"Wir drehen im Iran? Sehen sie keine Nachrichten?"
04. November 1979 im Iran: Die hungernde Bevölkerung stürzt die amtierende Regierung und verlangt die Auslieferung des sich in Amerika befindenen Schah's. Um ihren Forderungen mehr Ausdruck zu verleihen, stürmen einige Iraner die amerikanische Botschaft in Teheran. Dabei können sechs Diplomaten fliehen und sich in der kanadischen Botschaft verstecken.
Da die Auslieferung trotz der Geiselnahme zahlreicher Botschafter für die USA nicht in Frage kommt, betraut man die CIA damit, zumindest die sechs untergetauchten Diplomaten aus dem Iran zu befreien. Agent Tony Mendez (Ben Affleck) entwickelt einen waghalsigen Plan, um die iranischen Behörden zu täuschen: Mit den beiden Hollywood-Legenden John Chambers (John Goodman) und Lester Siegel (Alan Arkin) arbeitet er ein Konzept aus, sich und die sechs Diplomaten als Filmteam zu tarnen, die auf der Suche nach Motiven für den trashigen Science-Fiction Film "Argo" sind.
Die Geiselnahme von Teheran ist in der Politikgeschichte nicht ganz unbekannt. Dafür aber die Rettung, welche als Filmprojekt getarnt war. Schauspieler und Regisseur Ben Affleck ("The Town - Stadt ohne Gnade", "Daredevil") ließ sich von dem Wired Magazine Artikel "Escape from Tehran. How the CIA Used a Fake Sci-Fi Flick to Rescue Americans From Tehran" inspirieren und setzt diesen mit "Argo" also Film um.
Von der Art der Befreiung und der Planung abgesehen, ist "Argo" recht konventionell. In beklemmenden Bildern zeigt der Polit-Thriller zunächst den Sturm auf die US-Botschaft aus der Perspektive der zu Tode verängstigten Mitarbeiter. Bereits hier fällt der hohe Grad an Authentizität auf, mit dem sich "Argo" umgibt. Kulissen, Optik der Darsteller und Ausstattung; selbst das Warner Bros Logo ist aus den 70ern. Hinzu gesellen sich visuell hervorgehobene Originalaufnahmen des Vorfalls.
Was darauf folgt ist eher ungewöhnlich. Statt konservativ das Zeitgeschehen zu dokumentieren, parodiert "Argo" geradezu Hollywood selbst. In augenzwinkernder Form präsentiert sich ein Abbild des Trashkinos mit Aufschneidern, Versagern, Zynikern und Alkoholikern zu einer bunten Ansammlung, die man kaum ernst nehmen kann. Dass sich dahinter eigentlich eine ernstzunehmende Planung für eine Befreiung versteckt, gerät schon fast in den Hintergrund.
Schließlich widmet sich der Polit-Thriller aber doch noch seinen Wurzeln. Nach der Hälfte des Films geht das vorherige Tempo spürbar verloren. Die Handlung wird linearer und die bislang nicht als schlicht wahrgenommenen Figuren werden offensichtlich.
Davon abgesehen ist das als vorhersehbar erwartete Finale recht unspektakulär und etwas zu perfekt abgeschlossen.
Ben Affleck sowie John Goodman ("The Artist", "Speed Racer") sind die darstellerischen Hauptattraktionen von "Argo". Während sich Affleck auf seine bekannte, melancholische Mimik verlässt, geht Goodman facettenreich in seiner Rolle als Stimmungsmacher auf. Alle anderen Darsteller sind austauschbar und zeigen keine grosse Präsenz im Film.
Seine Stärken hat "Argo" in der ersten Hälfte. Von beklemmend, über augenzwinkernd zu energiegeladen entfaltet der Polit-Thriller sehr viele Stimmungen. Die konservative, zweite Hälfte lässt leider das vorherige Tempo missen. Die Erzählstruktur wird linearer und die Figuren bleiben oberflächlich. Ein geschichts- oder politikbegeistertes Publikum wird dieses Manko sicher übersehen und sich an der durchgehenden Authentizität erfreuen.
6 / 10