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Das neueste Walt Disney Pixar-Werk in 3D widmet sich diesmal der jungen "Merida", die als Tochter eines Clan-Chefs in den schottischen High-Lands lebt. Die Macher nutzen diesen Hintergrund für beeindruckende Panoramen mit riesigen Felsen und Wasserfällen, dunklen Wäldern und an "Stonehenge" erinnernde Kultstätten - ein Ort, an dem Zauberei und Übernatürliches geradezu erwartet wird.

Meridas Leben selbst ist allerdings weniger ungewöhnlich, denn als Erstgeborene des Königs über vier schottische Clans, hat sie eine Aufgabe zu erfüllen, auf die ihre Mutter Elinor sie streng vorbereitet. Während ihre drei kleinen Brüder den ganzen Tag Blödsinn machen, muss sie Disziplin und Benimmregeln lernen, was ihr schwer fällt, denn am liebsten reitet sie mit Pfeil und Bogen bewaffnet durch die Wälder. Doch dann kommt der Tag, an dem sie mit einem der Söhne der drei anderen Clanchefs vermählt werden soll, damit deren Zusammenhalt auch in Zukunft gewährleistet ist. Widerwillig lässt sie sich ihre rote Lockenpracht bändigen und quetscht sich in ein Kleid, doch als sie sieht, wie schlecht sich die drei jungen Männer beim Bogenschießen anstellen, nimmt sie ihren eigenen Bogen und besiegt sie bei dem Kampf um ihre Hand. Es kommt zum Eklat und vor allem ihre Mutter ist sehr erbost, während Merida aufgebracht in die Wälder reitet.

Natürlich ist auch das neueste Disney-Werk eine gelungene Mischung aus witzigen Nebenfiguren und einer familienaffinen Dramatik, die letztlich allen Protagonisten ein Mindestmaß an moralischer Läuterung und Selbsterkenntnis abverlangt. Trotzdem geht "Merida" einen eigenen Weg, weil der Film sich nicht den üblichen Verstrickungen eines jungen Paares widmet, sondern der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Zwar gibt es auch in "Merida" einen Bösewicht - einen schrecklichen Bären, der Meridas Vater vor vielen Jahren bei einem Kampf ein Bein abgerissen hatte - aber dieser befindet sich eher im Status der Legende, die vom König gerne und häufig zum Besten gegeben wird.

Sonst bevölkern nur muntere Gesellen die schottischen Highlands, zwar immer für eine Prügelei gut, aber mit dem Herzen auf dem rechten Fleck. Auch die Hexe, zu der Merida dank der Irrlichter findet, und deren Zauber die Dramatik erst herauf beschwört, kann mit diesen Sprücheklopfern problemlos mithalten. In ihrer Mischung aus altbekannter Zauberei und modernem Geschäftssinn gehört sie zu den gelungensten Einfällen des Films, in dem letztlich nur zwei "erwachsene" Menschen agieren - Mutter Elinor und Tochter Merida.

In dieser Geschlechterzuordnung - hier die rauflustigen Männer, die feiern und in den Kampf ziehen, dort die vernünftigen Frauen, die sich um den Fortbestand der Sippe kümmern - werden noch ein paar Klischees sichtbar, aber der Film bricht diese nicht nur, weil die wilde Merida mit Pfeil und Bogen geschickter umgehen kann als die Männer, auch die Auseinandersetzung mit ihrer Mutter bleibt trotz ihrer Bedeutung immer auch voller Situationskomik. Das darin gleichzeitig auch der Prozess liegt, den der Film seinen Protagonisten abverlangt, ist kein Nachteil. Im Gegenteil verzichtet "Merida" auf typische Rollenverteilungen und predigt letztlich die Freiheit des Einzelnen.

"Merida" ist kein Film der großen Emotionen, der in seiner ausgewogenen Mischung aus schönen Bildern und einer witzigen, nicht besonders dramatischen Story, fast unauffällig im Jahrzehnte alten Disney-Universum zu verschwinden scheint, der aber weder auf sentimentale Klischees, noch übertriebene Botschaften setzt, sondern von schottisch, verschmitzter Lässigkeit bleibt (7,5/10).

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