommissare erstaunliche Dinge vor, z.B. Schmetterlinge, die Schweiß und Tränen trinken, einen halbnackten Rechtsanwalt beim Fensterputzen, eine Frau, die an der Decke schläft und Leitmayr zum Weinen bringt, einen halbnackten Bürgermeister, der als Riesenhuhn auftritt.
Ausgerechnet ein singender Dolmetscher soll die fremde Kultur verstehen helfen. Doch trotz allem feiern unsere Kommissare am Ende einen kleinen Erfolg: Sie verhelfen der Täterperson zur Flucht. Komik, Tragik und surreale Einlagen liegen dicht beieinander.
Dominik Graf, einer der derzeit wichtigsten deutschen Filmemacher, hat diesen „Tatort“ gegen den Strich gebürstet und das Genre mit eigenwilligen Arabesken erweitert. Hier triumphiert am Ende nicht, wie so oft, das (deutsche) „Recht“, sondern die Gerechtigkeit.
Ein ganz und gar untypischer „Tatort“, und damit einer der besten.